zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

17. August 2017 | 02:22 Uhr

Zurück aus einer anderen Welt

vom

Clara Kruse verbrachte zehn Monate als Austauschschülerin des Rotary Clubs in Taiwan

gammelby | Für viele ist es der Alltagstrott, der einen wieder einholt - der Schulstart nach den Sommerferien. Für Clara Kruse (18) aus Gammelby ist es der Wiedereinstieg in das deutsche Schulleben. Sie hat die letzten zehn Monate als Austauschschülerin vom Rotary Club in Taiwan verbracht.

Bei ihrer Bewerbung konnte sie sich drei Länder aussuchen, die sie gerne bereisen würde. Neben Kolumbien und Argentinien wählte sie auch Taiwan. Das die Entscheidung letztendlich dann auf Taiwan fiel, hat die 18-Jährige nicht gestört. "Ich hab mir von Anfang an vorgenommen, mich nicht großartig vorzubereiten und es einfach auf mich zukommen zu lassen, das hat ganz gut funktioniert."

Am Anfang des Austauschs sei sie sich oft vorgekommen wie ein "Alien". "Die haben ja alle ein anderes Aussehen, glatte Haare, andere Augen, da starren dich erstmal alle an." Aber mit der Zeit habe sie sich dran gewöhnt und irgendwann habe es ihr überhaupt nichts mehr ausgemacht.

Sie habe sich an der Schule sehr wohlgefühlt und mit den Mitschülern gut verstanden. "Anfangs habe ich immer noch alle gefragt, warum sie was machen, aber das habe ich mir ganz schnell abgewöhnt." Die Taiwanesen seien alle sehr verschüchtert und verschlossen. "Sie sind auch sehr ängstlich. Dabei ist es dort wahrscheinlich noch sicherer als in Deutschland." Diese Vorsicht sei ihr aber auch in vielerlei Dingen zu Gute gekommen. "Wenn vor einem Bäcker eine lange Schlange war, konntest du dich einfach daneben stellen mit der Entschuldigung, dass du es nicht besser weißt, und die haben dich dann einfach vorgelassen, aus Angst, dass du böse zu denen bist, das war ganz praktisch manchmal", erzählt die Schülerin mit einem Augenzwinkern.

Sonst hat es ganz gut geklappt mit der Verständigung. In Taiwan wird Japanisch gesprochen, dafür hat Clara extra zwei Crashkurse in Hamburg belegt. Damit sie sich überhaupt ein wenig verständigen könne. Die Sprache an sich sei sehr schwer. "Die Japaner haben für ein Wort vier verschiedene Bedeutungen, da muss man sehr auf die Betonung achten." Allerdings habe sich die Schülerin das nicht so sehr zu Herzen genommen. "Ich hab nicht auf die Töne geachtet", viele Wörter seien einfach zu schwer. Verständigen konnte sie sich trotzdem. Nur in der Schule fiel die Kommunikation sehr schwer. "Aus dem Unterricht konnte ich nicht viel mitnehmen". Gemeinsam mit anderen Austauschschülern durften sie meist eher gehen, weil sie "eh nichts verstanden haben."

In Taiwan ist der Abiturientin bewusst geworden, was für ein gutes Schulsystem Deutschland hat. "Da hält der Lehrer den Unterricht und die Schüler hören zu". Freiwillige Meldungen gäbe es nicht und wenn der Lehrer was fragt, würden nur die besonders offenherzigen Schüler antworten. Alles laufe sehr organisiert und strukturiert ab.

Das ist ihr auch im Alltag aufgefallen. "Die Taiwanesen stellen sich bereits vor der Rolltreppe in einer geordneten Schlange auf. Hier in Deutschland wartet dort immer eine riesen Traube Menschen." Allerdings gebe es die gute Organisation nur im Untergrund. Während da nicht geraucht, getrunken oder gegessen werden dürfe, gehe es auf den Straßen schon weitaus chaotischer zu. "Es gibt dort viele Mofas", sagt Clara und die Menschen machen einfach alles.

An die verschiedenen Eigenarten habe sich die Schülerin schnell gewöhnt. "Das ist das gute an diesem Jahr: Man gewöhnt sich an Dinge, an die man sich eigentlich gar nicht gewöhnen will". Diese Erfahrung habe ihre Zeit geprägt.

In den zehn Monaten hat sie die Landschaft und das Radfahren am meisten vermisst. In Taiwan hat sie in Tai Peh in einem 20-stöckigem Haus gewohnt. "Da gab es nicht viel Landschaft". Während ihres Aufenthaltes musste sie einmal die Familie wechseln. "Das ist üblich bei Rotary." In der zweiten Gastfamilie hat sie sich mit der Tochter Louise Pong angefreundet. Gemeinsam sind sie zurück nach Deutschland geflogen, denn Louise möchte ihre Deutschkenntnisse vertiefen und die Aussprache verbessern. Außerdem interessiert sie sich für das Land, in dem ihre Gastschwester aufgewachsen ist.

Zurück in Deutschland musste Clara sich erstmal wieder an das deutsche Leben gewöhnen. "Anfangs war das sehr komisch, aber man gewöhnt sich schnell wieder dran." Außerdem habe sie ja noch ein wenig Taiwanesischen Flair im Haus.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Aug.2013 | 03:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen