Zum Tod von Pastor Christian Schreiber

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12. Februar 2010, 04:59 Uhr

Eckernförde | In der Stunde Null war er da. Der christlich geprägte junge Mann sah die große Not kriegstraumatisierter Kinder, nahm sich ihrer an und baute 1947/48 in Altenhof das erste Missionskinderheim - die Keimzelle des Heilpädagogiums an der Ostsee für 220 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an acht Standorten. Der Initiator und Gründer, Pastor Christian Schreiber, ist am 5. Februar im Alter von 88 Jahren in seinem Haus in Missunde gestorben. Das Heilpädagogium ist sein Lebenswerk, er hat es aufgebaut, weiterentwickelt und in die Hände seiner Söhne Hubert und Christof gegeben. Heute genießt das Heilpädagogium mit seinen 300 Mitarbeitern bundesweit einen hervorragenden Ruf in der Jugend- und Eingliederungshilfe.

Neben seinem christlichen Glauben waren es die exzellenten Kontakte des gebürtigen Oberschlesiers nach Skandinavien - Schreiber lebte von 1925 bis 35 mit seinen Eltern in Finnland - die es ihm ermöglichten, den Flüchtlingskindern zu helfen. Als nach dem Krieg die Flüchtlingsströme Schleswig-Holstein erreichten, fühlte er sich berufen, den Kriegskindern zu helfen, die in Berlin, Braunschweig oder Goslar fürchterliche Bombennächte in Bunkern überlebt hatten. Der junge Missionar (Motto "Beten und arbeiten") baute 1946 im Sandkrug-Lager einen Kindergarten und eine Schule für 100 Kinder auf und begann 1947 mit Schwestern der "Freien Christlichen Schwesternschaft" den Bau des Missionskinderheims in Altenhof, in dem sich die Kinder sechs Wochen an der Seeluft erholen konnten. Parallel organisierte Schreiber Hilfstransporte aus Schweden: Zügeweise trafen gespendete Lebensmittel, Medikamente und Kleidung für deutsche Flüchtlingskinder ein. Zudem organisierte er Fahrten mit den "Schweden-Bussen": Von 1952 bis 63 erholten sich 25 000 Kinder für drei Monate im "Wunderland des Nordens". 1955 weihte Christian Schreiber das erste Kinderhaus im Brennofenweg ein, fortan schickten Jugendämter aus ganz Deutschland Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Erziehungs- und Entwicklungsstörungen und Behinderungen in die Einrichtungen des Heilpädagogiums. Größten Wert legte Schreiber auf eine kindgerechte Gestaltung des Umfelds, die Vermittlung christlicher Werte und die fachlich bestmögliche Betreuung. Ziel: Wiedereingliederung in Familie und Gesellschaft und Eröffnung neuer Perspektiven. Bis zu seinem 70. Geburtstag kümmerte Schreiber sich um das operative Geschäft, 2008 wurde sein Lebenswerk im Rahmen des 60-jährigen Bestehens des Heilpädagogiums gewürdigt.

Christian Schreiber, dem für seine Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande (1963) und die Goldene Ehrenplakette des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (1978) verliehen wurden, hat von 1966 bis 76 in der Sahara sozial-humanitäre Entwicklungshilfe geleistet und sich international für die Einheit der Christen stark gemacht. In diese Zeit fielen auch seine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II., die Herausgabe einer Schriftenreihe und eine eigene Sendereihe im finnischen Fernsehen.

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