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Eckernförder Zeitung

24. August 2017 | 03:22 Uhr

Zum Tod von Holger Späth

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Holger Späth suchte nicht die Öffentlichkeit, höchstens die in seiner Stammkneipe Frau Clara und auch dort nur am Tresen. Sicher, er hat viel getrunken und geraucht, zusammen mit seinem künstlerischen Weggefährten und Freund Falko Windhaus, aber die Clara bot ihm auch Motive ohne Ende – Menschen, Szenen, Gegenstände. Späth hat gezeichnet wie ein Berserker und dabei den ganz feinen Strich geführt, minimalistisch, ein Meister der Reduktion, immer treffend. Das war sein Leben. Der Stift, die Feder, das Papier, auf dem er wie ein Getriebener alles festhielt, was ihm wichtig und auch weniger wichtig war – Hauptsache zeichnen. Beruflich ein hochprofessionell arbeitender arbeitender Grafiker für die Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität – sein Brotberuf –, privat ein „begnadeter, aber verkannter Zeichner“, so Falko Windhaus, mit einem unstillbaren Verlangen, hoher Sensibilität und höchster Qualität. „Holger war rasend schnell“, bewundert Falko die unglaubliche Geschwindigkeit und Treffsicherheit seiner Arbeit.

Holger Späth ist am 20. Januar im Alter von 64 Jahren gestorben. Wohl auch deshalb so früh, weil er Raubbau an seinem Körper betrieben hat. Er hat gelebt, als gäbe es kein Morgen. Das war ihm bewusst, und er hat es trotzdem gemacht, der kreativer Querdenker, der viel mitzuteilen hatte, dabei aber nicht zu den umgänglichsten Menschen zählte, Typ Eigenbrötler, der lebte, um zu zeichnen. „Nicht die Hand führt den Stift, sondern das Auge“, hat Späth geschrieben. „Der Rest, Kopf, Hals, Schulter, Arm und Hand sind nur Verbindung. Das Hirn? Wird abgeschaltet. Beim Zeichnen hat es nichts verloren. Also. Noch’n Bier, Chef! Und es geht weiter: Auf ein Neues , ruft das Auge. Und der Stift gehorcht. “

Der Sprössling des Malermeisters Späth aus dem Jungfernstieg hatte Talent, zeichnete schon als Dreijähriger, absolvierte eine Malerlehre, studierte von 1977-81 an der Muthesius-Kunsthochschule. Zahlreiche Ausstellungen und Bücher wie „Alles Klärchen“ zeugen von seiner immensen Schaffenskraft. Der schlacksige Zeichner mit der Fluppe im Mund lässt seinen Blick nun in anderen Sphären schweifen.

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erstellt am 03.Feb.2017 | 14:15 Uhr

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