zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

20. November 2017 | 03:31 Uhr

Zum Schluss etwas ganz Feines

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Konzertreihe beschließt Spielzeit 2016/17 mit dem jungen Hungarian Chamber Orchestra und dem großartigen Solisten Leonard Elschenbroich

von
erstellt am 19.Mai.2017 | 06:44 Uhr

Das letzte Konzert dieser Spielzeit war etwas Besonderes. Es stand unter dem Motto „Italienische Konzerte“ und bot in der Stadthalle eine Mischung der unterschiedlichsten Komponisten und Epochen. Zu Gast war das 15–köpfige Hungarian Chamber Orchestra – vor drei Jahren ist das Ensemble, das sich 2011 zusammengetan hat, schon einmal in Eckernförde aufgetreten. Diesmal hatten die hochqualifizierten Musiker den großartigen Cello-Solisten Leonard Elschenbroich mitgebracht. Sie spielten ohne Dirigenten – der 1. Geiger gab Einsätze und Tempo-Nuancen vor. Als Eingang diente die „Italienische Serenade“ von Hugo Wolf (1860 –1903). Die melodiöse Linie wurde durch die Violinen und Bratschen klar hervorgehoben, während die drei Celli und der Kontrabass die Grundlage bildeten. Tänzerisch und lebhaft erklang das bisher recht unbekannte Stück.

Es folgte die Sonate für Streicher Nr. 6 von Gioacchino Rossini (1792 –1868) – ohne die Bratschen und mit dem Kontrabass als Solo-Instrument. Die eingängige Musik, die streckenweise an Mozart erinnerte, kam im 2. Satz sehr elegisch und getragen. Das Finale „Tempesta“ (der Sturm) hatte nach gemäßigtem Beginn ein „stürmisches“ Vorwärtsdrängen, das absolut einheitlich gestaltet wurde. Den engagierten Musikern gelang eine geschmeidige Wiedergabe.

Bei den Moses-Variationen für Cello-Solo und Streichorchester von Niccolo Paganini (1782 –1840) trat der hervorragende Solo-Cellist Leonard Elschenbroich hervor. Er selbst, der alles auswendig spielte, gab den anderen Musikern die Einsätze. Streckenweise begleiteten ihn kammermusikalisch nur ein anderes Cello und das Cembalo – in makelloser Einheit. Zum Abschluss war wieder das ganz Ensemble beteiligt, mit zum Teil halsbrecherischen Passagen – und das Solo-Cello ragte großartig hervor. Schon hier gab es – zu Recht – begeisterten Beifall.

Bei dem dreisätzigen Konzert für Cello, Streicher und basso continuo in g-moll, RV 416 von Antonio Vivaldi (1678 –1741) erlebte das hörbereite Publikum einen gesanglichen Beginn mit präzisen Echo-Wirkungen. Der Solist überzeugte wiederum mit fast unspielbaren Passagen und großen Melodiebögen. Das Streichorchester war ein aufmerksamer Begleiter, der sich mitfühlend und einschmiegsam in den Klang des Solisten einbringen konnte.

Dass Giuseppe Verdi (1813 –1901) außer seinen Opern auch noch Kammermusik geschrieben hat, war vielen Zuhörern sicherlich nicht bekannt. Verdi komponierte 1873 „zum Zeitvertreib“ ein viersätziges Streichquartett in e-moll, das hier in einem Arrangement für Streichorchester erklang. Das Werk hat durchaus eine klassische Form. Die Musiker boten den vollen Orchester-Klang, aber auch einzelne Solo-Passagen mit „durchhörigen“ Stellen, die der Spielerin, dem Spieler so manches abverlangte. Man erlebte viel Chromatik, die sauber dargestellt wurde. Das Andantino mit seiner gesanglichen, voll ausgespielten Themenführung wurde in allen Stimmen betont hervorgehoben. Das Prestissimo (sehr schnell) hatte zarte Passagen, die auch im Tempo ihre Bedeutung bekamen. Ein Cello-Solo wurde vom 1. Cellisten des Orchesters ausgezeichnet dargeboten, und die Final-Fuge geriet trotz ihrer verzwickten Tempo-Verschiebungen makellos.

Schlusswerk war die „Suite Italienne“ von Igor Strawinsky (1882–1971), für Cello und Streichorchester arrangiert von Benjamin Wallfisch. Man erlebte hier manche Reibungen, die jedoch die Farbigkeit der Musik unterstrichen. Dem Solo-Cellisten wurde auch hier viel zugemutet, aber er hat alles grandios bewältigt. Das geschwinde Finale stellte noch einmal große Anforderungen an alle Musiker, aber sie haben die hohen Ansprüche glänzend bewältigt.

Es gab Blumen sowie reichen, lang andauernden Beifall – Dank für einen hochstehenden, beglückenden Abend.


Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen