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Eckernförder Zeitung

13. Dezember 2017 | 02:22 Uhr

Zum 125. Mal: Tag der Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Erste Maifeier in Eckernförde schon 1891 / DGB-Umzug mit Kundgebung sowie Familien- und Kinderfest

von
erstellt am 29.Apr.2015 | 06:51 Uhr

Allein sein Status als gesetzlicher Feiertag verleiht dem 1. Mai Gewicht. An ihm wenden sich traditionell die Gewerkschaften an die Öffentlichkeit, prangern Missstände in der Arbeitswelt an und stellen ihre Forderungen. Jetzt jähren sich diese Maifeiern zum 125. Mal.

Im Jahr 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zu einem Generalstreik am 1. Mai auf. Es folgten Kämpfe mit der Polizei – die Vorgänge gelten heute als Geburtsstunde eines Arbeiterklassenbewusstseins. Auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale 1889 wurde zum Gedenken an die Opfer der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen und ein Jahr später erstmals als „Protest- und Gedenktag“ in der ganzen Welt begangen.

Eckernförde war damals am Puls der Zeit: „Schon im Jahr 1891 rief der örtliche Arbeiterbildungsverein zu einer Maikundgebung auf“, weiß Horst Kunze, Ortsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Im Dritten Reich haben die Nazis den 1. Mai für sich zweckentfremdet und zum Feiertag erhoben und am 2. Mai die Gewerkschaften verboten – der Feiertag blieb.

Schon in den 50er-Jahren gab es in Eckernförde einen Umzug mit Kundgebung. Los ging es vom Gewerkschaftshaus am Vogelsang zum Exer. „Die Umzüge waren bunter als heute“, erinnert sich Horst Kunze. „Und der Zuspruch in der Bevölkerung war größer.“

Dabei sind die Probleme in der Arbeitswelt geblieben: Nur wo einst die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall im Mittelpunkt stand, ist es heute der Kampf gegen die Auslagerung von Arbeitsplätzen. Ende der 60er-Jahre wurde das Interesse an den Umzügen kleiner. Die Eckernförder Gewerkschafter beschlossen, sich nur noch im Lindenhof zu treffen. Anfang der 80er-Jahre jedoch reanimierten sie den Umzug und die Kundgebung. 1983 wurde der Gedenkstein an die Opfer des Nationalsozialismus vom Friedhof am Mühlenberg auf den Petersberg versetzt und zwei Jahre später mit erläuternden Bronzeplatten versehen. Seither startet der Mai-Umzug dort.

Gewerkschaften sind laut Horst Kunze und dem IG-Metall-Vorsitzenden Fritz Jahn weiterhin wichtig. So beklagen sie die Altersarmut: „Da kommt eine Bombe auf uns zu.“ Als Rentenberater sehe Horst Kunze immer wieder die Ratsuchenden angesichts ihrer erwarteten Altersversorgung vor Schreck erblassen. In Eckernförde sehe er zudem ein Problem in der Umgehung des Mindestlohns durch kleinere Unternehmen. Eine große Veränderung erwartet er, wenn sich reale und virtuelle Arbeitswelt weiter miteinander vernetzen.

Der DGB zähltmit seinen fünf Einzelgewerkschaften in Eckernförde und Umgebung über 3000 Mitglieder. „Die Zukunft der Gewerkschaften hängt davon ab, ob die Menschen einsehen, dass sie sich organisieren müssen“, so Horst Kunze. Fritz Jahn ergänzt: „Aber auch die Gewerkschaften müssen sich verändern. Heute muss man mehr bieten als nur die Zeitung und die Tarifverhandlung.“ Bei der Maikundgebung fängt das an: Sie wird mit einem Familien- und Kinderfest verbunden.

Der Umzug am 1. Mai beginnt um 10 Uhr am Gedenkstein auf dem Petersberg und führt über die Riesebyer Straße und den Mühlenberg zum Rathausmarkt. Begleitet wird er vom Spielmannszug „Drums und Pipes“. Die Kundgebung beginnt um 10.45 Uhr auf dem Rathausmarkt unter dem Motto „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir!“. Mairedner ist Finn Petersen von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Anschließend findet ein Familien- und Kinderfest mit dem Spielmobil, der Schülerband der Peter-Ustinov-Schule, Info- und Imbissständen statt.


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