Kultur : Zu wenig Sänger – Chor verstummt

Elke Grote hatte Anfang 2001 die Kantorei Waabs geründet. Nun fehlen die Sänger, der Kirchenchor stellt die Proben ein. Ihr Ehemann Ulrich Grote unterstützte sie und war für die „Nebenarbeiten“ zuständig. Zuletzt war er die letzte Bass-Stimme im Chor.
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Elke Grote hatte Anfang 2001 die Kantorei Waabs geründet. Nun fehlen die Sänger, der Kirchenchor stellt die Proben ein. Ihr Ehemann Ulrich Grote unterstützte sie und war für die „Nebenarbeiten“ zuständig. Zuletzt war er die letzte Bass-Stimme im Chor.

Kirchengemeinde Waabs stellt Kantorei ein. Abschiedsgottesdienst morgen in der Marienkirche .

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16. Dezember 2017, 06:07 Uhr

Waabs | Vier Altstimmen, drei Soprane, ein Tenor und ein Bass – damit mag die Kantorei der Kirchengemeinde Waabs nicht mehr auftreten. Letztmalig wird der kirchliche Chor unter Leitung von Elke Grote daher morgen ab 10 Uhr im Gottesdienst in der Marienkirche zu hören sein. Dann löst er sich auf, wie Grote und die Waabser Pastorin Peggy Kersten mit Bedauern feststellen müssen.

„Ich kann nicht alleine da stehen“, sagt Grote (76). Ein paar Sänger, darunter Ehemann Ulrich Grote (81), hätte sie noch, aber das richtige Chorerlebnis und die Stimmgewalt von vielen Stimmen, die lasse sich so nicht mehr zaubern. „Es tut mir sehr leid, aber die Bedingungen sind so“, stellt die studierte Schulmusikerin enttäuscht fest.

Auch Pastorin Kersten bedauert sehr, dass die Kantorei ihre Arbeit einstellt. „Ich finde, dass Chorarbeit immer eine Bereicherung der Gottesdienste ist und Menschen mit christlichen Inhalten vertraut macht, die sonst vielleicht keinen Zugang dazu hätten“, sagt sie. Sie hoffe aber, dass sich durch die regionale Zusammenarbeit in den Schwansener Kirchengemeinden für Chorsänger und Chöre neue Möglichkeiten ergeben werden.

Grotes zogen im Jahr 2000 aus Eckernförde nach Waabs. Als regelmäßige Kirchgänger kamen sie schnell in Kontakt zum damaligen Pastor Ulrich Schiller. Dieser sprach Elke Grote an, ob sie nicht Interesse habe, einen Kirchenchor aufzubauen. Er habe mehrere interessierte Gemeindeglieder, die Spaß an Gesang hätten.

Elke Grote, die bereits in ihren zwölf Jahren in Eckernförde einige Jahre lang den Kirchenchor der Kirchengemeinde Borby leitete, sagte zu. Am 10. Januar 2001 fand die erste Probe statt. 14 Sänger kamen und blieben in den Folgejahren dabei. 2004 übernahm Grote auch die Aufgabe der Organistin in der Marienkirche. Für sie kein Problem, kann sie doch fast alle Instrumente spielen.

Zum regelmäßigen Angebot des Chores gehörten über viele Jahre je ein Sommerkonzert und ein Adventskonzert. Dazu begleitete der Chor Gottesdienste und trat auch beispielsweise in Ludwigsburg und Eckernförde auf. Schätzungsweise 240 verschiedene kirchliche Lieder probte der Chor in den Jahren. Dazu standen rund zehn größere Werke, wie beispielsweise Kantaten von Heinrich Schütz auf dem Programm. Zusätzlich gab es viele Musikabende, bei denen es Grotes gelang, mit befreundeten Ehepaaren Sologesang und Soloinstrumente zu besetzen. Hier wurden schätzungsweise 30 größere Werke eingeübt. Zuweilen war auch der Chor beteiligt, der im Wechsel einsetzte.

Je weniger Stimmen der Chor aber hatte, desto schwieriger wurde es, Stücke zu finden. Denn auch wenn Singen Spaß und Freude macht, regelmäßige Proben sind nötig. Hier sehen Grotes das größte Problem, neue Sänger zu finden. „Kaum einer mag sich oder kann sich noch festlegen“, sagt Elke Grote. Gerade die Gruppe der Berufstätigen sei so stark eingebunden, dass einfach keine Zeit für Proben sei.

Wenn der Chor groß genug sei, dann sei es vielleicht nicht so schlimm, wenn man mal zu einer Probe nicht kommen könne oder wnn bei einem Auftritt jemand fehle, dann trage die Größe des Chores darüber hinweg. Bei wenigen Sängern falle es schon auf, wenn einzelne Stimmen fehlen. Doch einen richtig großen Chor gab es nie, dafür war der Einzugsbereich der Kirchengemeinde einfach zu klein. Durch die Werbung der Mitglieder gelang es lediglich, einzelne Stimmen zu ersetzen, die aus Altersgründen oder durch Wegzug entfielen.

Parallel zum Chor für die Großen gründete Grote auch Anfang des Jahrtausends einen Kinderkirchenchor, der in der Spitze gut ein Dutzend Mitglieder hatte. Mit Begeisterung waren die Kinder dabei. In den vergangen Jahren kam es aber zu einer Veränderung, als nämlich die tägliche Schulzeit immer länger wurde. Wer erst nach 15 oder sogar 16 Uhr nach Hause komme, der habe kaum noch Zeit für ein Hobby im Verein, so Elke Grotes Beobachtung. Ihre Werbung im Kindergarten und der Schule habe nicht viel gebracht, so dass der Kinderchor bereits im Sommer eingestellt wurde.

Grotes bleiben der Musik verbunden. Ob sie aber in einen anderen Ort fahren würden, um dort in einem Chor mitzusingen, dass wissen sie nicht. Jünger würden sie auch nicht. Sollten sich aber wieder interessierte Sänger melden, dann wäre Elke Grote die Letzte, die nicht wieder zu regelmäßigen Proben in Waabs einladen würde.

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