Deutsch als Fremdsprache : Zu wenig Geld für Sprachkurse

Deutsch als Zweitsprache: An den Volkshochschulen können Flüchtlinge erste Alltagsausdrücke lernen.
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Deutsch als Zweitsprache: An den Volkshochschulen können Flüchtlinge erste Alltagsausdrücke lernen.

Kreis stellt 35 000 Euro zur Verfügung / Sozial- und Gesundheitsausschuss liegen aber Anträge über insgesamt 97 493 Euro vor

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30. Januar 2015, 06:29 Uhr

Der Strom an Flüchtlingen nimmt zu und damit steigt auch der Bedarf an Deutschkursen. 35  000 Euro hat der Kreistag dafür in diesem Jahr zur Verfügung gestellt. Allerdings sind zehn Förderanträge mit einer Gesamtsumme von 97  493 Euro beim Kreis eingegangen. In der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses am Donnerstag, 5. Februar, müssen die Ausschussmitglieder nun entscheiden, wie das zur Verfügung stehende Geld verteilt wird.

Rainer Nordmann sagt es deutlich: „Es wird schwierig“. Der Leiter der Rendsburger Volkshochschule (VHS) hat gemeinsam mit dem Verein Umwelt, Technik, Soziales (UTS) Eckernförde einen Antrag eingereicht. „Unser Ziel ist es, Flüchtlingen einen Kursbesuch mit 200 Unterrichtsstunden zu ermöglichen“, heißt es darin. So würden sie in die Lage versetzt, „vertraute, alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze zu verstehen und zu verwenden“. Die Kosten pro Teilnehmer und Unterrichtsstunde belaufen sich auf 2,94 Euro. 59 Menschen möchten die beiden Institutionen unterrichten und benötigen daher allein bereits 34692 Euro. Beide Träger zusammen können unterschiedliche Niveau-Stufen anbieten, denn es gibt auch Kurse für Fortgeschrittene. Außerdem werde auch nach Schnell- und Langsamlernern unterschieden, so Nordmann. Bei einigen Flüchtlingen handele es sich auch um Analphabeten.

„Schon jetzt müssen wir viele Flüchtlinge unverrichteter Dinge wieder nach Hause schicken“, schreiben Rainer Nordmann (VHS) und Sabine Bleyer (UTS) in ihrem Antrag. Aber: „Die Flüchtlinge bleiben. Sie müssen Deutsch lernen“, meint Nordmann – je früher, desto besser. „Integrationshilfen müssen möglichst frühzeitig einsetzen.“ Dieser Ansicht ist auch Ulrich Kaminski, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion und Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses.

Es geht um „qualifizierte Kurse für erwachsene Flüchtlinge, die ansonsten keine adäquate Sprachförderung erhalten würden“, heißt es in einer SPD-Pressemitteilung. Sind die Menschen aus Syrien, Eritrea und Irak erst einmal anerkannte Asylbewerber, haben sie Anspruch auf einen Deutschkurs. Doch bis es soweit ist, können durchaus ein bis zwei Jahre vergehen. Eigentlich müsste sich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge dieses Problems annehmen, meint Nordmann. Aber dieses finanziert ausschließlich Sprachkurse für anerkannte Flüchtlinge.

Uwe Radant vom Fachbereich Soziales, Arbeit und Gesundheit des Kreises weist darauf hin, dass die zur Verfügung gestellten 35  000 Euro „eine freiwillige Leistung des Kreises sind, keine gesetzliche Verpflichtung“. Doch „das Geld ist nicht ausreichend für die Menge der Flüchtlinge“, stellt Rainer Nordmann, der auch Vorsitzender der Volkshochschulen im Kreis ist, fest. Alle Institutionen haben in ihren Anträgen detailliert aufgelistet, welche Leistungen sie anbieten wollen. Einige haben auch die Fahrtkosten eingerechnet, denn hierfür stehen den Flüchtlingen ohne Anerkennung keine gesetzlichen Hilfen zu. Das Unterrichtsmaterial wurde ebenfalls in vielen Fällen einbezogen.

Träger der A1-Deutschkurse in Gettorf ist die Gemeinde. Sprachkurse werden hier bereits seit Februar 2014 angeboten. Sechs Kurse soll es jetzt geben – vom Alphabetisierungskurs bin zum Kursus für Fortgeschrittene. In Altenholz gibt die Awo zwei Sprachkurse, derzeit mit jeweils zwölf Teilnehmern. Auch die VHS Fleckeby plant wieder zwei Kurse.

Ob der Kreis die Mittel zur Förderung von Flüchtlingen aufstocken möchte, müssen die Politiker entscheiden. „Während das Land seine Hilfen aufgestockt hat und sich in den Gemeinden zunehmend mehr Bürgerinnen und Bürger engagieren, muss der Kreis jetzt noch aktiver werden“, meint die SPD-Kreistagsfraktion in ihrer Pressemitteilung. Denn: Der Sprachförderung komme eine Schlüsselrolle bei der Integration zu.

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