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Erhebung : Zu wenig Bewerber für den Einzelhandel

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schüler des Berufs- und Bildungszentrums haben Einzelhandelsunternehmen in der Region zur Ausbildungssituation befragt: Nur 56 Prozent der 62 beteiligten Unternehmen bilden aus. Davon konnten nur 47 Prozent ihre Ausbildungsplätze auch besetzen.

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2014 | 06:07 Uhr

Noch nie haben seit der Wiedervereinigung so wenige junge Menschen in Deutschland eine Lehre begonnen wie im Jahr 2013. In Schleswig-Holstein liegt der Rückgang zum Vorjahr bei 7,7 Prozent – der drittschlechteste Wert nach Berlin/ Brandenburg und dem Saarland. Aber wie sieht die Ausbildungssituation für den Einzelhandel in Eckernförde und Umgebung aus? Das haben in den vergangenen Monaten 47 Schüler des Berufsbildungszentrums in Zusammenarbeit mit der Touristik und Marketing GmbH untersucht. Die Ergebnisse überraschen zum Teil.

Von 66 angefragten Betrieben haben 62 an der Befragung durch die Schüler der Einzelhandelsklassen teilgenommen. Die Auswertung erfolgte im Anschluss durch die Klassen der Kaufmännischen Assistenten. Von den 62 Betrieben bilden momentan 27, also 44 Prozent, nicht aus. Die Gründe dafür sind vielfältig, wie die BBZ-Lehrer Joachim Schmidt und Per Hansen erläutern: „Die Hälfte hat angegeben, keine Angestellten mit Ausbilderschein zu haben. Da ist noch Potenzial.“ Denn diesen Schein zu erwerben, sei nicht schwer. Andere Betriebe gaben an, zu klein zu sein oder schlechte Erfahrungen gemacht zu haben. Die mangelnde Ausbildungsreife vieler Schulabgänger spielte ebenfalls eine Rolle.

Von den Betrieben haben allerdings nur 47 Prozent ihre Ausbildungsplätze im vergangenen Jahr auch besetzen können. Der Hauptgrund: Es gab keine geeigneten Bewerber. Ein Viertel der Betriebe haben gar keine Bewerbungen erhalten. Hier liegt also der Hase im Pfeffer: „Es ist der deutliche Trend festzustellen, dass die jungen Menschen immer länger zur Schule gehen mit dem Ziel eines möglichst hohen Abschlusses, anstatt eine Ausbildung zu machen“, erklärt Joachim Schmidt. Die Studierneigung wachste, hinzu kommt der demografische Wandel. „Das schadet natürlich den Ausbildungsbetrieben, denn Fachkräfte werden trotzdem gebraucht“, so Per Hansen. Viele junge Menschen würden eine Ausbildung als „Sackgasse“ ohne Aufstiegsmöglichkeiten empfinden. „Aber das stimmt nicht. Wer gut ist, kann aufsteigen. Nur die Einstellung muss stimmen.“ Und: „Früher hatten die Betriebe genug Bewerber, heute müssen sie sich um die besten bemühen.“

Doch beim Blick auf die Werbestrategien zeigt sich noch Luft nach oben: Die gute Darstellung auf der eigenen Homepage scheint selbstverständlich zu sein, das Anbieten von Praktika und Zeitungsannoncen sind ebenfalls bei einem Teil üblich. Ausbildungsmessen und Lehrstellenbörsen dagegen könnten noch mehr genutzt werden. Hat das Einzelhandelsunternehmen das Interesse potenzieller Bewerber geweckt, spielt auch das Ausbildungsgehalt eine Rolle. Das liegt in Eckernförde im ersten Lehrjahr zwar unter dem Landesdurchschnitt (592 statt 662 Euro), in den folgenden Jahren jedoch darüber (780 statt 760 und 883 statt 866 Euro).

Die am häufigsten genannten Anforderungen an Auszubildende lauten Motivation, Aufgeschlossenheit und gute Umgangsformen. Dementsprechend werden gerade hier auch die größten Mängel bei den Bewerbern gesehen. Dabei schauen die Verantwortlichen verstärkt auf die persönlichen und sozialen Kompetenzen statt auf Noten.

Wer aber eine Ausbildung im Einzelhandel erfolgreich abgeschlossen hat, hat bei 94 Prozent der 62 befragten Betriebe eine sehr gute oder gute Chance übernommen zu werden.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind der ETMG zur Verfügung gestellt worden, um sie für das Stadtmarketing nutzen zu können.

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