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Apothekennotdienste : Zu weite Wege zum Medikament

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dr. Sebastian Irmer kritisiert Neuregelung der Notdienste / Mediziner fordert ständigen Apothekennotdienst in Eckernförde

von
erstellt am 09.Jan.2015 | 06:49 Uhr

Eckernförde | Es war Sonnabendnacht, 2 Uhr, als bei dem Hämatologen und Onkologen, Dr. Sebastian Irmer das Handy klingelte und sich seine Befürchtung bestätigte, dass die Neuordnung der Notdienste so nicht hinnehmbar ist. Einer seiner Patienten aus Eckernförde, der sich bei dem Hämatologen in Chemotherapie befindet, meldete sich mit hohem Fieber, Anzeichen einer Infektion. Ein Antibiotikum ist in diesem Fall das Mittel der Wahl. „Die nächste Notdienstapotheke war in Gettorf“, so Irmer. Für den alleinlebenden Patienten unerreichbar. Erst am nächsten Morgen gelangte der schwerkranke Mann an sein Medikament. „Die Neuordnung der Notdienste führt nicht nur zu einer Verschlechterung der Patientenversorgung“, sagt Irmer, „sie gefährdet das Leben einiger Menschen.“

Als einziger Hämatologe und Onkologe im Kreisgebiet vergehe kaum eine Nacht, in der sich nicht ein Patient bei Sebastian Irmer melde. Und dabei gehe es nicht um das Nasenspray oder die Kopfschmerztablette, die jemand unbedingt mitten in der Nacht wolle.

Irmer ist als Mitglied des Kreisausschusses der Ärztekammer im November 2014 über die Neuregelung informiert worden, „beteiligt wurden wir nicht“, kritisiert er die mangelnde Transparenz. Über die Motivation der Apothekerkammer, das System zu ändern, könne er daher auch nichts sagen. „Es hat durchaus warnende Stimmen gegeben“, berichtet der Onkologe von der ersten Resonanz innerhalb der Ärzteschaft. Letztlich habe man aber den Start des neuen Systems abwarten wollen. Schon jetzt sei klar, dass nachgebessert werden müsse. „Die Menschen werden älter“, sagt Irmer und weist auf den demografischen Wandel in der Gesellschaft hin, außerdem gebe es viele Einzelhaushalte.

Dass die Notdienste in den Apotheken gerechter verteilt werden müssen, kann der Eckernförder Arzt nachvollziehen, aber zu welchem Preis? Patienten, die Schmerzmittel nehmen oder bei denen eine Sepsis zum Tod führen kann, sind darauf angewiesen, schnell an ihr Präparat zu gelangen. In der Vergangenheit reichte ein Anruf von Dr. Irmer bei einer der Notdienstapotheken in Eckernförde und sein Patient konnte sein Medikament abholen. Ein Blick auf die Notdiensteverteilung zeigt jedoch, dass in den kommenden vier Wochen an 13 Tagen keine Eckernförder Apotheke Notdienst hat. Weite Wege für die Bürger sind die Konsequenz „Fahrstrecken beispielsweise von Eckernförder Patienten bis nach Gettorf halte ich für nicht zumutbar“, betont Irmer. Auch eine Taxifahrt hin und zurück sei nur für einen kleinen Teil der Patienten leistbar.

„Unser Gesundheitssystem betreibt mit hohem Aufwand neben regionalen ärztlichen Anlaufpraxen auch einen fahrenden ärztlichen Bereitschaftsdienst oder Notsicherungssysteme wie in meinem Fall eine permanente spezialärztliche 24-Stunden-Erreichbarkeit für Patienten unter Chemotherapie. Diese Arztkontaktmöglichkeiten führen selbstverständlich auch zu Verordnungen von Medikamenten und Vermeidung von unnötigen Krankenhausaufenthalten“, sagt Irmer. Es müsse also unmittelbarer Zugang insbesondere zu Schmerzmitteln und Antibiotika gewährleistet sein, so seine Forderung, die auch sein Kollege Arnd Kummerfeldt teilt. Als Bereitschaftsarzt am Krankenhaus habe er regelmäßig mit Patienten zu tun, die Medikamente außerhalb der üblichen Öffnungszeiten von Praxen und Apotheken benötigen. Künftig könne es sein, dass ein Patient aus Waabs nach Eckernförde ins Krankenhaus fährt, um dann sein Rezept in Gettorf einzulösen. Eine Anlaufpraxis in Eckernförde, aber keine geöffnete Apotheke vor Ort, das könne nicht sein. Außerdem sind die Mediziner als fahrende Bereitschaftsärzte unterwegs. Sie besuchen Patienten, die selbst nicht in der Lage sind, ins Krankenhaus zu gelangen. Sie bekommen ein Rezept, das sie nicht ohne enormen Aufwand einlösen können.

Es könne nicht darauf hinauslaufen, dass Patienten von ihren Ärzten mit Medikamenten bevorratet oder gleich stationär eingewiesen werden, um an die Arznei zu kommen. Das würde die Kosten in die Höhe treiben.

Sebastian Irmers Forderung ist daher, dass zumindest in den kleineren Städten wie Eckernförde und Rendsburg eine Apotheke Notdienst haben muss, zumal hier auch Anlaufpraxen sind.  



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