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Der Bistensee droht umzukippen : Zu viel Phosphor: So soll der Bistensee vor dem Umkippen bewahrt werden

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Algen trüben das Wasser des Bistensee: Die Düngung der landwirtschaftlichen Flächen sorgt für hohen Phosphoreintrag im See

Phosphoreinträge setzen dem Bistensee gehörig zu. Dabei sind es vor allem die Flächen mit Maisanbau, die über Drainagen, Fließgewässer und Seezuläufen Phosphor in den See einleiten. Nach der EG-Wasserrahmenrichtlinie geht es dem See so schlecht, dass das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt, und ländliche Räume (LLUR) seinen ökologischen Zustand als „unbefriedigend“ einstuft.

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Landes, der Wasserbehörde, der Landwirtschaftskammer, des Bauernverbandes sowie des Naturparkvereins und Bürgermeistern will die Seesanierung anpacken. Im Juli erhielt das Amt Hüttener Berge vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 40 000 Euro. Das Amt beauftragte daraufhin das Büro Ingus aus Nortorf, den Nährstoffeinträgen auf den Grund zu gehren.

Rund 70 Interessierte informierten sich nun am Dienstagabend im Seehotel Töpferhaus bei Diplom-Ingenieur Andreas Frahm über die Ergebnisse der Messungen, die das Büro in den vergangenen zwölf Monaten im Einzugsgebiet des Sees vorgenommen hatte. Seebesitzer Torsten Jarck freute sich über die Beteiligung, dankte dem Amt Hüttener Berge für das Engagement bei dem Projekt und betonte, dass eine nachhaltige Sanierung des Sees nur in Gemeinschaft erreicht werden könne.

Der überwiegende Teil des Einzugsgebietes, das von dem Fachleuten untersucht wurde, ist Ackerland und Grünland. 13 landwirtschaftliche Betriebe sind innerhalb eines 100 Meter breiten Randstreifen angesiedelt – auf einer Fläche von knapp 1000 Hektar. Einzugsgebiete sind die Schoothorster Au, die Obere Sorge und Schierensrade. Neben Raps, Weizen und Gerste wird vor allem Mais angebaut. „Die Zusammenarbeit mit den Landwirten war gut“, berichtete Frahm. Sie hätten kooperiert und Düngepläne für die Auswertung zur Verfügung gestellt.

Die Wasserproben an den Drainagen, Vorflutern und Zuläufen hätten ergeben, dass es bei 70 Prozent der 23 Maisfelder einen deutlichen Düngeüberhang gebe, nur die wenigsten würden bedarfsgerecht gedüngt werden, so Frahm. Die Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) sieht einen Richtwert bei Fließgewässern von 0,1 Milligramm pro Liter vor. Gerade für phosphor-sensible Gewässer, und dazu zähle auch der Bistensee, werde aber ein Wert von 0,05 Milligramm empfohlen. „An allen Messstellen waren die Werte höher“, berichtete Frahm. Selbst bei dem Grenzwert von 0,1 würden noch 30 Prozent aller Messstellen darüber liegen.

Die höchsten Phosphorwerte wurden im Bereich der Schoothorster Au gefunden. Etwa zwei Drittel der Belastung seien durch diffuse Nährstoffeinträge aus der Fläche bedingt. „Allerdings konnten wir eine Punktquelle ausmachen, über die ein großer Teil der Phosphorfracht in den Bistensee gelangt“, betonte Frahm. Punktuell deshalb, weil sie sich räumlich sehr eingrenzen lasse. „Die Schoothorster Au ist überwiegend verrohrt, ein Frachteintrag als Folge von Erosion scheidet also aus.“ „Auf das Jahr hochgerechnet wurden 751 Kilogramm Phophor in den See eingetragen“, stellte er heraus. Würde man die ominöse Punktquelle herausrechnen, würde sich die Fracht auf rund 400 Kilogramm reduzieren.

Fazit der Messungen sei, so bilanzierte Frahm, dass die Maisdüngungen fast überall zu hoch seien. Speziell müsse aber der Ursprung der punktuellen Phosphorfracht festgemacht werden. Dafür empfahl Frahm eine neue Messreihe in dem entsprechenden Gebiet, insbesondere an den Schächten der Au. Hier sicherte der Leiter der Wasserbehörde des Kreises, Michael Wittl, Unterstützung zu: „Wir werden das nicht auf die lange Bank schieben.“

Eine Düngeberatung sowie Düngeplanung gemeinsam mit den Landwirten würde langfristig den Phosphoreintrag in den See reduzieren. Bodenschonende Bearbeitungsweisen, gezielte Düngeinjektionen, der Bau eines Sedimentationsbecken und die Ausweisung von großzügigen Gewässerrandstreifen seien geeignete Maßnahmen, um den Bistensee zu sanieren. Vieles sei nur in Kooperation mit der Landwirtschaft möglich, auch finanziell müssten Landwirte bei Flächenaufgaben entschädigt werden.

„Die Arbeit geht jetzt erst los, und es kostet Geld“, sagte Amtsdirektor Andreas Betz. Erneut werde man sich um eine Förderung für den Gewässerschutz einsetzen, um die vorgestellten Maßnahmen umsetzen zu können.

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erstellt am 30.Okt.2014 | 06:36 Uhr

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