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MARKTBESCHICKER LEHNEN MÜLLSATZUNG AB : Zu teuer – zu kundenunfreundlich

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Sprecher der Wochenmarktbeschicker übte am Montag in der Sitzung des Umweltausschusses scharfe Kritik an der der neuen Müllsatzung. Sie forderten die Rückkehr zur alten Verordnung.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2017 | 05:11 Uhr

Eckernförde | Zu teuer, zu wenig kundenfreundlich, nicht hygienisch, kein Gewinn für die Umwelt – sechs Monate nach Einführung der Satzung der Stadt Eckernförde zur Müllvermeidung bei Veranstaltungen kocht die Stimmung bei den Wochenmarktbeschickern des Eckernförder Wochenmarktes. Der Frustrationsfaktor unter den Händlern ist sehr hoch. „Sie zwingen mich, verdammt teuren Mist einzukaufen, während das gar nichts bringt für die Umwelt“, ließ Alexander Pack-Blumenau seinem Ärger Luft. Der Sprecher der Werbegemeinschaft des Eckernförder Wochenmarktes nahm auf Einladung des Vorsitzenden des Umweltausschusses, Edgar Meyn (Bündnis 90/Die Grünen) an der Sitzung des Fachausschusses am Montagabend im Ratssaal teil. Begleitet wurde er von Jens Petersen. Der Fleischermeister (56) aus Lindaunis bietet seit 32 Jahren seine Waren auf dem Eckernförder Wochenmarkt an.

Die Kritik richtet sich gegen das neue biologische Verpackungsmaterial, das laut Satzung an den Ständen Anwendung finden soll. „Kunden beschweren sich, weil die Hygiene bei den Bechern nicht ausreicht“, erzählte der Fleischermeister aus der Praxis. Die Becher seien häufig undicht und thermoempfindlich, das heißt, sie ließen ein Einfüllen heißer Ware oder Einfrieren nicht zu. Die hohe Kostenbelastung für die Marktbeschicker stelle eine Wettbewerbsverzerrung dar, die langfristig gesehen Folgen habe: „Warum soll sich ein Betrieb Mehrkosten aussetzen, wenn es woanders günstiger wird?“, prognostizierte Pack-Blumenau ein Abwandern von Marktbeschickern und damit ein Absinken der hohen Qualität des Eckernfördes Wochenmarktes. Er forderte die Rücknahme der Satzung und die Rückkehr zur Ursprungsfassung. Als weiteren Grund für eine Ablehnung der neuen Müllsatzung nannte Pack-Blumenau das seiner Meinung nach verfehlte Ziel des Umweltschutzes: „Laut Umweltbundesamt gibt es keine Verifizierung für die Annahme, dass PLA (Polylactide, synthetische Polymere, die zu den Polyestern gehören; die Red.) umweltfreundlicher ist als herkömmliche Kunststoffe.“ Der Sprecher verweist auf eine Mitteilung des Umweltbundesamtes vom 8. Juni „Tüten aus Bioplastik sind keine Alternative.“ (www.umweltbundesamt.de/themen/tueten-aus-bioplastik-sind-keine-alternative)

Der vehementen Kritik schließt sich auch der Deutsche Schaustellerbund an. Dem Ausschuss lag ein Schreiben des Verbandes vor, der Ausnahmen in der Satzung fordert. So wird ein zusätzlicher Passus zu Paragraf 2 vorgeschlagen, der Ausnahmen dann erlaube, wenn das Produkt aufgrund seiner Beschaffenheit aus praktischen oder lebensmittelrechtlichen Gründen eine Verpackung erfordere, die nicht biologisch vollständig abbaubar sei oder das Produkt vom Kunden nicht für den Verzehr vor Ort erworben werde. „Wir müssen komplett vom Kunststoff wegkommen“, bekräftigte Martin Klimach-Dreger den Erhalt der neuen Müllsatzung, „würden alle Kommunen diesen Weg suchen, fiele der Wettbewerbsnachteil weg“, so der SPD-Chef. Katharina Heldt (CDU) kündigte an, dass ihre Fraktion in der nächsten Umweltausschusssitzung einen neuen Vorschlag unterbreiten möchte: „Wir dürfen das Thema nicht mehr auf die lange Bank schieben.“ Matthias Huber (Bürger-Forum) konnte sich sogar vorstellen, den Marktbeschickern in Sachen Wettbewerbsverzerrung entgegenzukommen, beispielsweise in Form niedriger Standgebühren. Der aufkommenden, teils hitzig geführten Diskussion, ob die Stadt im Vorfeld der Satzungsplanung die Marktbeschicker genügend beteiligt habe, erteilte Vorsitzender Edgar Meyn eine deutliche Absage. „Jetzt ist es nicht der richtige Ort und nicht die richtige Stimmung. Wir suchen einen gemeinsamen Weg, nicht gegeneinander, sondern miteinander. Es geht um Eckernförde.“ Dieser gemeinsame Weg soll in einem erneuten Workshop von Kommunalpolitikern und Marktbeschickern gesucht werden.

Bürgermeister Jörg Sibbel betonte: „Es sind unzutreffende Aussagen, dass Wochenmarktbeschicker nicht beteiligt gewesen sind.“ Ordnungsamtsleiter Klaus Kaschke erklärte, dass die Satzung „im täglichen Leben in Eckernförde“  angewendet würde, bei Großveranstaltungen wie Sprottentage oder Aalregatta, und auch von Vereinen. Sicherlich müsse die Stadt Ausnahmen zulassen, aber immer im Hinblick auf das Ziel, Müll zu vermeiden.

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