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Kleine entdeckungsreisen : Zu Fuß durch die Stadtgeschichte

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Unsere Serie „Kleine Entdeckungsreisen“ befasst sich mit der Beobachtung vermeintlicher Kleinigkeiten im Stadtbild. Im vierten Teil ist Autor Dr. Heinrich Mehl in den Straßen und Gängen der Stadtgeschichte Eckernfördes auf der Spur.

Es heißt, in Kleinigkeiten zeigt sich der Charakter. Unser Autor Dr. Heinrich Mehl hat sich auf eine Entdeckungsreise begeben und ist in Eckernförde jenen Kleinigkeiten nachgegangen, die wir bei unseren täglichen Streifzügen durch die Stadt rasch übersehen. Sie prägen aber dennoch den Charakter der Stadt. Lesen Sie heute im vierten Teil: Straßen und Gassen.

Trotz bauwilliger Investoren und in Moderne geschulter Architekten – Eckernförde besitzt noch eine Vielzahl von wundervollen historischen Straßen und Gassen. Neben engagiertem Denkmalschutz für herausragende Einzelgebäude versucht die Stadt heute auch, ganze Häuserreihen zu bewahren: Verwaltung, Stadtrat und Bürger bemühen sich um vermehrten Einsatz von „Ensembleschutz“, „Bestandsschutz“ und um eine „Gestaltungssatzung“.

Straßen sind wie Geschichtsbücher, sie lassen uns die Vergangenheit besser verstehen und führen uns in eine sinnvoll gestaltete Gegenwart. Schon die alten Namen spiegeln lebendige Geschichte: Am „Ochsenkopf“ arbeiteten um 1800 Schlachtermeister und warben mit entsprechendem Zunftzeichen für ihr Geschäft, in der „Mühlenstraße“ lebten Fuhrleute mit dem Privileg, Korn zu den Mühlen zu transportieren. Auch die Veränderungen im Namen zeigen historische Entwicklungen auf: Die „Kieler Straße“ wird 1938 zur „Straße der SA“, der „Hühnergang“ erinnert als „Streckenbachsgang“ an einen einst dort lebenden Maler. Und wie viele andere Hafenstädte besitzt auch Eckernförde eine „Reeperbahn“– an der die Seiler ihre Einrichtungen hatten – und einen „Jungfernstieg“, von dem aus die Bräute ihren mit dem Schiff abfahrenden oder ankommenden Männern zuwinken konnten.

In Eckernförde sind zwei bedeutende Typen von Straßen und Gassen zu erleben. Zum einen gibt es Straßen mit bunter Vielfalt von Häusern, entstanden im Laufe der Jahrhunderte mit wechselnder Höhe, unterschiedlichen Dächern, mehreren Farben, vielgestaltigem Zierrat. Die „Kieler Straße“ zeigt solche Vielfalt, die Nicolai-Straße – vor allem die alten „Gänge“, direkt auf Hafen und Strand zulaufend, sind so geprägt.

Auf der anderen Seite besitzt unsere Stadt Straßen „wie aus einem Guss“, mit langen Zeilen völlig gleich gestalteter Häuser. Sie wurden vor allem im Umfeld der TVA in den 1920er und 30er Jahren erbaut, als Wohnung für Mechaniker, Offiziere und Matrosen des einst größten Arbeitgebers der Ostseestadt. Der „Wiesenredder“ gehört hierzu, „Domstag“ oder „Am Eichberg“. Auch wenn solche Straßen nicht mit Architektur-Kunstwerken glänzen, ihre Geschlossenheit ist eindrucksvoll, sie wirken harmonisch – und viele Bewohner fühlen sich in ihnen auch heute noch wohl. Die Admiral-Scheer-Straße ist ein solches Geschichtsdenkmal, und es ist zu hoffen, dass ihre Architektur noch lange so bewahrt bleibt.






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erstellt am 23.Okt.2014 | 05:58 Uhr

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