zur Navigation springen

pilotprojekt : Ziel – ein Miteinander auf Augenhöhe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

An der Fachhochschule für Verwaltung wurde ein bislang deutschlandweit einmaliges Projekt angeboten: „Inklusion im öffentlichen Dienst“. An der Fortbildung nahmen 220 Studenten und 57 Menschen mit Behinderungen teil.

shz.de von
erstellt am 27.Sep.2014 | 08:50 Uhr

Die vorurteilsfreie Begegnung von Menschen mit Menschen mit und ohne Behinderung ist immer noch nicht selbstverständlich. Dabei haben auch Behinderte einen großen Anteil an unserem Leben. Knapp ein Fünftel der Schleswig-Holsteiner haben eine Beeinträchtigung ihrer körperlichen Funktion oder geistigen Fähigkeit. Aber auch sie haben mit den Dienstleistern des Landes, sei es im Bereich der Verwaltung auf dem Amt, um einen Personalausweis oder einen Wohnberechtigungsschein zu beantragen, oder bei der Polizei zu tun. Die Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz hat jetzt ein zweitägiges Programm mit dem Titel „Anforderungen von Inklusion an den öffentlichen Dienst“ veranstaltet. 220 Erstsemester aus allen drei Fachbereichen, Allgemeine Verwaltung, Polizei und Steuerverwaltung, haben daran teilgenommen.

„Deutschlandweit einmalig bisher“, ist der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Prof. Dr. Ulrich Hase, voll des Lobes. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Drachensee, dem Lebenshilfe-Landesverband und den Einrichtungen der Norddeutschen Gesellschaft für Diakonie (Schleswiger und Eckernförder Werkstätten) haben Teams um Prof. Dr. Hase und Prof. Dr. Josef Konrad Rogosch, Präsident der Fachhochschule, ein Programm erarbeitet, das neben Fachvorträgen großen Wert auf das Erleben des Miteinanders legte, gerade dann, wenn Menschen verschieden sind.

Das sei ein Pilotprojekt, wie Prof. Dr. Rogosch zugab. Erfahrungen mit derartigen Workshops, in denen sich Studierende und Behinderte begegnen, ins Gespräch kommen und für ein Miteinander sensibilisiert werden sollen, gebe es bislang nicht. Aber die Fachhochschule verfolge in ihrer Ausbildung die Philosophie, dass gerade Angehörige des öffentlichen Dienstes Behinderten im Alltag vorurteilsfrei begegnen müssten. 57 Menschen mit Handicap hatten sich bereit erklärt, an den Workshops teilzunehmen. Aufgeteilt in zehn Gruppen mischten sie sich unter die Studenten.

Für Melissa Pfensig war es eine völlig neue Erfahrung. Die 19-Jährige aus Timmendorfer Strand hatte vorher noch nie in ihrem Leben mit behinderten Menschen zu tun. Sie stand neben Ferdinand Rabe (57), der seit seinem dritten Lebensjahr halbseitig gelähmt ist. Dennis Meier war die Welt der Behinderten nicht ganz fremd. Der 24-Jährige aus Lübeck hatte keinerlei Schwierigkeiten, mit Gabriele Vogt ins Gespräch zu kommen. Der 52-Jährigen war es wichtig, dass „wir uns auf Augenhöhe begegnen.“ „Ich habe gemerkt, dass sie angefangen haben, nachzudenken“, so die Eckernförderin, die mit sieben weiteren Behinderten aus dem Ostseebad angereist war.

Als abschließende Aufgabe hatte jede Gruppe eine menschliche Skulptur zu bilden, um ihre Eindrücke auszudrücken. Kreise wurden gebildet, Hände gegriffen und ineinander verknotet, das Unendlichkeitszeichen dargestellt. Worte wie Nähe, Offenheit, Vertrauen, Gemeinschaft, Verbundenheit und Menschenwürde fielen.

„Wir sind zwei Kreise, die miteinander verschmelzen – und das soll auch so bleiben“, war die Antwort einer Studentin auf die Frage, was die Skulptur darstelle. Oft kam die Frage auf: Wer ist eigentlich behindert?

„Sie haben es in Ihrem Leben später oft mit Menschen zu tun, deren Behinderung man nicht auf Anhieb sieht,“ gab Prof. Dr. Hase den Studenten zum Abschluss mit auf den Weg. Genau wie Prof. Dr. Rogosch war er von den Workshop-Ergebnissen mehr als angetan: „Sie haben uns heute Nachmittag gezeigt, was eine humanistische Gesellschaft ist“, lobte der Präsident.

In einer anonymen Umfrage haben die Studenten die Möglichkeit, ihre Erfahrungen der FH-Leitung mitzuteilen. Sollte die Auswertung dieser Ergebnisse positiv ausfallen, könne er sich eine Verankerung dieser Veranstaltung in den Lehrplan der Studenten sehr gut vorstellen, so Prof. Dr. Rogosch.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert