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Erinnerung an den 9. November 1989 : Zeitzeugen berichten vom Mauerfall

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fachhochschule in Altenholz beleuchtet friedliche Revolution und Zusammenbruch der SED-Diktatur mit Sonderlehrveranstaltung am 10. November

von
erstellt am 05.Nov.2014 | 06:00 Uhr

Was sie am 9. November 1989 gemacht haben, wissen viele Menschen auch nach 25 Jahren noch ganz genau – erreichte sie an dem Tag in einer alltäglichen Situation doch eine kaum fassbare Nachricht: Mit dem Fall der Mauer brach die SED-Diktatur zusammen, es kam wieder zusammen, was zusammengehörte. Deutschland wurde eins. Die Polizei stellte die mit einem Paukenschlag veränderte Situation vor große Herausforderungen. Sie stehen im Mittelpunkt des Thementags, den der Fachbereich Polizei der Fachhochschule am Rehmkamp (FHVD) am 10. November organisiert.

Als „glücklichsten Moment“ seiner Amtszeit bezeichnet Hans Peter Bull, ehemaliger Innenminister Schleswig-Holsteins, die Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989. Mit seinem Fahrer Erich Both machte er sich am nächsten Morgen sofort auf den Weg zur Grenzstation Lübeck-Schlutrup, wo sie den Trabifahrern zuwinkten, die „in unendlicher Reihe aus der DDR herüberkamen“, schreibt Bull in seinem Buch „Widerspruch zum Mainstream“. Die Verbindung zwischen den Nachbarländern wurde neu belebt. „Wir entsandten ganze Hundertschaften von Landesbediensteten, vor allem aus den Ministerien und der Polizei, die wesentlich dazu beitrugen, Regierung und Verwaltung neu aufzubauen, Gesetze zu schaffen und eine unabhängige Justiz einzurichten“, schreibt Bull weiter, der am 10. November mit seinem damaligen Fahrer zu Gast an der FHVD sein und berichten wird. Mit Wilma Wäntig wird auch die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege Mecklenburg-Vorpommern beim Thementag vertreten sein, der Professor Hartmut Brenneisen, Dekan des Fachbereichs Polizei in Altenholz, beim Aufbau zur Seite stand. Wäntig wird den Mauerfall aus Sicht einer ehemaligen Mitarbeiterin der Volkspolizeischule Ernst Thälmann in Neustrelitz beleuchten.

Zeitzeugen wie sie seien für die Studierenden wichtig, betont Dozentin Dr. Susanne Kischewski. Die derzeitigen Studierenden seien alle aus Jahrgängen, die die Mauer nicht mehr kennen, merkt Prodekan Dirk Staack an. Für die jungen Frauen und Männer sei die Mauer so weit weg wie Napoleon, erklärt Kischewski weiter. Um ihnen das SED-Unrecht zu verdeutlichen, würden Studienfahrten nach Berlin unternommen. Dabei trafen die Studierenden zum Beispiel auf Mike Fröhnel, einen der letzten Inhaftierten im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen, wo sie auch den Keller mit dem U-Boot, einer Isolierzelle, besichtigten. „Es ist etwas ganz anderes, wenn man dort war und das gesehen hat, als wenn man nur davon liest oder hört“, macht Kischewski deutlich.

Der Inhalt des Thementags ist für die Studierenden prüfungsrelevant – die friedliche Revolution, die Rolle der Kirchen, der Anfang und das Ende des SED-Regimes werden in Hausarbeiten zu behandeln sein. Im Mai greift der Hochschultag das Thema erneut auf. Dann werden Teilnehmer aus dem europäischen Ausland ihre Perspektive auf Deutschland darstellen. Den Schlusspunkt setzt eine Sonderlehrveranstaltung im Oktober nächsten Jahres, die sich mit 25 Jahren Wiedervereinigung befasst.

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