Zeitungsverleger mit alten Tugenden und großer Tatkraft

Heinz Blenckner, langjähriger Herausgeber der Eckernförder Zeitung, ist im Alter von 89 Jahren gestorben.
Heinz Blenckner, langjähriger Herausgeber der Eckernförder Zeitung, ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

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11. August 2018, 06:33 Uhr

Diesen Kampf konnte er nicht gewinnen. Nicht einmal er. Der langjährige Verleger der Eckernförder Zeitung im Verlag J. C. Schwensen, Heinz Blenckner, ist am vergangenen Montag im Alter von 89 Jahren gestorben. Dem Mann, der so viel erreicht und gegeben hat, fehlte am Ende die Kraft, um noch einmal auf die Beine zu kommen und weitere Jahre an der Seite seiner Frau Irmtraut zu verbringen. Mit seiner Frau – in der Familie liebevoll „Eta“ genannt –, trauern seine beiden Töchter Edda und Susanne, die Schwiegersöhne, sieben Enkel, sechs Urenkel, Geschwister und sehr viele Freunde, Bekannte und frühere Mitarbeiter. Die große Lebensleistung von Heinz Blenckner verdient höchsten Respekt. Privat ein Höchstmaß an Bodenständigkeit und ein liebevoller Familienmensch, setzte er als Herausgeber der Eckernförder Zeitung Maßstäbe in Eckernförde und erwarb sich höchstes Ansehen in der Branche.


Begegnung in der Seelust

Heinz Blenckner hat in seinem Leben viel erlebt und viel bewegt. In der ausgehenden Weimarer Republik hat er als Kind und Jugendlicher verworrene und beklemmende politische Zeiten miterleben müssen. Er hat dabei stets Kurs gehalten und das Beste aus den sich bietenden Möglichkeiten gemacht. Der in der Prinzenstraße 21 aufgewachsene Borbyer Jung’ absolvierte im Eckernförder Rathaus eine Verwaltungslehre, musste seine Stelle später aber aufgeben, weil die Kriegsheimkehrer ihre Plätze beanspruchten – was dem aufgeweckten, quirligen jungen Mann aber nicht sonderlich schwer fiel. Seine Leidenschaft war das Segeln, zwei Jahre lang machte er sein Hobby zum Beruf und heuerte als Yachtmatrose an Bord edler Segelschiffe an, bevor er bei Opel Ohms in Osdorf eine Buchhalterstelle annahm.

Wer weiß, wohin ihn sein weiterer Lebensweg geführt hätte, wäre er nicht 1952 auf dem Seglerball in der Eckernförder „Seelust“ einer jungen, hübschen Frau begegnet, die ihm nicht mehr aus Kopf und Herz ging: Irmtraut Kruse, die Tochter des Verleger-Ehepaares Hans und Käte Kruse, geborene Schwensen, die die am 30. Dezember 1851 von Schriftsetzer Jacob Christian Schwensen aus Apenrade gegründete Eckernförder Zeitung herausbrachten. Der selbstbewusste, junge Mann aus Borby eroberte nicht nur das Herz seiner Auserwählten, sondern überzeugte auch seine Schwiegereltern von seinen Qualitäten und Fähigkeiten.

Nach dem Tod von Hans Kruse führte Käte Kruse das Unternehmen mit Unterstützung des Betriebsleiters Paul Neukirch viele Jahre allein, bevor der inzwischen aktiv ins Verlagsgeschäft eingestiegene Heinz Blenckner 1967 zusammen mit seinem Schwager, Hans-Dieter Kruse, die Leitung übernahm. Insbesondere mit dem Quereinsteiger hatte der Verlag einen tatkräftigen und zupackenden Mann an der Spitze, der die Zeichen der Zeit erkannte, sich nicht beirren ließ und die dringend erforderliche Modernisierung des Maschinenparks durchsetzte. Heinz Blenckner ließ ab 1968 in mehreren Bauabschnitten im Schulweg 7 ein neues Verlagshaus bauen, in dem die Eckernförder Zeitung nach wie vor ansässig ist, und sorgte für einen neuen Aufbruch in Verlag und Redaktion, die unter seiner Leitung aufblühten und expandierten. Die Auftragslage in der Druckerei entwickelte sich gut, die Auflage der Eckernförder Zeitung stieg dank der aktuelleren und erweiterten Berichterstattung im Verbreitungsgebiet des Altkreises Eckernförde stetig. Im Dezember 1987 brachte er zudem das bis heute wöchentlich erscheinende Anzeigenblatt „Förde Express“ heraus. Heinz Blenckner wartete nicht, bis andere Verlagshäuser in technische Neuerungen investierten, sondern agierte immer von der Spitze weg. Das war sein Naturell, er tat dies aber auch aus Verantwortung für die bis zu 120 Mitarbeiter, die im Druckhaus und Verlag stets einen sicheren Arbeitsplatz hatten.

Persönlich schonte sich der Verleger nie, notfalls brachte er die Zeitung höchstpersönlich zu den Lesern, wie während der Schneekatastrophe im Winter 1978/79, und reparierte auch schon mal in Eigenleistung eine defekte Druckmaschine. 2001 ging seine Herausgeber-Ära im Alter von 72 Jahren mit dem Verkauf der Eckernförder Zeitung an die Dithmarscher Landeszeitung zu Ende. Seit 2004 gehört die Eckernförder Zeitung zum Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z).


Familie der große Halt

In den 34 Jahren seiner Herausgeberschaft hat Heinz Blenckner viele wichtige und richtige Entscheidungen getroffen, die über mehr als drei Jahrzehnte die Grundlage für ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen bildeten. Heinz Blenckner mochte es gerade heraus, er war ein Mann der klaren Worte, schätzte Offenheit und Vertrauen, sein Wort zählte und hatte Gewicht. Die Mitarbeiter respektierten und schätzen ihn.

Seine Familie war für ihn immer ein großer Halt. Der exzellente Segler genoss die wenige freie Zeit mit seiner Frau und seinen beiden Kindern zumeist auf dem Segelboot. Große Reisen mussten es nicht sein, Heinz Blenckner liebte seine Heimat und die Törns mit Familie und Freunden auf der Ostsee. Für viele war er ein väterlicher Freund, der half, wo es nötig war, auf den man sich in jeder Situation verlassen konnte. Er liebte den Klönschnack, am liebsten auf Platt, mit alten Weggefährten und seinen Freunden im Segelclub, in dem er Ehrenmitglied war.

Es war ihm noch vergönnt, vor fast genau einem Jahr bei guter Gesundheit mit seiner Frau die Diamantene Hochzeit zu feiern. Sie haben in der „Seelust“ gefeiert, dem Lokal, in dem sie sich kennengelernt haben. Heinz Blenckner hat diese Feier und die gemeinsame Zeit mit seiner Frau Eta in seinem schönen Haus in der Prinzenstraße 22 – direkt gegenüber von seinem Geburtshaus –, sehr genossen. Er hat ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben geführt, in dem er viel erreicht und viel gegeben hat.

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