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Phonomuseum : Zeitreise zu Klängen aus der Vorzeit

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bewährtes Museumskonzept bescherte Betreiber Nico Pokrant im Vorjahr eine erfolgreiche Saison / Café für Besucher öffnet in naher Zukunft

Holzdorf | Heute trägt jeder seine Lieblingsmusik auf einem Smartphone oder MP3-Player mit sich herum. Doch wie war das eigentlich früher, als es noch ganz andere Technik gab, mit der Musik abgespielt werden konnte? Dieser und anderen Fragen kann seit 2011 im Phonomuseum nachgegangen werden.

Mit der Unterstützung seiner Eltern hat der gelernte Kaufmann Nico Pokrant (39) dort insgesamt 1200 Exponate aus aller Welt versammelt, von denen rund 700 in einer Dauerausstellung zu sehen sind. In den umgestalteten Klassenräumen der ehemaligen Grundschule sind nun Grammophone, Stereoanlagen, Radios zu Hause. Fernseher und Zubehör aus 100 Jahren Geschichte der Geräte- und Musikindustrie. Viele Ausstellungsstücke sind noch immer funktionstüchtig oder wurden von Museumsbetreiber Nico Pokrant in Eigenleistung wieder zum Leben erweckt. Zahlreiche Geräte habe er bei Haushaltsauflösungen oder von privaten Sammlern erhalten, berichtet er.

Schon als kleiner Junge habe er sich für die inzwischen historischen Techniken interessiert. „Angefangen hat alles mit einem alten Röhrenradio bei meinem Vater in der Garage“, erinnert sich der gebürtige Büdelsdorfer. „Plötzlich wusste die ganze Nachbarschaft über mein besonderes Interesse Bescheid und alle haben mir ihre alten Geräte gebracht“, so Nico Pokrant. Glücklicherweise zeigten die Eltern viel Verständnis für die Sammelleidenschaft ihres Sohnes. „Wir hatten sehr schnell ein Grammophon in unserem Wohnzimmer stehen“, erzählt der Museumsleiter, der fast bei jeder Führung alle Besucher persönlich durch die Ausstellung führt.

Für ihn zählen nicht die komplexen technischen Details, sondern viel mehr die gesellschaftspolitischen Zusammenhänge und Charakteristika der einzelnen Dekaden. Deshalb sind die Ausstellungsräume auch möglichst authentisch eingerichtet und nach Zeitabschnitten organisiert. Man wolle eine Atmosphäre schaffen, die an die Wohnzimmer der Vergangenheit erinnere, so Nico Pokrant. So hat er beispielsweise einen originalen Sessel aus den 30er-Jahren angeschafft.

In einem Raum können beispielsweise die verschiedenen Modelle des Volksempfängers betrachtet werden, der vom nationalsozialistischen Regime zu Propagandazwecken genutzt wurde. Sie haben sich zwischen 1933 und 1945 immer wieder technisch und optisch verändert. „Sie gehören zu den vergleichsweise günstigen Geräten“, verrät Nico Pokrant, der auch immer ein Schild mit den damaligen Kaufpreisen neben die Exponate legt, um deren Wertigkeit und Bedeutung für die Menschen früher zu verdeutlichen. In seiner Sammlung befinden sich auch viele Grammophone, die sich der Normalbürger niemals leisten konnte. „Ich habe hier welche, die damals durchaus zwei Jahresgehälter und mehr gekostet haben“, sagt der Museumsbetreiber. In einer Vitrine befinden sich auch gut erhaltene Kindergrammophone aus den 20er-Jahren, die von der ehemals weltgrößten Blechspielzeugfabrik Bing in Süddeutschland hergestellt wurde. Er freue sich besonders über den hervorragenden Zustand, denn der Nachwuchs aus betuchtem Elternhaus sei in der Regel nicht sonderlich vorsichtig damit umgegangen, so Nico Pokrant.

In der kommenden Saison wird er seinen Gästen auch ein neu erworbenes Ausstellungsstück von 1936 präsentieren können, bei dem es sich um eines der letzten mechanischen Grammophone handelt. Diese Geräte können ohne Strom betrieben werden. „Sie wurden damals von His Master’s Voice in Großbritannien für den Export in entlegene Gebiete wie die Kolonien oder einzelne Inseln produziert, wo die Stromversorgung nicht zwingend gewährleistet war“, so der begeisterte Sammler. Bei dem Grammophon im Phonomuseum handelt es sich im ein Exemplar von lediglich 4  000 Stück, von denen viele das vergangene Jahrhundert nicht überstanden haben.

Mit dem Verlauf der vergangenen Saison ist der Betreiber zufrieden. „Wir hatten rund 1  100 Besucher“, so Nico Pokrant. Neben vielen neuen Geräten wird es ab sofort auch ein Café im Stil der 50er- und 60er- Jahre geben, in dem es sich Besuchergruppen nach Anmeldung gemütlich machen können.Das Museum hat ab Donnerstag, 4. Mai, von Mai bis Ende September immer donnerstags bis sonntags von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.

Weitere Infos unter Tel. 04352/ 9117  848 und unter www.phonomuseumseeholz.de

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erstellt am 27.Apr.2017 | 06:05 Uhr

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