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Nächtliche Premiere : Zeit zum Träumen in der Kirche

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Altenholz und Hütten beteiligten sich erstmals an der Aktion „Nacht der Kirchen“ : Vielfältiges Programm mit Musik, Bildern und Impulsen.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2013 | 06:07 Uhr

Bereits zum dritten Mal wurde am Freitagabend in vielen Gotteshäusern in ganz Kiel die „Nacht der Kirchen“ gefeiert. Erstmals nahmen in diesem Jahr auch die evangelische Kirche in Altenholz und die Kirchengemeinde Hütten daran teil und boten ein vielseitiges Programm – und das mit vollem Erfolg.

Das zentrale Motto der Nacht der Kirchen lautete in diesem Jahr „…und wovon träumst du?“ und war angelehnt an Martin Luther Kings Rede „Ich habe einen Traum“, die er vor 50 Jahren, am 28. August 1963, beim Marsch auf Washington hielt. Der Traum der Gemeinde in Altenholz zur Nacht der Kirchen lautete „Unsere Erde – ein Zuhause für alle“. Und so luden die Pastoren Dirk Große und Okke Breckling-Jensen zusammen mit Kirchenmusikerin Susanne Schwerk und vielen Beteiligten die Besucher zu einer Reise um die Welt ein – eine Reise durch fünf Kontinente, von denen jeder mit einem Land vertreten war, welches von Menschen mit einem besonderen Bezug zu dem jeweiligen Land in einem kurzen Vortrag – unterstützt durch eine Bildpräsentation – vorgestellt wurde und an dessen Anschluss die beiden Pastoren im Wechsel spontan kurze theologische Impulse gaben.

Zunächst ging es nach Costa Rica, über das die Schülerin Stina Mischke erzählte, die dort eine Zeit lang als Austauschschülerin gelebt hatte. Nachdem die in Mosambik geborene Altenholzerin Dahlia Bornemann mit einer Schilderung über ihr Heimatland folgte, ging es weiter nach Australien. Dort lebt, jedenfalls „zur Hälfte“, Irmela Bucher. „Ich habe das große Glück, abwechselnd ein halbes Jahr in Australien und das andere halbe Jahr in Altenholz zu leben“, so die pensionierte Lehrerin. Über Indien berichtete anschließend die Plöner Pastorin Katja Zornig. Am schwersten hatte man sich im Vorfeld der Veranstaltung mit einem europäischen Land getan. Es wurde an Ungarn gedacht oder auch an Spanien. Entschieden hatte man sich letztendlich für die direkte Nachbarschaft – Dänemark. Die der dänischen Minderheit angehörende Dänischlehrerin Mette Salomon aus Altenholz referierte über unseren nördlichen Nachbarn und das, wie Pastor Breckling-Jensen betonte, an ihrem Geburtstag.

In den jeweils zehnminütigen Vorträgen erfuhren die Besucher aber nicht nur etwas über die Schönheiten der Länder, auch deren Nöte und Probleme blieben nicht unerwähnt. Die restliche Zeit der jeweiligen Stunde, die jedem Land gewidmet war, wurde mit Musik gefüllt, deren Bandbreite keine Wünsche offen ließ: Von Klassik und Bob Chilcotts „Jazz-Mass“ über den A-cappella-Chor „Eight Voices“ mit Ausschnitten aus seinem aktuellen Programm und ein Pop & Soul Crossover bis hin zu nordeuropäischer Folklore war alles vertreten. „Im Vorfeld hatten wir etwas Bedenken, dass nicht allzu viele Gäste kommen werden. Aber jetzt sind wir doch überrascht, wie voll die Kirche ist“, stellte Okke Breckling-Jensen hocherfreut fest.

Und voll war es wirklich im Eivind-Berggrav-Zentrum. In der Kirche selbst lauschte man den Vorträgen und der Musik, im Vorraum wurde sich bei kleinen Snacks und Getränken unterhalten, und wer „Kirchen-Hopping“ machen wollte, der zog weiter in eine der anderen Gemeinden, was in Altenholz allerdings seltener war. Auch Manfred (62) und Hannelore (52) Hartung aus Altenholz, die gerade gekommen waren und erstmalig an der Nacht der Kirchen teilnahmen, wollten bis zum Ende im Eivind-Berggrav-Zentrum ausharren. „Das Programm hört sich sehr interessant an, und wir wollen uns überraschen lassen“, waren sich beide einig und stießen erst einmal auf den vor ihnen liegenden Abend an. Ihre Erwartungen hatten sich, wie eine spätere Nachfrage ergab, voll erfüllt. Auch Dr. Volker Clauß war restlos begeistert: „Eine ganz hervorragende Veranstaltung. So bringt man Kirche in die Gemeinde hinein – mit lockerer, entspannter Atmosphäre. So soll Kirche sein“, freute sich der ehemalige Altenholzer Bürgervorsteher.

„Das hat was von Party“, sagte Kerstin Hansen-Neupert, Pastorin in der Kirchengemeinde Hütten. „Das macht total Spaß.“ Viele Kerzen erleuchteten das Gotteshaus und wiesen den Besuchern schon den Weg in die Kirche, wo neben den bekannten Sitzbänken auch Stühle in verschiedenen Stilen sowie Liegen aufgestellt waren. So hatten die Besucher auch die Gelegenheit, es sich im Altarraum gemütlich zu machen. „Wenn man im Altarraum sitzt, hat man einen ganz anderen Blickwinkel auf das Gewölbe“, sagte Hansen-Neupert und fügte hinzu: „Ich freue mich sehr, dass so viele Menschen den Weg hierher gefunden haben.“

Nicht nur mit ungewöhnlichen Blickwinkeln und Sitzgelegenheiten lockte die Hüttener Kirche. Es gab auch ein vielfältiges Programm: Musiker, die in der Kirche oder dem Gemeindehaus proben, traten auf. „Wir haben diese Musiker“, so die Pastorin, „warum für sie keine Bühne schaffen?“

So waren auch De Folkmokers dabei und ernteten am Ende ihre Auftritts tosenden Applaus. Zudem wurde unter anderem aus der Rede „I have a dream“ von Martin Luther King gelesen, die Kantorei präsentiere einige Stücke, und der Mitternachtschor trat auf. Zwischendurch verkaufe der Förderverein zum Erhalt der Hüttener Kirche Kirchenwein, und die Besucher hatten die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Marianne Reuthal kennt die „Nacht der Kirchen“ schon aus Hamburg. „Es war wunderschön“, erinnerte sie sich an die Veranstaltung vor einer Woche in der Hansestadt. Aber auch in Hütten gefiel es ihr: Die Atmosphäre sei viel privater, meinte die Besucherin aus Molfsee.

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