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Buch über britische Besatzung : Zehn Jahre unter britischer Flagge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Große Nachfrage: Die Heimatgemeinschaft gibt die 3. Auflage von Ilse Rathjen-Couscherungs Buch „Eckernförde unter britischer Besatzung“ heraus.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2017 | 05:42 Uhr

Eckernförde | Die Engländer wussten genau, wie sie sich während ihrer Besatzungszeit in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg verhalten sollten. Sie hatten ein Büchlein über die Deutschen in ihren Taschen, darin war eine Liste mit „Do’s“ und „Dont’s“: „Go easy on Schnaps“, stand da unter anderem. Und: „Don’t go looking for trouble.“

Dass diese Liste in Eckernförde nicht immer eingehalten wurde, weiß niemand so gut wie Ilse Rathjen-Couscherung. Sie ist die Autorin des Buches „Eckernförde unter britischer Besatzung“, das im November 2008 im Eigenverlag der Heimatgemeinschaft erschienen ist und dessen ersten beiden Auflagen mit insgesamt 1750 Exemplaren schnell vergriffen waren. Es folgte eine lange Durststrecke, doch jetzt ist das Buch wieder erhältlich: 600 Stück sind in einer dritten Auflage zu erwerben.

„Seit dem ersten Erscheinen des Buches gab es etliche Anfragen“, sagt Ilse Rathjen-Couscherung, „auch aus England“. Eine Frau wollte ein Buch haben, weil ihre Mutter beim englischen Residenzoffizier Colonel Ormsby, der als oberste Instanz der britischen Besatzung in Eckernförde am Rathausmarkt residierte, als Sekretärin arbeitete. Und ein Mann aus London berichtete, dass seine Mutter damals im Hilfskrankenhaus am Borbyer Ufer – heute „D&S Haus am Strand“ – gearbeitet habe. Ilse Rathjen-Couscherung hat ihm gern ein Exemplar ihres Buches zukommen lassen, im Gegenzug erhielt sie einen 20-seitigen Aufsatz über die Erlebnisse der Mutter in Eckernförde.

„Durch ihr Buch hat Ilse Rathjen-Couscherung mittlerweile einen gewissen Namen in England“, sagt Dr. Telse Stoy, Vorsitzende der Heimatgemeinschaft. Aber auch in ihrer Heimatstadt. So habe sich eine Eckernförderin gemeldet, die mit dem Dolmetscher des Colonel Ormsby liiert war. Von 1945 bis 1955 ging die Besatzungszeit, „aber nur am Anfang waren die Briten richtig präsent“, so die 78-jährige Autorin. „Am Ende hat man sie gar nicht mehr richtig wahrgenommen.“

Eigentlich wollte die pensionierte Lehrerin gar kein ganzes Buch schreiben. „Es fing langsam an, ich sprach mit einigen Zeitzeugen, und dann fand ich das Thema so interessant, dass ein Buch daraus wurde.“ Und zwar nicht zu spät: Heute leben viele der insgesamt 170 Zeitzeugen, die sie befragt hat, nicht mehr – auch auf britischer Seite. Darunter ist auch Gordon Hoar, der mit 19 Jahren als Angehöriger der Elitetruppe „Coldstream Guards“ seinen Dienst in Eckernförde versah und den Ilse Rathjen-Couscherung als „Kronzeugen“ anführt. Von ihm hat sie alle Unterlagen und Erinnerungsstücke aus dieser Zeit geerbt.

Auch hat sich – allerdings erst auf Anfrage – der Schauspieler Roger Moore (James Bond) bei ihr gemeldet. Er war während der Besatzungszeit in Schleswig stationiert und hatte mit einer Schauspieltruppe einen Auftritt im Eckernförder Hotel Stadt Kiel. Er erinnerte sich, dass er „a lot of fun“ hatte.

>Das Buch ist für 14,80 Euro im Buchhandel und bei der Heimatgemeinschaft auf der Carlshöhe erhältlich. Dort kostet das Buch für Mitglieder der Heimatgemeinschaft 10 Euro.

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