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Eckernförder Zeitung

17. August 2017 | 23:45 Uhr

Zahlenkolonnen und kreative Bilanzen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ende des Jahres ist die Zeit der Bilanzen und Etatberatungen. In Eckernförde sind 40 Millionen Euro zu verplanen, in Einnahmen und Ausgaben. Neuerdings müssen wegen der Systemumstellung von der sogenannten Kameralistik zur Doppik auch der sogenannte Werteverzehr und die Abschreibungen in die Planungen einbezogen werden, zuvor mussten alle Vermögenswerte der Stadt erfasst, bewertet und bilanziert werden. Eine Heidenarbeit. Logisch, dass da auch mal was schief geht, was selbst dem Rechnungsprüfungsamt durch die Lappen geht. Alles wieder geradegezogen, die Stadt müsste einigermaßen über den Berg sein.

Der Haushalt 2016 entfachte bei Kämmerer Micha Wulf und Bürgermeister Jörg Sibbel besonderen Ehrgeiz. Sie wollten den Eckernfördern nicht weitere 8,2 Millionen Euro neue Schulden aufbürden, durchforsteten das 900-seitige Zahlenwerk mit Hilfe der Kämmerei und Fachabteilungen und blieben schließlich bei einer Kreditermächtigung für 2016 von 3,2 Millionen Euro hängen. Alle Achtung. Leiht sich die Stadt die Summe tatsächlich, steigt die Gesamtverschuldung auf über 10 Millionen Euro. Hört sich viel an, ist auch viel, aber immer noch sehr viel weniger als in den allermeisten anderen Städten. Zumindest ein kleiner Trost, wenn auch nicht vollends beruhigend.

Jedenfalls hat sich der Bürgermeister in allen bisherigen Beratungen als versierter Haushaltsexperte entpuppt, der die Zahlenkolonnen bestens im Griff zu haben scheint.

Das ist sicher nicht in allen Städten der Fall.

Clever angelegt ist die Struktur mit den städtischen Betrieben. Die Stadtwerke machen mit dem Verkauf von Strom (+ 844  000 €) , Gas (+ 148  000 €), Wasser (+ 82  000 €) und Wärme (+ 396  000 €) satte Gewinne. Um Steuern zu sparen werden diese mit den Verlusten der wichtigen, aber defizitären Einrichtungen Wellenbad und Hafen verrechnet. Dadurch sparen die Stadtwerke und damit die Stadt als Gesellschafterin jedes Jahr mindestens eine halbe Million Euro, die für andere Investitionen frei werden.

Leider lassen sich die Verluste der Touristik und Marketing GmbH von knapp 550  000 Euro nicht in diesen steuerlichen Querverbund einbinden. Sonst sähe die Lage noch viel rosiger aus, und die Gas- und Strompreise könnten angesichts stark gesunkener Einkaufspreise endlich auch einmal in die andere Richtung, nämlich nach unten, korrigiert werden.

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erstellt am 05.Dez.2015 | 00:34 Uhr

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