Inventur : Zähltag im Einzelhandel

Jeder einzelne Gummifisch muss gezählt werden: Henry Rath plant mit drei Tagen für die Inventur – mit neun Mann bei laufendem Betrieb.
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Jeder einzelne Gummifisch muss gezählt werden: Henry Rath plant mit drei Tagen für die Inventur – mit neun Mann bei laufendem Betrieb.

Die Geschäftsleute nehmen rund um den Jahreswechsel ihre Inventur vor. Bei der Bestandsaufnahme zählt jede Kleinigkeit.

shz.de von
04. Januar 2018, 06:52 Uhr

Eckernförde | Sie ist bei Geschäftsleuten nicht unbedingt beliebt, aber es führt kein Weg an ihr vorbei: Bei der Inventur zählen, wiegen oder messen Geschäftsleute einmal im Jahr ihren Warenbestand und melden die Daten dem Finanzamt. Stichtag ist üblicherweise der 31. Dezember, jedoch ist eine Bestandsaufnahme bei großer Stückzahl auch in den fünf Monaten um den Jahreswechsel möglich.

So handhabt es auch Henry Rath von „Angeln & Mehr“ in der Speicherpassage. Etwa 10 000 Artikel hat er im Sortiment, viele davon mehrfach, so dass am Ende rund 200 000 Produkte in die Hand genommen, gezählt und eingescannt werden müssen. Darunter sind viele Kleinteile wie Blinker, Bleikugeln und Gummifische. Auch die Wattwürmer müssen einzeln gezählt werden. „Wir achten aber darauf, dass wir dann möglichst wenig von ihnen vorrätig haben“, so Henry Rath.

In diesem Jahr wird der Geschäftsinhaber erstmals die Inventur während des laufenden Betriebs vornehmen. „In den vergangenen Jahren haben wir immer ein Wochenende geschlossen“, so Rath. Doch den Sonnabend als wichtigen Verkaufstag möchte er nicht mehr einbüßen, weshalb seine neunköpfige Mannschaft ab dem 15. Januar für mindestens drei Tage vollständig antritt. Dann wird gezählt und gleichzeitig verkauft. Jeder einzelne Artikel muss in die Hand genommen werden, und zwar nicht nur Ruten und Haken, sondern auch Camping- und Outdoorzubehör, Taschen, Schuhe und Bekleidung. Die geschätzten 80- bis 100 000 Meter vorrätige Angelschnur jedoch müssen nicht abgemessen werden. Sie sind im Warenwirtschaftssystem schon erfasst.

Am Ende weiß Rath, wie viele Artikel tatsächlich im Geschäft und im Lager sind und kann die Daten mit den Einkaufsmengen abgleichen. „Die Differenz geht größtenteils auf Diebstahl zurück.“ Rund 3 Prozent mache das aus.

Auch Silke Mohr vom Modehaus Mohr in der Kieler Straße sieht in der Inventur die Möglichkeit zu überprüfen, wie viel im vergangenen Jahr gestohlen wurde. „Es wird mehr“, sagt sie. Die Geschäftsfrau hat die Inventur über den Jahreswechsel ganz allein vollzogen und damit ihre Belegschaft vor zusätzlicher Arbeit verschont: „Am 30. Dezember habe ich nach Feierabend angefangen und an Silvester und Neujahr jeweils vier bis fünf Stunden daran gearbeitet“, sagt sie. Nebenbei lief Musik, sie habe sich etwas entspannen können. „Man muss dabei ja nicht viel nachdenken.“ Etwa 11 000 Artikel hat sie in ihrem Modegeschäft – von Socken bis zur Bluse, von Dekoartikeln bis zu Accessoires. Am schwierigsten zu scannen seien dabei die Unterhosen: Die Preisschilder mit den Strichcodes müssten alle einzeln aus den Slips hervorgeholt werden – das kostet Zeit.

Viel Zeit und Aufwand kostet auch die Inventur in der Borbyer Apotheke. Inhaber Dr. Lutz Heinze hat sie allerdings bereits hinter sich, kurz vor Weihnachten war der 62-jährige Apotheker damit durch. „Zwischendurch während des Dienstes“, habe er die Ein- und Ausgänge abgeglichen und bei Bedarf „kleine Abweichungen korrigiert“. Diese könnten sich beispielsweise systembedingt durch den Einsatz spezieller Warenwirtschaftsprogramme ergeben, die nicht unbedingt mit den Prüfprogrammen der Finanzbehörden kompatibel sind. Außerdem gebe es Bestandsverluste durch „Bruch oder Diebstahl“, wie der Borbyer Apotheker erläuterte, wobei die Diebstähle deutlich größere Schäden und Abweichungen verursachten. Per Mausklick kann er sich das gesamte Sortiment ausdrucken lassen. Mit diesen Listen gehen er persönlich („Ich bin schlecht im Delegieren“) und seine 15 Mitarbeiter durch die Regale und gleichen die aufgelisteten Bestände mit den Medikamenten und übrigen Produkten ab. „Zählen und abhaken im Eiltempo“, um der fiskalischen Pflicht Genüge zu tun.

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