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sturmtief : „Xaver“ lässt Eckernförde unversehrt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nur eine Handvoll Einsätze für die Feuerwehr: Kupferplatten auf dem Gericht drohten wegzufliegen. Schulfrei und geschlossene Geschäfte.

von
erstellt am 06.Dez.2013 | 08:00 Uhr

Orkantief „Xaver“ hat Eckernförde gestern zwar ordentlich durcgeschüttelt, aber weitgehend unversehrt gelassen. Um 10.23 Uhr musste die Freiwillige Feuerwehr Eckernförde das erste Mal ausrücken: In der Schleswiger Straße wurde ein kleinerer Sturmschaden gemeldet. Der nächste Alarm um 13.09 Uhr: Sturmschaden in der Norderstraße, nichts Großes.

 

Deutlich kniffliger dann der zeitgleiche Einsatz Nummer drei in der Reeperbahn. Die wegen der Fassadenarbeiten derzeit frei liegende Kupferabdeckung des Daches des Amtsgericht wird durch die Sturmböen kräftig auf und nieder gebogen. Irgendwann, so Einsatzleiter Alexander Rüß, hätten die Platten aus Kupferblech den permanenten Zugriff des Böen nicht mehr standgehalten und wären unkontrolliert durch die Luft geflogen – mit unabsehbaren Folgen. Die Dachdecker haben zuvor abgewunken – zu gefährlich. Also müssen gut ausgebildete Feuerwehrleute ran. Die Drehleiter, die bei Einsätzen ohne Menschenrettung nur bis Windstärke 8 eingesetzt werden darf, bleibt wegen der zu starken Böen in 13 Metern Höhe am Boden. Die Feuerwehrmänner müssen durchs Treppenhaus aufs Dach und von dort mit aufgelegten Leitern die schräge Dachfläche bei Dauerregen und starken Böen bis Windstärke 10 hinaufklettern. Mit ihren Feuerwehrbeilen können die mit Gurten gegen einen Absturz gesicherten Feuerwehrmänner Matthias Brumm und Marco Guthardt die Platten schließlich lösen und bergen. Die Reeperbahn muss für etwa eine Stunde halbseitig gesperrt werden. Ein Taxifahrer brettert in die Pylonen, passiert ist nichts.

 

Der Regen wird immer heftiger, gegen 15.20 Uhr blitzt und donnert, es zieht sich immer zu. Auch die Böen packen nun noch stärker zu. Dock kein Vergleich zu „Christian“ vor fünf Wochen: Am 28. Oktober hatte die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt schon 30 ihrer insgesamt 70 Einsätze hinter sich. Der stellvertretende Wehrführer Alexander Rüß weiß auch warum: Ende Oktober hatte der Orkan wegen der noch belaubten Baumkronen eine deutlich größere Angriffsfläche für die noch heftigeren Böen – tausende entwurzelte und zersplitterte Bäume waren die Folge. Das dürfte diesmal anders aussehen, jedenfalls bis zum frühen Abend. Ab 18 Uhr nahm die Intensität wieder zu.


Innenstadt wie ausgestorben


Normalerweise wären an diesem Vorweihnachtstag unzählige Geschenke über den Ladentisch gegangen. Doch normal war gestern gar nichts. Die Warnungen in den Medien und die tatsächliche Wetterlage haben viele Menschen davon abgehalten, den gestrigen Tag zum Shopping zu nutzen. Verzeichneten die Geschäfte und Mittagstische vormittags und mittags noch einen bescheidenen Umsatz, versiegte das Geschäfte ab dem frühen Nachmittag spürbar. Die Innenstadt wirkte wie ausgestorben, nur vereinzelt marschierten Kunden durch die fast leere Fußgängerzone. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon die meisten Kaufleute die Konsequenzen gezogen und ihre Läden geschlossen – noch vor dem offiziellen Ladenschluss. Ein schlechter Tag für Geschäfte.

 

Orkan „Xaver“ hatte auch Auswirkungen auf das öffentliche Leben. Zahlreiche Veranstaltungen und Sitzungen wurden abgesagt, Erzieher und Lehrer an den Kita und Schulen hatten es mit deutlich dezimierten Gruppen und Klassen zu tun. Normaler Unterricht war gestern in den Schulen von vornherein nicht zu erwarten. Die Schulen hatten die Eltern per Brief oder Ansage freigestellt, ob sie ihre Kinder zum Unterricht schicken oder nicht. Viele Eltern ließen Vorsicht walten und ließen ihre Kinder zuhause. Und die, die da waren, durften sich früher auf dem Heimweg machen. Eine Übersicht: Richard-Vosgerau-Schule: Schulschluss für alle 1. bis 4. Klassen um 11.40 Uhr; Fritz-Reuter-Schule, Gorch-Fock-Schule und Grund- und Gemeinschaftsschule, Standort Nord und Süd: Schulschluss nach der 4. Stunde; Peter-Ustinov-Schule und Jungmannschule: Schulschluss nach der 5. Stunde, Berufsbildungszentrum: Schulschluss um 9.30 Uhr; Waldorfschule: Schluss nach der 4. Stunde; Dänische Schule: Schulschluss nach der 6. Stunde. Heute fällt der Unterricht im ganzen Land aus.

Wer gestern auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war, hatte schlechte Karten: Der Zugverkehr der Regionalbahnen zwischen Eckernförde und Kiel wurde bereits ab 10 Uhr eingestellt, abends führen die Züge wieder. Die Bahn hat eine kostenlose Nummer für Reiseauskünfte eingerichtet: 08000/996633. Die Stadtbusse fuhren gestern zunächst planmäßig, gegen 15.30 Uhr wurde der Stadtverkehr eingestellt. Auch die Busse der Autokraft standen ab nachmittags still.

 

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