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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 08:48 Uhr

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

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erstellt am 04.Okt.2013 | 14:47 Uhr

Es ist laut an diesem Tag in der Mensa der Grund- und Gemeinschaftsschule Süd. 24 Schüler sitzen im Kreis, viele reden durcheinander. Bis Birte Stoffers die Stimme erhebt: Die Schulsozialpädagogin fragt die Fünftklässler, was sie gut an ihrer Klasse finden und was nicht, und heftet die Meinungen per Zettel an eine Tafel. „Wir gehen alle ganz nett miteinander um“, findet der elfjährige Ron, während Cedric (10) sagt: „Ich finde es manchmal zu laut.“

„Zu laut.“ Das ist der Eindruck vieler Schüler. An wem das liegt, will Birte Stoffers wissen, und sofort melden sich einige Schüler, die die Schuld durchaus bei sich selbst sehen. Das Fazit: In Zukunft wollen sie mehr an sich arbeiten und eine geringere Lautstärke an den Tag legen.

Die Grund- und Gemeinschaftsschule ist eine Schule wie jede andere. Und wie jede andere Schule kämpft sie mit den gesellschaftlichen Entwicklungen: Sozialverträgliches Verhalten, Konzentrationsfähigkeit und motorisches Geschick haben sich bundesweit beim Nachwuchs in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Der Grund wird allgemeinhin in veränderten Familienstrukturen durch die Auflösung der Kernfamilie, im immensen Einfluss moderner Medien und in dem Verlust von Gelegenheiten zur Eigentätigkeit gesehen. Das Resultat: Lehrer müssen immer mehr Zeit als Konfliktlöser aufbringen.

Schon vor vielen Jahren haben die Schulleiter den politischen Gremien von dieser Entwicklung berichtet, und diese haben reagiert: Sie haben trotz Haushaltskonsolidierung das Geld für vier Schulsozialarbeiter freigestellt, die im Mai 2010 ihre Arbeit an sieben Eckernförder Schulen aufnahmen.

Eine davon ist Birte Stoffers. „Hier sind die Schüler nicht auffälliger als an anderen Schulen“, sagt sie. „Selbst bei einer Klasse, die als besonders ruhig gilt, wurde eine zu große Lautstärke von den Schülern als problematisch angegeben.“

Dennoch schwören sie und die Lehrer auf präventive Maßnahmen wie das Sozialtraining, das jede fünfte Klasse am Standort Süd durchläuft. „Es geht zum einen darum, dass sich die Schüler besser kennen lernen“, sagt Ruthard Wagner, Lehrer und pädagogischer Koordinator. „Und zum anderen sollen eventuelle Konflikte oder Probleme gleich erkannt und angegangen werden.“ Jede fünfte Klasse unternimmt in der Vorhabenwoche kleine Stadtrallyes, Wanderungen oder einen Besuch im Hochseilgarten. Die Schüler lernen sich kennen, lösen gemeinsam Aufgaben und lernen, dass man gemeinsam weiter kommt als allein. „Die Schüler kommen aus dem gesamten Umland Eckernfördes zu uns“, sagt Ruthard Wagner. „Da wollen wir gleich für ein positives Klassenklima sorgen.“

Dazu gehört auch das Sozialtraining mit Birte Stoffers, in dessen Genuss jede fünfte Klasse kommt. In ihm reden die Schüler nicht nur über positive und negative Seiten der Klasse, sondern nehmen auch an Übungen und Spielen teil. Beim Eselstreit zum Beispiel müssen vier Gruppen so viele Stühle wie möglich aus der Mitte des Raums in ihre Ecken bringen, um als Belohnung eine Tüte Bonbons zu bekommen, was immer in einem Chaos endet. Erst beim dritten oder vierten Anlauf kommen die Schüler selbst drauf, dass es sinnvoller ist, zusammenzuarbeiten und sich am Ende die Bonbons zu teilen. Auch müssen sie gemeinsam eine Murmel auf einem Tuch durch eine Pappröhre balancieren.

In diesen Momenten konzentrieren sich die Schüler auf sich und ihre Mitschüler. Dann ist es ganz still im Raum und niemand beklagt sich mehr, dass es zu laut ist.

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