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Herrenlose Pferde gefunden : Wurden die Ponys einfach ausgesetzt?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Innerhalb weniger Wochen tauchten in Brekendorf und Umgebung drei Ponys ohne Besitzer auf / Eigentümer werden gesucht

von
erstellt am 17.Jun.2016 | 06:57 Uhr

Brekendorf  Dass Pferde anonym abgegeben werden, komme nur selten vor. Aber gerade in den vergangenen Wochen hat Petra Teegen, Leiterin der Pferdeklappe in Norderbrarup, gleich zweimal einen Anruf aus dem Amt Hüttener Berge bekommen, weil Pferde halterlos in Brekendorf herumirrten. Das erste Pony, eine vierjährige Stute, wurde am 22. April in Brekendorf eingefangen. „Es hatte sich einer Reitergruppe angeschlossen“, berichtet die 62-Jährige. Versuche der Polizei, das Tier einzufangen, scheiterten. Petra Teegen, die informiert wurde, konnte spontan eine sechsköpfige Helfergruppe zusammenzutrommeln. Mit viel Pferde-Erfahrung gelang es ihnen,  „Smilla“, wie sie das Pony nannten, es in den Hänger zu laden. Der Besitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden. „Nach 28 Tagen gilt das Pony nicht mehr als Fundsache und kann vermittelt werden“, so die gelernte Krankenschwester, die froh war, für „Smilla“ einen neuen Besitzer in Großenwiehe gefunden zu haben.

Kürzlich wurde Petra Teegen wieder vom Amt Hüttener Berge um Hilfe gebeten. Am 3. Juni waren zwei Ponys, zwei und vier Jahre alt, zwischen Brekendorf und Ascheffel aufgetaucht und sorgten für mächtig Wirbel.  „Es war Trockenzeit, die Tiere hatten Durst und durchbrachen die Umzäunung einer Pferdekoppel, um dort zu trinken“, berichtet Teegen.  Zwei weitere Ponys schlossen sich den beiden an und liefen weg. Der Besitzer konnte seine beiden Tiere wieder einfangen, für die anderen beiden brauchte es wieder ein Großaufgebot an Helfern. Bei der Pferdeklappe in Norderbrarup  wurden die beiden Shetland-Welsh Ponys anschließend gründlich untersucht. „Die waren ganz verwurmt, in keinem guten Zustand“, erinnert sich Petra Teegen an „Abendfee“ und „Stella“.

Eine Bekannte von ihr habe dann eines der beiden Tiere wiedererkannt. Es sei das Fohlen der Stute, die sie auf einem Hof in Geltorf  gekauft habe, meinte sie. Als man die beiden Pferde in Norderbrarup zusammenbrachte, sei das Fohlen auch gleich von der angeblichen Mutter freudig begrüßt worden, das Fohlen wollte sogar bei ihr trinken. „Dieses Verhalten würden zwei sich fremde Tiere  nicht zeigen, sondern eher Stresssymptome“, ist Teegen überzeugt.

Die Hofbesitzerin aus Geltorf stritt das aber auf Nachfrage Teegens ab. Sie  habe gesagt, sie hätte das Fohlen längst weiterverkauft. In dieser Woche habe sie sich aber die Fohlen in Norderbrarup angeschaut und erneut bestätigt, dass es keines ihrer Tiere sei. Sie sicherte aber ihre Unterstützung zu, bei der Suche nach dem Eigentümer zu helfen.

„Es wird jetzt einen Gen-Test geben“, kündigte die Pferdeklappen-Vorsitzende dennoch an. Haare von dem Muttertier und dem Fohlen hat sie entnommen und an ein Labor geschickt. Das Ergebnis steht noch aus.

Als Petra Teegenvor fast 30 Jahren ihr erstes Pferd in Obhut nahm, da konnte sie noch nicht ahnen, dass sie zu der Ansprechpartnerin Nummer eins werden sollte, wenn es darum geht, verwahrloste  oder herrenlose Pferde aufzunehmen – deutschlandweit und nahezu europaweit. Mittlerweile zählt der Verein Pferdeklappe, der am 1. Juli  2013 gegründet wurde, 400 Mitglieder aus aller Welt. „Seitdem haben wir rund 700 Tiere aufgenommen und vermittelt“, sagt Petra Teegen. Bei ihr auf dem Hof werden die Ponys und Pferde wieder aufgepäppelt, gepflegt und in gute Hände weiter vermittelt. In vielen Fällen seien die Besitzer mit den Tieren überfordert gewesen, in finanzielle Nöte geraten oder krank geworden und hätten sich von den Pferden trennen müssen.

Inzwischen geht es beiden Ponys,  die, wie Petra Teegen sagt, „wie vom Himmel  gefallen sind“, gut.   Bis zum 1. Juli gelten sie noch als Fundsache. „Wir haben schon jemanden, der sie  nehmen möchte“. Ob die Ponys ausgesetzt wurden, die Umzäunung durchbrachen oder gar nicht richtig eingezäunt wurden, ist bislang also ungeklärt. Wer Informationen zu den beiden jungen Stuten hat, kann sich beim Verein unter Tel. 0173/6326916 melden.

„Pferde einfach so auszusetzen, ist nicht nur für die Tiere gefährlich“, betont Petra Teegen. Bevor sie eingefangen wurden, wurden sie an der Autobahn gesehen, auch Landes- und Kreisstraßen verlaufen nahe Brekendorf. „Wer Pferde irgendwo anonym aussetzt, dem gehört der ganze Bestand weggenommen“, findet die Norderbraruperin deutliche Worte.

Achim Messerschmidt

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