zur Navigation springen

Wehrtechnische Dienststelle in Eckernförde : WTD 71 verliert 75 Dienstposten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Entscheidung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung steht: Ab 2016 wird die Zahl der Dienstposten auf 610 reduziert.

Eckernförde | Im Dienstzimmer des Direktors der Wehrtechnischen Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) geben sich in diesen Tagen die Personalräte die Klinke in die Hand. Seit vergangenem Donnerstag liegt Dienststellenleiter Wolfgang Schlichting die Entscheidung des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung (BAAINBw) aus Koblenz vor, kurzfristig bis Anfang nächsten Jahres die 685 Dienstposten auf 610 zu reduzieren. 

Die Entscheidung zur Neuorganisation der WTD 71 ist fix, es besteht nach Angaben der WTD aber noch die Möglichkeit, „Dienstposten oder kw-Vermerke (künftig wegfallend) innerhalb der genehmigten Struktur bzw. der Vorgabe zum DP-Umfang zur Stärkung konkret absehbarer Projekte zu verschieben“. So heißt es in der offiziellen Stellungnahme, die Schlichting unserer Zeitung gestern auf Anfrage unterbreitete. Die Kernaufgaben der Dienststelle allerdings – allen voran die Nachweisprüfung und Erprobung der Marineausrüstung und Waffensysteme sowie die Vorbereitung, Durchführung und Auswertung (internationaler) Forschungsprogramme – bleiben unangetastet und müssen künftig  mit weniger Personal in einer veränderten Konstellation erfüllt werden.

Wie das im Einzelnen erfolgen kann, ohne die bekannt hohe und anerkannte Leistungsfähigkeit der WTD 71 zu beeinträchtigen, wird eine der Hauptaufgabe von Wolfgang Schlichting (63) in seinen letzten eineinhalb Dienstjahren sein. Auch wenn es den einen oder anderen Härtefall geben könnte, ist es ihm besonders wichtig, den Abbau der Dienstposten in Zusammenarbeit mit den Personalräten und der Gleichstellungsbeauftragten so sozialverträglich wie möglich umzusetzen und gleichzeitig das Leistungsniveau aufrechtzuerhalten oder es sogar noch zu optimieren. Was angesichts der Übernahme des Liegenschaftsmanagements für das nach Wilhelmshaven abziehende Marinearsenal in Kiel keine einfache Aufgabe sein wird: Für das Liegenschaftsmanagement in Kiel sind zwölf der verbleibenden 610 Dienstposten vorgesehen, die sich auf insgesamt neun Dienststellen verteilen (siehe Info-Box). Laut vorgegebenem Zeitplan soll die Neuorganisation am 4. Januar 2016 in Kraft gesetzt und zum 1. März 2016 wirksam werden. Dieses enge Zeittableau erfordert eine zügige Weichenstellung durch die Dienststelle unter Berücksichtigung entsprechender Fristen für die gesetzlich vorgeschriebene Einschaltung der Personalvertretungen.

Wolfgang Schlichting weist darauf hin, dass mit der „Inkraftsetzung der Neuorganisation der Dienststelle kein Stillstand in der Organisationsbearbeitung eintritt. Notwendige Anpassungen in der Aufbauorganisation sind im Rahmen der dem BAAINBw übertragenen Organisationskompetenz auch danach jederzeit möglich“. Das bedeutet, dass es sich um laufende Anpassungsprozesse handelt, die im Grunde niemals abgeschlossen sind. Ein Blick in die Vergangenheit bestätigt das. Die WTD 71 hatte vor etwa 15 Jahren noch 1600 Mitarbeiter. Im Laufe der Jahre wurde der Personalbestand laufend reduziert und liegt ab 2016 bei 610 Dienstposten. Laut eigener Homepage sind bei der WTD rund 830 Mitarbeiter in den neun Dienststellen beschäftigt (Stand November 2014). Darüber hinaus bildet die WTD 71 jährlich rund 23 Auszubildende in den Berufen Technischer Zeichner, Elektroniker für Geräte und Systeme und Schiffsmechaniker aus.

Strukturveränderungen sind in den meisten Fällen mit einem Personalabbau verbunden, bei der Bundeswehr ist dies nicht anders als in der freien Wirtschaft. Glücklicherweise bleibt dem Standort Eckernförde aber ein ähnliches Schicksal wie anderen Bundeswehrstandorten erspart. Zwar hat auch Eckernförde mit dem Aus für die Marinefernmeldeschule und Marinewaffenschule sowie dem Abbau von Dienstposten in anderen Bereichen kräftig Federn lassen müssen und wird auch voraussichtlich 2021 die Preußerkaserne verlieren, dennoch zählt Eckernförde nach wie vor zu den stabilen, zukunftssicheren Standorten. Allein bei der Marine werden rund 200 Millionen Euro in den Stützpunkt Nord investiert. Auch die WTD 71 dürfte aufgrund ihrer Nähe zur Marine und der sehr gut funktionierenden Zusammenarbeit sowie der geophysikalischen Gegebenheiten – Schießbahn, Sperrgebiete, Tiefwasserrinne – struktursicher sein. Solche Rahmenbedingungen lassen sich andernorts eben nicht aus dem Hut zaubern, das weiß man auch in Koblenz und in Berlin.

„Der Standort ist überhaupt nicht gefährdet“, sagt Wolfgang Schlichting, „die Aufgaben der Dienststelle werden durch die Neuorganisation überhaupt nicht in Frage gestellt, die Kompetenz der WTD 71 wird auch international zunehmend nachgefragt.“ Und das soll auch in Zukunft, wenn sein Nachfolger  die Dienststelle übernimmt, so bleiben. 

Neun Standorte der WTD 71
Schon die Kaiserliche Marine hat 1912 die Vorzüge der geraden Schussbahn in der Eckernförder Bucht für Torpedoversuche genutzt. Seitdem werden am Eckernförder Südstrand alle Systeme und Geräte der Marine entwickelt, geprüft, getestet und für den Einsatz freigegeben. Die Wehrtechnische Dienststelle für Schiffe und Marinewaffen, Maritime Technologie und Forschung (WTD 71) hat ihren Hauptsitz in Eckernförde mit den Standorten Nord und Süd sowie Dienststellen in Aschau, Surendorf, Borgstedt, Kiel-Ellerbek und Friedrichsort, Plön und Elpersbüttel mit derzeit 685 und künftig 610 Dienstposten.
zur Startseite

von
erstellt am 07.Dez.2015 | 19:13 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen