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konzert : Wortwitz und Musik begeistern das Publikum

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Gruppe „Tears for Beers“ ist im überfüllten „Spieker“ statt auf Putins „erotischer Sportgala“ in Sotschi aufgetreten. Mit funkig-folkiger Musik haben sie ihr Publikum begeistert.

„Das ist ganz gewaltig, was wir heute hier erleben, das haben wir uns so nicht ausgemalt.“ Während Claudia Kunkowski ununterbrochen Getränke über den Tresen reicht, nimmt sich ihr Mann Thomas einen Moment Zeit und spricht über den Beginn und die Entwicklung der kulturellen Veranstaltungen. In den „Spieker“ in der Langebrückstraße sind am Sonnabend wieder einmal viele Gäste gekommen, die bei freiem Eintritt „Tears for Beers“ hören wollten. Viele von ihnen mussten stehen, teilweise sogar draußen. „Ich bin begeistert und hätte nicht gedacht, dass Bands bereit sind, unter diesen Konditionen aufzutreten“, sagt Kunkowski weiter und blickt auf knapp ein Dutzend erfolgreiche Veranstaltungen zurück: Konzerte, Lesungen oder Kurzfilmkino. „Wir wollen dem Raum das geben, was er verdient: Mehr Platz für Kultur. Und ihn nicht bloß als Handelsplatz verstehen.“

Deshalb gehören auch Talente wie Lars Jensen mit seiner sechsköpfigen Band „Tears for Beers“ in den gelben alten „Siemsen-Speicher“. Schon dessen Ansagen sind in gewisser Weise Unterhaltungskultur: „Wir sollten eigentlich in Sotschi spielen, auf einer erotischen Sportgala für Putin.“ Das Publikum lacht. Jensen (Gesang, Cister) stellt die Mitmusiker vor, die sich auf dem kleinen Podest ein bisschen fühlen müssen wie in der Schlange vor der Supermarktkasse. Gesche Clasen (Querflöte, Violine): „Wieso komme ich mir vor wie auf einer Wahlveranstaltung? Lars Jensen grinst vieldeutig und raunt: „Kanzlerin!“

Mit Markus Zell am filigranen Cocktail-Schlagzeug, Bert Ritscher am Akkordeon, Roland Schneider an der Gitarre und Ebby Gerdau am Bass hat sich eine Truppe gefunden, die professionell auf den Punkt harmoniert. Das kann man vom Mikrofon nicht sagen, das die Geigerin gleich am Anfang mal kurz im Stich lässt und Jensen erneut Gelegenheit gibt, sich vorlaut einzuschalten: „Ja, das war ein schönes Konzert.“ Die Antwort aus dem Publikum folgt auf dem Fuße. „Zugabe!“

Die Musiker auf der Bühne spielen einen großartigen Song nach dem anderen, huldigen dem Schotten mit Wohnsitz in Irland, Mike Scott (Waterboys), der den „Fisherman’s Blues“ zur Nationalhymne hochstilisiert hat. Nach einem mitreißenden ersten Set läutet Jensen die Pause ein: „Dann könnt ihr euch gleich alle einen Pinsel kaufen. Guckt euch doch mal um, wo ihr seid: Im Pinselladen.“ Recht hat er. In einem Laden mit Künstlerbedarf, original französischem Brot, Bio-Tees und einer tollen Nachbarschaft: Für die Low-Profit-Kultursonnabende bezieht der Spieker unkompliziert und auf Abruf Getränke und Wurst vom benachbarten Biomarkt und vom Bio-Schlachter. Danach ging die musikalische Unterhaltung weiter an diesem Abend.

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erstellt am 11.Feb.2014 | 08:00 Uhr

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