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Wilhelm-Lehmann-Tage 2015 : Wortkünstler und Lehmanns Naturlyrik

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Wilhelm-Lehmann-Tage 2015 stehen ganz im Zeichen der Lehmann-Preisträger Jan Wagner und Nico Bleutge und ihrer beiden Kolleginnen.

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erstellt am 28.Apr.2015 | 06:49 Uhr

Eckernförde | Der nächste, immerhin mit 10  000 Euro dotierte, Wilhelm-Lehmann-Preis der Stadt Eckernförde wird in diesem Jahr zwar nicht verliehen, sondern erst 2016, der großen Bedeutung der Wilhelm-Lehmann-Tage 2015 wird das allerdings keinen Abbruch tun. Denn am 8. und 9. Mai hat sich unter dem Titel „Kunst des Gedichts“ ein hochkarätiges Lyrik-Quartett aus Berlin angesagt. Die Lehmann-Preisträger Jan Wagner (2009) und Nico Bleutge (2009) werden kommen und ihre beiden Kolleginnen Ulrike Almut Sandig und Kerstin Preiwuß mit nach Eckernförde bringen, um gleich zwei Mal groß in Erscheinung zu treten. Wilhelm Lehmanns Ideen zur „Kunst des Gedichts“ bilden den Ausgangspunkt: Was ist ein gutes Gedicht? Wie schreibt man es? Ob und wie die Thesen Lehmanns heute noch Gültigkeit besitzen, erörtern Jan Wagner, der diesjährige Leipziger Buchpreisträger, Nico Bleutge, Ulrike Almut Sandig und Kerstin Preiwuß im Gespräch und lesen aus ihren Werken: Am Freitag, 8. Mai, um 19 Uhr im Ratssaal bei der Lesung „2 mal 2 – das lyrische Quartett“ und am Sonnabend, 9. Mai, um 10 Uhr an gleicher Stelle bei der Gesprächsrunde „Kunst des Gedichts: Sind dichterische Maßstäbe noch – oder wieder zeitgemäß?“ Die Lesung wird moderiert von der bekannten Cismarer Lyrikerin Doris Runde, das Werkstattgespräch über die Kunst des Dichtens und deren Bedeutung in Literatur und Gesellschaft von der Vorsitzenden der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft, Beate Kennedy, und dem Lehmann-Experten Wolfgang Menzel. Ein hochkarätiges Programm, in dem natürlich auch Leben und Werk des Eckernförder Schriftstellers und Naturlyrikers Wilhelm Lehmann (1882-1968) nicht zu kurz kommen werden.

„Das ist etwas Einmaliges für Eckernförde“, freute sich Beate Kennedy auf die Lesung und das Werkstattgespräch mit den aufstrebenden Autoren. Die Veranstaltungen versprechen Lyrik und Literaturexkurse auf hohem Niveau. Kennedy ist überzeugt, dass die Geschichten der Lehmann-Preisträger Jan Wagner (1971 in Hamburg geboren), Dauergast auf den Spiegel-Bestsellerlisten, und Nico Bleutge (1972 in München geboren), „in zehn Jahren Gegenstand des Zentralabiturs“ sein werden. Die Jury der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft hat mit der Auszeichnung dieser beiden Lyriker in den Jahren 2009 und 2012 ein feines Gespür für Qualität und Perspektiven gehabt. Dass sie nun an die Stätte ihres Erfolgs zurückkehren und noch dazu zwei sehr interessante Kolleginnen mitbringen, ist nicht zuletzt ein großer Vertrauensbeweis für die Eckernförder Veranstalter, die wissen, dass sie eine hochkarätige Veranstaltung in Arbeit haben.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Qualität und Kreativität der Lyriker und das große lyrische und literarische Erbe eines Wilhelm Lehmanns gibt die Ausstellung „Musenküsse“, die vom 28. April bis 18. Mai in der Bürgerhalle des Eckernförder Rathaus zu sehen ist. Wagner, Bleutge, Sandig und Preiwuß haben ihre Werke sowie Manuskripte, Erstdrucke, Sekundärliteratur und Arbeitsmaterialien nach Eckernförde geschickt. Das Publikum erhält Einblicke in bislang nirgendwo gezeigte persönliche Artefakte und Quellen der Inspiration. So zeigt etwa der Manuskriptauszug zu dem Gedicht „karbid“ die „schichtende“ Arbeitsweise Bleutges, gibt es zwei vom Dichter bearbeitete Kopien zu Seiten aus Walter Kempowskis Roman Echolot und das Libretto zur Oper „Wasser“ – in passender Begleitung kommen zwei Meeresschnecken einher. Jan Wagner gibt Notizhefte und Originaldrucke seines in Leipzig preisgekrönten Gedichtbandes „Regentonnenvariationen“ hinzu, neben Erstdrucken und bibliophilen Sonderausgaben seiner Bücher. Ulrike Almut Sandig, derzeit auf Lesereise in Kiew, hat ein eigenes Buch mit Sprechmarkierungen und ihr „augenpost“-Postkartenset geschickt, ergänzt durch Sabine Goldes Kunstdruck zu ihrem Varèse- Minizyklus. Einen Einblick in Kerstin Preiwuß’ Schaffen bieten Exemplare ihrer Gedichtbände „Nachricht von neuen Sternen“ und „Rede“, der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in die Liste der Lyrikempfehlungen des Jahres 2012 aufgenommen wurde, Hefte der von ihr herausgegebenen Literaturzeitschrift Edit sowie ihr aktueller Roman „Restwärme“. Aber auch die Vorlage für ein Gedicht, das sie aus drei Briefen Emily Dickinsons zusammengesetzt hat, samt ihrer Streichungen wird zu besichtigen sein. Im Blickpunkt stehen darüber hinaus die Werke Wilhelm Lehmanns (siehe Gedicht „Letzte Tage“), die auch von den Preisträgern Wagner und Bleutge sehr geschätzt werden.

Das Publikum der Wilhelm-Lehmann-Tage 2015 ist eingeladen, sich mit dem Besuch der Ausstellung auf die beiden spannenden Wilhelm-Lehmann-Tage am 8. und 9. Mai einzustimmen. Die Selbstreflexionen und der Austausch der Autoren unter Berücksichtigung der Lehmannschen Dichtkunst und die Diskussionen mit den Besuchern versprechen besondere Momente für alle Teilnehmer.

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