zur Navigation springen

Modulbau : Wohnungsnot: Container für Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Altenholz sieht keine andere Lösung als Modulbauten, um zugewiesene Asylbewerber unterzubringen / Einstellung einer Fachkraft für Integration wird geprüft

von
erstellt am 05.Mär.2015 | 06:00 Uhr

Altenholz | Der Gemeinde fällt es zunehmend schwerer, Wohnraum für die ihr zugewiesenen Flüchtlinge zu finden. Weil zu den bereits aufgenommenen 60 Personen in diesem Jahr mindestens 40 weitere dazu kommen werden, sieht die Verwaltung keine andere Lösung, als Wohncontainer aufzustellen. Als Standort ist die Fläche neben dem so genannten Clippersportplatz am Ende der Danziger Straße vorgesehen.

Die jüngst von der Gemeinde erworbene Wohnung in der Klausdorfer Straße ist hergerichtet und mit acht Männern belegt. Vier weitere Wohnungen konnten in den Häusern Danziger Straße 13 und 15 angemietet werden, nachdem die Blöcke den Besitzer gewechselt hatten. Auch eine Pension helfe bereits mit Zimmern aus. „Doch das wird nicht ausreichend sein bis Ende des Jahres“, machte Bürgermeister Carlo Ehrich deutlich. „Wir versuchen händeringend, auf dem öffentlichen Wohnungsmarkt Wohnungen anzumieten. Aber das wird zunehmend schwieriger“, sagte Ehrich weiter. Er sehe keine andere Möglichkeit als eine Wohncontaineranlage in Modulbauweise, in der etwa 30 Personen unterkommen könnten. Nach einem Besuch der DRK-Kita in Dänischenhagen, die um solche Module erweitert wurde, ist Ehrich zu der Überzeugung gelangt, dass man diese Räume so einrichten kann, dass sie einen menschenwürdigen Wohnraum bieten. Als einzig geeignete Fläche sieht der Verwaltungschef das Grundstück am Ende der Danziger Straße. Es gehört der Gemeinde und kann problemlos an die Ver- und Entsorgungsleitungen angeschlossen werden. Die Kosten für die Container, die maximal fünf Jahre dort stehen dürfen, werden der Gemeinde nach dem Asylbewerberleistungsgesetz vom Bund erstattet. Einen weiteren Vorteil des Grundstücks sieht Ehrich in der Nähe zum Gymnasium mit seiner Sozial-AG, die die bereits geleistete ehrenamtliche Betreuungsarbeit ergänzen könnte.

CDU-Fraktionschef Jürgen Schlüter erinnerte an die wünschenswerte zweite Ausfahrt für Stift, die man sich weder mit den Mobilbauten, noch mit einem Gebäude für sozialen Wohnungsbau, wie es die Verwaltung in Erwägung zieht, verbauen dürfe. Peter Heinz (AWG) störte sich daran, dass die Entscheidung für den Standort bereits getroffen wurde und es keine Abwägung in der Öffentlichkeit gegeben hat. „Die Bürger brauchen Transparenz, welche Standorte warum nicht in Frage kommen“, machte Heinz deutlich. Helge Carstensen (SPD) pflichtete ihm bei: „Die Ergebnisse der weiteren Planung müssen in einer Bürgerbeteiligung diskutiert werden. Wir brauchen hier kein zweites Escheburg.“ Er stehe zu dem Standort und könne ihn voll unterstützen, merkte Thorsten Schlünß (SPD) an. „Aber ich würde ihn gern begrenzt wissen, um keinen Hot Spot zu schaffen. Wir wollen die Menschen hier integrieren“, so Schlünß.

Die Ausschussmitglieder sprachen sich schließlich einstimmig dafür aus, den von der Verwaltung skizzierten Weg zu verfolgen. Hans-Werner Suhr (AWG) mahnte, sich nicht allein auf die Wohnungsbeschaffung zu konzentrieren. Eine sprachliche Betreuung sei enorm wichtig, denn die Menschen hätten überhaupt keine Möglichkeit sich zu artikulieren. Sprachkurse stünden ihnen erst viel später zu, gab Suhr zu bedenken, der selbst mit seiner Frau eine Patenschaft für eine asylsuchende Familie übernommen hat. Wenn sich mehr Menschen fänden, die ein bis zwei Mal in der Woche bereit wären, Hilfe anzubieten, fänden sich die Flüchtlinge besser im Alltag zurecht. Von offizieller Seite könne das nicht geleistet werden, sagte Suhr. Bürgermeister Ehrich signalisierte, diesen Aspekt aufzunehmen und beim geplanten Abend zur Willkommenskultur am 26. März mit anzusprechen.

Um die Flüchtlinge, aber auch die Verwaltungsmitarbeiter und die ehrenamtlichen Helfer im Freundeskreis Asyl zu unterstützen, regte Dirk Ryll (FDP) an, gemeinsam mit dem Amt Dänischenhagen eine Fachkraft für Betreuung und Integration einzustellen. Da die benachbarte Verwaltung mit Dr. Erwin Jordan bereits jemanden mit der Koordination der Flüchtlingshilfe beauftragt hat, sah Bürgermeister Ehrich wenig Aussicht auf Erfolg einer Kooperation in diesem Bereich. „Auf lange Sicht kommen wir nicht umhin, so jemanden einzustellen“, stellte Suhr fest. Die Ausschussmitglieder beauftragten die Verwaltung, ein Qualifikationsprofil für eine solche Stelle zu erstellen und die Kosten zu ermitteln. Eine Kooperation mit benachbarten Verwaltungen soll außerdem geprüft werden.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen