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Wohnprojekt Pferdemarkt-Quartier : Wohnen als Gemeinschaft

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das generationenübergreifende Wohnprojekt Pferdemarkt-Quartier wächst: Ein Neubau für mehrere Wohnungen ist geplant.

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2017 | 05:47 Uhr

Eckernförde | Es war ein einstöckiges Steinhaus am Ende des Pferdemarktes: das „Cholerahaus“. Der unscheinbare Bau hinter dem langgezogenen grauen Mehrfamilienhaus am Ende des Pferdemarkts wurde Ende des 19. Jahrhunderts errichtet, um eventuelle Cholerakranke zu isolieren. 1892 war die Seuche in Hamburg ausgebrochen und man befürchtete eine Ausbreitung in den ländlichen Raum. Aber nur zwei Seeleute im Eckernförder Hafen standen unter Krankheitsverdacht, der sich als Irrtum erwies. Das Gebäude wurde schließlich vom Guttempler-Orden und nach dem Krieg als Flüchtlingsunterkunft genutzt, bis sich zwei städtische Angestellte darin Wohnungen einrichteten. Über 120 Jahre stand das Haus – jetzt ist es Geschichte. An seiner Stelle soll ein Neubau mit mehreren Wohnungen entstehen.

Doch kein Investor will hier bauen, sondern das „Wohnprojekt Pferdemarkt-Quartier“. Den Mitgliedern geht es nicht in erster Linie um günstiges Wohnen, sondern um das Bilden einer Gemeinschaft, die generationenübergreifend, sozial und ökologisch handelt, eine lebendige Nachbarschaft pflegt und sich gegenseitig unterstützt. Bislang sind 15 Erwachsene und fünf Kinder beteiligt, die zum Teil auch schon am Pferdemarkt wohnen. Sie suchen noch neue Mitstreiter, die in die Gemeinschaft passen – um eine gute Durchmischung zu erreichen, sind besonders jüngere Mitbewohner mit Kindern gesucht.

„Wir haben im Dezember 2011 begonnen“, erklärt Birgitta Reimers, Mitbegründerin des „Wohnprojekts Pferdemarkt-Quartier“. Damals hatte eine Gemeinschaft von sechs Leuten das städtische Gebäude vor dem Aufgang zur ehemaligen Kleinbahntrasse am Pferdemarkt gekauft. In den sechs Wohnscheiben lebten ausschließlich ehemalige städtische Angestellte. Sie erhielten die Zusage auf lebenslanges Wohnrecht, mittlerweile sind schon einige von ihnen in Pflegeeinrichtungen und einige der neuen Eigentümer eingezogen. Jede frei gewordene Wohnung wurde renoviert, eine Wohnung wurde zu einer Gemeinschaftswohnung und Besucherunterkunft umfunktioniert.

Zurzeit kann noch eine der 62 bis 68 Quadratmeter großen Wohnungen im Altbau erworben werden, „mittelfristig werden noch zwei weitere frei“, so Birgitta Reimers. Doch so einfach ist der Erwerb nicht: „Unser Ziel ist es, eine verantwortungsbewusste, engagierte und fröhliche Gemeinschaft von Nachbarn aufzubauen und damit Anonymität in der Nachbarschaft gar nicht erst aufkommen zu lassen.“ Wer also nur eine Wohnung kaufen und dort vor sich hinleben möchte, ist fehl am Platze. Deshalb gibt es für Bewerber eine längere Kennenlernphase mit monatlichen Treffen. Bis eine Entscheidung fällt, ob jemand in die Eigentümergemeinschaft aufgenommen wird, kann einige Zeit vergehen.

Das Projekt soll derweil wachsen: Auf dem 5000 Quadratmeter großen Gartengrundstück – dort, wo das ehemalige Cholera-Haus und ein weiterer Schuppen standen – soll ein Neubau entstehen. Es wird zwei Stockwerke und ein Staffelgeschoss haben, es gibt Baurecht für bis zu 14 Wohnungen – so viele werden es aber wohl nicht werden. Denn von den 800 Quadratmetern Wohnfläche sind etwa 60 Prozent schon an vier Bauparteien vergeben. Noch sind zwei bis drei Wohnungen (je nach Größe) zu haben, die Grundrisse können noch mitgestaltet werden.

Der Neubau soll bis Ende 2019 fertig sein. Er wird in U-Form gebaut und die offene Seite zum Altbau ausgerichtet. Birgitta Reimers: „Es soll eine kommunikative Architektur sein, damit sich die Bewohner in der Mitte treffen können.“ Auch Gemeinschaftseinrichtungen sind geplant.

Interessenten gibt es aus dem gesamten Bundesgebiet, vier Wohnparteien wachsen zurzeit langsam in die bestehenden Struktur hinein. Birgitta Reimers: „Das Planen und Aufbauen eines Wohnprojekts und auch das Leben im Wohnprojekt erfordern die Bereitschaft, sich mit anderen abzustimmen, bei unterschiedlichen Interessen kompromiss- und konfliktbereit zu sein und gemeinsam Lösungen zu finden. Eigeninitiative ist genauso gefragt wie Teamgeist und die Bereitschaft, Aufgaben zu übernehmen.“

> Das nächste Interessententreffen findet am Sonntag, 12. November, am Pferdemarkt 56 um 17.30 Uhr statt. Weitere Infos: wwww.wohnprojekt-pferdemarkt.de


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