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Wohlfühlatmosphäre auf dem alten Mühlengelände

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Umzüge sind nichts Ungewöhnliches für mich. Ein Umzug aber vom äußersten Westen des Rheinlandes an die Ostseeküste nach Eckernförde war bei Licht betrachtet in meinem hohen Alter ziemlich verrückt. Ich hatte alles, was ich brauchte, es gab nichts auszusetzen, und dennoch: eine geheimnisvolle Macht zog mich hierher. Und ich fand gegen alle Erwartung eine wunderbare Wohnung auf dem ehemaligen Mühlengelände zwischen Saxtorfer Weg und Riesebyer Straße.

Die Bewohner empfinden eine schlüssige Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sie haben das Alte gegen das Licht gehalten und gesehen, dass es noch lebt. Beispiele dafür gibt es viele. Da ist die liebevoll renovierte Giebelfront des Wohnhauses zum Hof mit den Getreideluken zum großen Speicher für die landwirtschaftlichen Produkte, dem Aufzug und den wunderschönen alten Giebelfenstern, der Hof selbst mit seinen rundköpfigen Pflastersteinen und den eingelassenen Mühlsteinen aus der Vergangenheit.

Ein weiteres Beispiel ist die Eingangsdiele des Wohnhauses. Sie ist mit großen dunklen Steinplatten ausgelegt. Jede einzelne Platte zeigt unterschiedliche, unübersehbare Spuren der Vergangenheit. Sie bilden ein lebendiges Ensemble, das an Kirchenböden erinnert. Man kann von der Vergangenheit träumen, welche Menschen mit welchen Absichten und Idealen über diesen Boden gegangen sind, wie sie ihn wahrgenommen, geliebt und genutzt haben. Heute sicher ganz anders als damals, als das Haus noch das Zentrum des landwirtschaftlichen Unternehmens Bruhn war. Jetzt steht dort ein Ehrfurcht gebietender Schimmel-Flügel, als wäre der Raum nie für etwas anderes gebaut worden. Neben den Gebäuden gibt es den großen Garten mit seinen Obstbäumen und -büschen. Er wächst seit Jahrhunderten und bietet den Kindern Platz für Spielgeräte und Abenteuerspiele. Außerdem sind die kleineren Gärten mit ihren teils skurrilen Pflanzen, aber auch immer wieder überwältigend blühenden Bäumen und Sträuchern eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die früheren Bewohner haben überall Spuren hinterlassen. Man kann in Gedanken mit ihnen reden, als säßen sie als kleine Kobolde irgendwo unter einem Dach oder auf einem Baum und freuten sich darüber, wie respekt- und liebevoll wir Lebenden mit dem, was sie geschaffen haben, umgehen. Vielleicht sind sie die geheimnisvolle Macht, die mich nach Eckernförde gezogen hat. Mir erscheint mein Umzug jetzt überhaupt nicht mehr verrückt, denn diese Oase ziemlich mitten in der Stadt nimmt mich gefangen und bereichert mein Leben.

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erstellt am 07.Aug.2014 | 16:55 Uhr

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