Kochduell : Wohlder Himbeertraum trifft den Geschmack

Eine derartige Flamme, von Michael Stöcken mithilfe von Sambucca inszeniert, ist nicht unbedingt für das Gelingen der Champions notwendig. Moritz Graf zu Reventlow (l.) schaut entsprechend skeptisch zu.
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Eine derartige Flamme, von Michael Stöcken mithilfe von Sambucca inszeniert, ist nicht unbedingt für das Gelingen der Champions notwendig. Moritz Graf zu Reventlow (l.) schaut entsprechend skeptisch zu.

Burkhard von Langendorff von Gut Hohenhain gewinnt vor Moritz Graf zu Reventlow von Gut Wulfshagen. Nächstes Duell findet am 26. März in Ascheffel statt.

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21. Februar 2018, 05:21 Uhr

Gettorf | Einen Schluck echtes Urstrombier als Aperitif, hergestellt mit Gerste vom Anbau auf eigenem Land – zum Auftakt der Kochduellserie 2018 im Ristorante „La Piazza“ am Sportpark gab es sowohl für die Gäste als auch die Köche und das Service-Team etwas Besonderes. Burkhard von Langendorff (61) von Gut Hohenhain (Schwedeneck), der gegen Moritz Graf zu Reventlow von Gut Wulfshagen (Tüttendorf) kochte, brachte zum Anstoßen das Biobier mit. Auswirkungen auf seinen späteren Sieg hatte es nicht, da die Gäste wie immer die Gerichte ohne Kenntnis des Kochenden bewerteten. Zum neunten Mal in 13 Jahren wurde das Kochduell von EZ und Küchenmeister Michael Stöcken (41) ausgetragen. Sechs Herren waren in der Küche von Ristorante-Inhaber Erdagon Martinovic (27) unterwegs – konnte das gutgehen? Es konnte.

Es ist 17.30 Uhr, als Burkhard von Langendorff mit Unterstützung des Profikochs Merlin Hundertmark ( Koch in Karlsminde bei Stöcken) die Joghurtsahne für sein Dessert „Wohlder Himbeertraum“ rührt. Der Gutbesitzer von Gut Hohenhain gesteht: „Ich bin leicht nervös, vor allem, weil so viele Gäste da sind.“ Im Vergleich zu seinem Kontrahenten gehört das Kochen nicht zu seinen großen Stärken. Moritz Graf zu Reventlow (47) kocht und backt gern. Gerichte für 18 Personen zu kochen stellen für den 47-Jährigen kein Problem dar. Auch die Torten für das gutsangehörige Café Alte Schule kreiert er selbst. Seine Vorspeise „Feld und Wald“, Carpaccio vom Damwildrücken, und seine Hauptspeise „Rotes Meer“, Fischgulasch mit frischem Seeteufel und Kartoffeln, hat er ohne Hilfe von Küpchenmeister Stöcken entworfen. So gerät das Abschmecken der Tomatensauce für das Fischgulasch zum Fachgespräch zwischen dem Grafen und dem Küchenmeister. Ansonsten wirkt er tiefenentspannt.

Nicht so sein Herausforderer: von Langendorffs Rezept für den Hauptgang, Tafelspitz auf Spitzkohl mit Rosmarinkartoffeln („Wohlder Küstenkracher“), verlangt frisch geriebenen Meerrettich. „Meerrettich zu reiben ist viel schlimmer als Zwiebeln zu schneiden“, warnt Stöcken. Es ist 18.15 Uhr, als der Gutsbesitzer mit der Arbeit beginnt – die Augen tränen. Bange Frage: Wann kommen die Gäste? Um 19 Uhr, spätestens um 19.30 Uhr soll die Vorspeise raus. Diese wird ganz in Ruhe im Festsaal von Graf zu Reventlow mithilfe von Küchenchef Martinovic auf den Tellern angerichtet. Von Hektik ist gar nichts zu spüren. Skerdinant Coniku, Koch im „La Piazza“, unterstützt jeden, der Italiener ist die Ruhe selbst.

Es ist 18.50 Uhr, als die ersten Gäste kommen. Angereist aus Eckernförde, Kiel, Großkönigsförde, Holtsee, Felm, Osdorf und aus Gettorf selbst nehmen 21 Gäste an einem liebevoll eingedeckten Tisch Platz. Plötzlich die Frage in der Küche: Wo soll angerichtet werden? Welche Flächen eignen sich am besten? Pastateller für das Fischgulasch? Stöcken erklärt jeden Handgriff für die beiden Hauptgänge, denn Vorspeise und Dessert warten bereits fertig im Festsaal beziehungsweise Kühlschrank auf ihren Verzehr. „Fisch muss vor Fleisch – das ist so“, sagt Graf zu Reventlow. Eine leichte Anspannung, „die gehört dazu“, ist bei ihm nun doch zu spüren. Nach der Begrüßung der Gäste gehen seine Gerichte zuerst raus. Erleichterung – jeder Teller kommt leer zurück. Das Service-Team, Senada Martinovic, Elida Heco und Lena Schulze, tragen den Tafelspitz seines Kontrahenten hinaus. Erst viel später, als die Köche und das Team selbst essen, bemerkt von Langendorff, dass der Meerrettich, den er unter großer Anstrengung gerieben hat, vergessen wurde. Während die Veranstalter die Punktezettel auswerten, stehen die beiden Köche für Gespräche mit den Gästen bereit und sammeln Spenden für einen guten Zweck: von Langendorff für den Hospizverein Dänischer Wohld, Graf von Reventlow für die Kita in Blickstedt. Die Atmosphäre ist entspannt, als von Langendorff als Gewinner bekannt gegeben wird. Gewonnen haben eigentlich alle: die Köche, das Restaurant, die Gäste, die ein höchst individuell zusammengestelltes Menü in anregender Gesellschaft essen durften. Ob von Langendorff am 26. März am Finale teilnimmt, ist noch offen. Denn die Kochduelle in Ascheffel (26. 2), Eckernförde (7. 3), Karlsminde (12. 3) und im EMTV-Heim (19. 3) stehen noch aus.

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