An- und Verkauf : Wo Gebrauchtes neu geboren wird

Technik ist das Steckenpferd von Gunther Bilz.
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Technik ist das Steckenpferd von Gunther Bilz.

Gunther Bilz führt seit 20 Jahren seinen An- und Verkauf vom antiken Teddy bis zur Spielekonsole. Der Spezialist für Technik, Schallplatten und Geigen bringt Altes wieder auf Vordermann.

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05. Dezember 2014, 06:49 Uhr

Hörspielkassetten, E-Gitarren und Stereoanlagen – Gunther Bilz hat sie alle. Seit 20 Jahren betreibt er sein An- und Verkaufsgeschäft in Eckernförde, bis vor kurzem gegenüber der Stadtbücherei am Exer, seit wenigen Tagen am Rathausmarkt / Ecke Gartenstraße.

„Schon als Junge bin ich auf Flohmärkte gegangen, habe mit 14 Jahren meine erste Stereoanlage ge- und wieder verkauft“, sagt der 50-Jährige mit dem jugendlichen Lächeln. Sein Traum war schon recht früh ein rein technischer An- und Verkauf, doch daraus ist nichts geworden: Seit er im Oktober 1994 den Trödelladen von zwei Freunden übernahm, ist die Technik zwar sein Steckenpferd, macht aber nur einen Teil seiner Angebotspalette aus.

Klassiker sind dabei, wie alte Uhren und Radios, Schallplatten, Puppen und Schränke. Einmal hatte er ein Tellurium – ein mechanisches Metall-Sonnensystem aus der Zeit der Jahrhundertwende – im Angebot, ein anderes Mal stand ein Motorrad – eine Suzuki aus den 70er Jahren – in seinem Laden. Aber auch Sammler können bei ihm Glück haben. „Es gibt für alles einen Sammler“, weiß Gunther Bilz, zum Beispiel für Knöpfe, Notgeld, Feuerwehrhelme oder Schiffspost. „Es gibt auch Menschen, die die Tüten von Geigensaiten sammeln oder die Zettel, die beim Bau der Geigen in den Korpus geklebt werden.“

Geigen hat er viele. „Das ist neben Plattenspielern und Stereoanlagen meine andere Sammelleidenschaft. Ein Ausgleich zum Löten an kleinteiligen technischen Details.“ Mit 30 kaufte er seine erste Geige auf einem Flohmarkt. 35 Mark hat er damals bezahlt. Er fand heraus, dass es sich um eine Meistergeige von 1830 handelte, die er nach einer Reparatur für 300 Euro wieder verkaufen konnte. Da fing er Feuer. Mittlerweile kann er Geigen selbst reparieren, ist ein Kenner geworden. Selber spielen kann er aber nur 16 Töne. „Auf jeder Seite vier. Und drei Lieder. Richtig schön hört sich das aber nicht an.“

Apropos reparieren: Gunther Binz kann alles reparieren, ob Gitarren, Handys oder Fernseher. Acht Semester Elektrotechnik hat er studiert, die zahlen sich aus.

Woher er seine Ware bekommt? Vieles findet er auf Flohmärkten, anderes stammt aus Erbschaften. Grundsätzlich nimmt Gunther Bilz alles, was sich auch gut verkaufen lässt. Das schließt Bücher mittlerweile fast aus. „Als ich meinen Laden am Exer geräumt habe, habe ich eine Tonne Bücher weggeworfen.“ Nur aktuelle und antike Bücher sowie Comics verkaufen sich wirklich. Außer für Militaria ist Bilz mittlerweile auf fast allen Gebieten ein Fachmann.

Auch im Erkennen von Hehlerware: „Wenn mir etwas komisch vorkommt, will ich es gar nicht haben.“ Im Gegenteil: Bilz arbeitet gut mit der Polizei zusammen, die ihn manchmal darauf aufmerksam macht, wenn mal wieder von einem Einbruch Diebesgut auftauchen könnte. „Ich habe schon mehrere Male vor Gericht als Zeuge ausgesagt“, so Bilz, „die Schattenseite dieses Berufs“. Auch die 300 Ladendiebstähle und sechs Einbrüche in 20 Jahren waren nicht schön.

Seine Kunden sind durchweg zufrieden. „Wenn ich mal ne technische Frage habe – Herr Bilz weiß das“, sagt zum Beispiel Werner Tippel, der unter anderem einen Laptop bei ihm gekauft hat. Und auch Frank und Anke Böhrensen schwören auf den Trödelhändler. „Vor zehn Jahren habe ich einen Bildschirm hier gekauft, und er funktioniert immer noch“, sag Anke Böhrensen. „Wir gehen hier immer zufrieden raus.“

>An- und Verkauf Gunther Bilz, Rathausmarkt/ Ecke Gartenstraße, Öffnungszeiten Mo, Di, Do, Fr 10-18 Uhr, Mi und Sa 10-13 Uhr

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