Eckernförder Stadtgeschichte : Wo einst die Bürgermeister wohnten

<dick>Die 'Orangerie' </dick>mit alter Holzvertäfelung, Verzierungen und gemusterter Stuckdecke.
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Die "Orangerie" mit alter Holzvertäfelung, Verzierungen und gemusterter Stuckdecke.

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06. Oktober 2010, 07:25 Uhr

Eckernförde | Das ehemalige "Kontorhaus" in der Frau-Clara-Straße - jetzt "Papillon" - gehört seit fast 300 Jahren zum Stadtbild. Die Stadtführerin Cäcilie Dronske hat die Geschichte des Hauses mit dem Baujahr 1737 niedergeschrieben.

Vermutlich war das Gebäude Eigentum der Stadt und auf die Bedürfnisse des Bürgermeisters Detlef Julius Thamm zugeschnitten, der in dem Neubau seit 1737 Wohnrecht hatte. Thamm war Kaufmann, Reeder, Konsul und Postmeister: Die großen Türen passten für die Durchfahrt der Postkutschen, ein erhöhter Sockel in der Durchfahrt erleichterte das Aussteigen der Fahrgäste, die in die Gasträume gingen. Pferde und Kutsche wurden im Stall auf dem Hof untergebracht.

Nach dem Tode Thamms 1756 wurde Thomas Hinrich Classen, Sohn des Borbyer Pastors, Bürgermeister. Er zog mit Ehefrau, fünf Kindern und fünf Bediensteten in das Haus. Nach seinem Tod 1786 hat kein Bürgermeister das Kontorhaus langjährig bewohnt, was auch daran liegen mag, dass ab 1797 der Bürgermeister kein freies Wohnrecht mehr hatte.

Mit Nicolai Grüning zog 1803 ein Kaufmann und Bierbrauer in das Haus - der erste, der eine Gastwirtschaft betrieb. Danach wechselten die Bewohner und Nutzer häufig. Genannt wurden in Haussteuer-Registern F. F. Streckenbach, C. J. Fr. Lau, C. L. Langheim, Baron von Ilersen und der Amtmann Baron von Reefsen. Die beiden letzteren scheinen Beamte des Gottorfer Hofes gewesen zu sein.

1859 kaufte der Karbyer Kornkaufmann Detlef Peter Bruhn das Hafengrundstück mit Wohnhaus (acht Stuben, Küche, Keller, Vorratsraum, Roll- und Plättstube) sowie das Stallgebäude, Remise, Geschirrkammer, Hofplatz und Garten mit Gartenhaus von der Stadt. Hier gründete er die Firma D. P. Bruhn, die er 1868 seinem ältesten Sohn Johann Behrend übergab. Dieser ließ das Haus zu einem stattlichen Kontor- und Wohnhaus erneuern. Aus dieser Zeit stammen auch die Holzvertäfelungen mit aufwändigen Verzierungen.

Nach dem Besitzerwechsel in der Kornfirma "D. P. Bruhn", der Übernahme durch die nachfolgende Firma von Peter Kruse und dem Zusammenschluss zur Getreide AG wurde das Kontorhaus wieder in ein Restaurant umfunktioniert und ab Februar 1992 von den Eheleuten Dragutin und Slavica Bartas bewirtschaftet und bewohnt. 2004 folgten als Pächter des Restaurants Stefani Fuge und ab Oktober 2009 Jörg Fabritz. Nach einer umfänglichen Renovierung in Abstimmung mit dem Denkmalschutz haben am 12. September Herbert Schremer und Kathrin Fischer, ehemalige Betreiber des Fischhuus, die Gastwirtschaft unter dem Namen "Papillon" neu eröffnet.

Spuren der Geschichte hat Cäcilie Dronske im Keller gefunden: Der zunächst mit Feldsteinen als Kriechkeller konzipierte Keller wurde später ausgeschachtet und mit stützenden Ziegelsteinen begehbar gemacht. Hier wurde einst die Küche untergebracht. Noch heute sind Kacheln mit der Aufschrift "Eigener Herd ist Goldes wert" an der Wand befestigt.

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