Wo ein Strich mehr ist als nur Farbe

Jutta Dohrn erhielt Tipps von Limin Zhu für das richtige Zeichnen des senkrechten Prinzipstrichs „Shu“.
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Jutta Dohrn erhielt Tipps von Limin Zhu für das richtige Zeichnen des senkrechten Prinzipstrichs „Shu“.

Über 20 Teilnehmer beim neuen Kalligrafie-Kurs

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29. Januar 2015, 14:16 Uhr

Für den ungeschulten Blick sind es nur Striche, aber die haben es in sich: „Erst aufsetzen, kurz Druck ausüben, waagerecht rüberziehen, wieder Druck ausüben und kurz zurückziehen.“ Die ersten Anweisungen im neuen Kalligraphie-Kurs des Baltic Sea International Campus (BSIC) klingen einfach, doch ihre Befolgung ist schwierig.

Über 20 Teilnehmer zwischen 11 und 76 Jahren haben sich für den Kurs der chinesischen Studentinnen Limin Zhu und Lingying Zhang in der Galerie 66 entschieden. Sie wollen sich mit der Kalligraphie, der chinesischen Schönschreibekunst – der ostasiatischen Kultur nähern. Die meisten von ihnen besuchen auch den kostenlosen Sprachkurs direkt im Anschluss. Die Teilnahme geschieht größtenteils aus reinem Interesse. So wie bei Karin Bartz aus Eckernförde. Sie hat sich schon mit verschiedenen Ländern auseinandergesetzt – jetzt ist China dran. Claus Claussen aus Kappeln dagegen befasst sich schon lange mit der östlichen Kultur und Meditation. Und die Kalligrafie ist auch eine Form davon.

Doch so leicht, wie man denkt, ist es nicht, einen der vier „Prinzipstriche“ mit dem Pinsel zu zeichnen. Europäer sind es gewohnt, aus dem Handgelenk zu malen und zu schreiben, nicht aus dem Arm wie die Chinesen. „Ich halte richtig die Luft an, wenn ich hier einen Strich mache“, sagt die Zeichenlehrerin Jutta Dohrn. Für sie ist diese Erfahrung neu. „Der japanische Maler Hokusai hat gesagt: Ich möchte so lange zeichnen, bis ich gelernt habe, einen Punkt richtig zu zeichnen“, sagt sie. „Und so lange mache ich das jetzt auch.“ Die Geduld hat sich gelohnt: Am Ende konnte sie schon die Zahlen 1,2 und 3 auf Chinesisch zeichnen.

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