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So viele menschen locken die Veranstaltungen an : Wo die Scharen strömen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Touristik und Marketing GmbH hat erste Zahlen der Frequenzmessung durch Handyerfassung vorgelegt. Persönliche Daten werden nicht erfasst.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 06:21 Uhr

Eckernförde | „Nein, wir lesen keine Handydaten aus.“ Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Eckernförde Touristik und Marketing GmbH (ETMG), wird deutlich, wenn es um das Messen der Besucherströme durch Handyerfassung geht. Seit Dezember vergangenen Jahres hängen an sieben Gebäuden in der Innenstadt kleine graue Kästen, die die Passanten zählen, genauer gesagt: ihre Handys. Die Technik registriert Mobiltelefone, deren W-Lan-Suche eingeschaltet ist. Dabei wird die Handynummer, die sogenannte Mac-Adresse, erfasst, umgehend kodiert und kurz gespeichert. „Es werden keine persönlichen Daten erfasst oder Zugriff auf Fotos, E-Mails oder WhatsApp-Chats genommen“, sagt Borgmann deutlich. „Das interessiert uns gar nicht. Wir wollen nur wissen, wieviele Menschen wann wo entlanglaufen.“ Dafür wird die erhobene Zahl mit dem Faktor 2,3 multipliziert, da nicht jeder Passant ein Mobiltelefon dabei oder seine W-Lan-Funktion eingeschaltet hat.

Anlass für die deutlichen Worte ist ein Zeitungsartikel (siehe EZ vom 17. Oktober), in dem unter anderem ein Politiker im Kreis Pinneberg vor dem „gläsernen Menschen“ warnt. In Pinneberg werden die Kundenströme seit kurzem ähnlich erfasst. Anhand der gesammelten Daten, so der Politiker, könnte überprüft werden, ob Personen sich zu einem Zeitpunkt an einem bestimmten Ort aufgehalten haben. Doch Stefan Borgmann winkt ab: „Wir arbeiten mit der Firma Cross Scan zusammen, die uns vertraglich zugesichert hat, dass die Mac-Adressen anonymisiert, gelöscht und nicht weitergegeben werden.“ Es sei gewährleistet, dass mit diesen Daten nicht missbräuchlich umgegangen wird.

Doch was will Stefan Borgmann mit der Zahl der Fußgänger? Anhand der Passantenzahlen lässt sich belegen, wie viele Menschen durch Fischmärkte, Hafenfeste oder andere Veranstaltungen angelockt werden. „Das sind belastbare Daten, die wir zum Beispiel Schaustellern und Sponsoren vorlegen können“, so Borgmann. Geplant sei es nämlich, künftig weniger, aber dafür hochwertigere Veranstaltungen zu haben. Mit belegbaren Zahlen könne man auch an qualitativ hochwertigere Schausteller herantreten. „Und die Zahlen können bei der Bewertung der Parkplatzsituation herangezogen werden.“

Nach den bislang vorliegenden Zahlen sind in der Kieler Straße an normalen Wochenenden zwischen 55  000 und 85  000 Menschen im Bereich des Tourist-Info-Punktes und 75  000 bis 100  000 Menschen im Bereich der Förde Sparkasse unterwegs – je nach Temperatur und Jahreszeit. Am Hafen sind es 33  000 bis 70  000 Passanten. Ausreißer gibt es an jedem Fischmarktsonntag – er ist ein deutlicher Frequenzbringer. Zu den Hafenfesten wie Sprottentagen und Piratenspektakel kommen insgesamt 165  000 beziehungsweise 185  000 Besucher. „Zieht man die 70  000 Menschen ab, die im Sommer ohnehin an den Wochenenden am Hafen sind, wissen wir jetzt, dass uns für das Piratenspektakel extra 115  000 Menschen besuchen“, so Borgmann. Die Schätzungen lagen bislang bei 150  000 Besuchern. Dafür liegt die Zahl zu Himmelfahrt mit 100  000 Leuten wiederum höher als die bisherige Schätzungen von 60  000 Menschen.

Diese Besucherströme haben Auswirkungen auf die Innenstadt, denn beispielsweise beim Piratenspektakel werden auch hier 185  000 Passanten auf Höhe der Sparkasse und 100  000 Menschen auf Höhe des Info-Punktes gemessen. Das bedeutet eine eindeutige Belebung des Geschäftslebens, auch wenn der letzte Beweis dafür fehlt: „Ob die Leute auch in die Geschäfte gehen, wird nicht erfasst“, so Borgmann. Auch kann nicht erkannt werden, woher die Leute kommen.

Die Zahlen stimmen den ETMG-Chef zufrieden. Sie sollen dem Aufsichtsrat vorgestellt und der Stadtverwaltung mitgeteilt werden. Der Auftrag an das Unternehmen Cross Scan ist um ein Jahr verlängert worden, um die vorliegenden Zahlen in einem zweiten Jahr zu bestätigen. Die Kosten belaufen sich auf 5000 Euro pro Jahr.

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