Wo Carl Lambertz Seele wohnt

<strong>Der Maler</strong>, wie Maria Reese ihn sah. Foto: sopha (3)
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Der Maler, wie Maria Reese ihn sah. Foto: sopha (3)

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31. März 2010, 06:25 Uhr

gross wittensee | Der rote Kater, der durch das lichtdurchflutete Atelier streift, hat ihn noch gekannt: Carl Lambertz, den "Zauberer vom Wittensee". Vor 14 Jahren, am 27. Februar, ist er gestorben. Am 29. März wäre der Maler 100 Jahre alt geworden.

Die hohen, hellen Räume des Hauses mit Blick auf den See atmen noch seinen Geist. Die Wetterfahne im Garten ist eines seiner Objekte. Und auch die Windfahne auf dem Dach des Anbaus stammt von Carl Lambertz. Knarzend dreht sie sich im Frühlingswind. Das Klappern und Knarren ist unter dem Glasdach deutlich zu hören. Hier hat Maria Kindler-Lambertz-Reese mit ihren Gästen Platz genommen.

Sonnensegel verwehren von Innen den Blick auf die Windfahne. Doch in den großen Räumen herrscht kein Mangel an Lambertz-Bildern. Dafür sorgt auch Maria Kindler-Lambertz-Reese. "Das Atelierhaus war sein Lebenstraum", erinnert sie sich. 1949 baute der gebürtige Düsseldorfer das weiße Haus am Wittensee. Sein Atelier in Düsseldorf war ausgebombt; sein Dienst bei der Marine hatte ihn in den Norden verschlagen. "In meiner Einsamkeit am Wittensee male ich Bilder und sehe Dinge, die ich am Niederrhein nicht gemalt und gesehen hätte", erklärte er. Und in seinen "Autobiographischen Skizzen" schreibt er noch vor dem Krieg: "In mir schwoll eine große Sehnsucht, hohe, helle, lichte Landschaften zu malen und darin wegzulaufen."

Am Wittensee hat der Maler 34 Jahre lang bis zu seinem Lebensende gemeinsam mit Maria Kindler-Lambertz-Reese gelebt und gearbeitet. Sie war 32 Jahre jünger als er. Die gebürtige Eckernförderin hat an der Muthesius-Kunsthochschule studiert, ist ebenfalls Künstlerin. "Es gab kein Bild, das er nicht mit mir diskutierte", erinnert sie sich. Und fügt hinzu: "Es war nie langweilig."

"Sich mit kulturellen Dingen auseinander zu setzen, hält frisch", erklärt sie. Von sich selbst sagt sie: "Es wäre furchtbar, wenn ich nicht mehr malen könnte." Die zweite Frau des Künstlers lebt zwar nicht mehr ausschließlich in Schleswig-Holstein, hat aber in dem weißen Haus noch immer einen Arbeitsplatz - direkt vor einem riesigen Wandteppich, der das "Mechanische Sextett" von Lambertz zeigt. Seine Werke sind eher kleine bis mittlere Formate, jedoch meist mit einer Fülle von Details. Auf das Riesen-Format brachte die Kieler Künstlerin Ute Gayk das Bild, das nun den Raum mit dem Oberlicht dominiert. Fast direkt daneben hängt ein Werk, das Lambertz zeigt. Es stammt von Maria Reese. Zurzeit arbeitet sie an Bildern, zu denen sie durch das Fehlen einiger Gemälde angeregt wurde. Diese sind jetzt in Eckernförde zu sehen, wo im Museum in zwei Räumen eine kleine, aber feine Schau an den "Zauberer vom Wittensee" erinnert.

Wenige Meter neben dem Porträt des Malers steht im Wittenseer Atelier eines der wenigen großen Werke von Carl Lambertz. Kurz nach dem Krieg malte er es, dunkle Farben und eine düstere Szenerie künden von der Zerstörung. Später wurden seine Bilder heller, farbiger. Doch er blieb ein Seher und Warner, kommentierte das Weltgeschehen mit seinen Werken, die Titel tragen wie "Weltenzirkus", "In der Vorhölle", "Ikarus, oder die Angst vor der Angst". Wieder andere zeigen Engel und Geister.

Das Seelenleben war für den Künstler wichtig. "Kunst ist Nahrung für die Seele", erklärte er den Gruppen, die zur Atelier-Besichtigung kamen, erzählt Maria Kindler-Lambertz-Reese. Sie lächelt bei der Erinnerung und fährt fort: "Wenn die Seele gesund ist, dann geht es - meist - auch dem Körper gut." Aber irgendwann muss der Körper gehen. Doch der "Seelenfänger", der auf dem weißen Klavier von Carl Lambertz steht, scheint zu wirken. Die Seele des Künstlers ist noch heute in dem weißen Haus am Wittensee spürbar. Sein Körper liegt auf dem Friedhof des Ortes begraben.

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