zur Navigation springen
Eckernförder Zeitung

24. September 2017 | 23:09 Uhr

Wo bleibt das befreiende Osterlachen?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Fröhlichkeit und Lebenskraft gehört nach der langen Passionszeit und Karfreitag zum Osterfest dazu / Wunsch nach einem lebensfrohen Jesus

von
erstellt am 07.Apr.2014 | 13:44 Uhr

Sobald ich meinen PC anschalte und der Desktop erscheint, öffnet sich mein Herz, und ich muss lächeln. Warum? Meine beiden Enkelkinder lachen mich an. Ihre Fotos habe ich auf dem Desktop gespeichert. Ganz gleich, wie meine Stimmung ist, in diesem Augenblick geht es mir gut, sehr gut.

Jetzt, in der Passionszeit, erinnere ich mich, dass ich schon lange nach dem Lachen in der Bibel suche. Sofort denke ich an Sara. Sie lacht - im Verborgenen – als sie hört, dass sie nach langen Jahren des Hoffens ein Kind bekommen wird. Ihren Sohn nennt sie dann auch Isaac - ‚Gott hat gelacht’ oder ‚Gott hat jemanden zum Lachen gebracht’. Im Psalm 126 beschreiben die Menschen, wie sie gelacht und gejubelt haben, nachdem sie mit Gottes Hilfe aus dem Exil heimgekommen sind. Ihre Ausgelassenheit ist ein Ventil, die erlittenen seelischen und körperlichen Schmerzen zu lindern und zu heilen.

Vergebens jedoch suche ich einen Hinweis auf einen lachenden Jesus. Keiner der Evangelisten hat ihn so beschrieben. Ich kenne weder ein Gemälde oder eine Skulptur, auf denen Jesus lachend dargestellt ist. Ist es ein Sakrileg, ihn so zu zeigen? Dass ein Mensch, der dem Leben, den Menschen so zugewandt war, weder gelacht noch gesungen noch getanzt haben soll, will ich nicht glauben.

Nirgends wird darüber berichtet. So bleibt mir nichts anderes übrig, als mir selbst vorzustellen, in welchen Situationen Jesus gelacht haben könnte. Immerhin singen wir Weihnachten ‚Gottes Sohn, o wie lacht, lieb' aus deinem göttlichen Mund …’ Das Kind Jesu darf lachen. Mir stellt sich die Frage, ob unsere Religionsgeschichte mit ihren Auswirkungen auf die Geschichte der zurückliegenden 2000 Jahre, sich wesentlich anders entwickelt hätte, würde im neuen Testament häufiger über einen Jesus, der lacht, der singt oder gar tanzt, berichtet werden.

‚Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen’ sagt Jesus. Für mich gehört das Lachen dazu. Ein Lachen, das aus dem Herzen kommt. Herzerfrischend und unverstellt, wie Kinder eben lachen. Unbefangen, sich selbstvergessend und im Augenblick.

Im Mittelalter gab es die Tradition des Osterlachens, die an manchen Orten wieder auflebt. Es wird berichtet, dass damals Pfarrer am Ostersonntag oft schlüpfrige, Witze rissen und ihre Späße trieben. Es wurde richtig herzhaft gelacht. Die Gläubigen sollten nach sieben Wochen Fastenzeit und der Trauer des Karfreitags befreit lachen. Für die ernsten Reformatoren und die katholischen Obrigkeit stand dieses, für sie lächerliche Getue, das risus paschalis, im Widerspruch zu ihrem Glaubenverständnis. Im 18. Jahrhundert wurde es immer seltener und zunehmend entschärft. Was blieb war das ‚Ostermärlein’, das den Gläubigen gerade noch ein gelangweiltes Lächeln entlockte. Im 19. Jahrhundert gab es in vielen Gemeinden offizielle kirchliche Anordnungen, welche ‚Fabeln, gereimte Dichtungen und Obskures’ aus den Predigten verbannten.

Ostern feiern heißt, mit der Auferstehung Jesu das Leben und die Hoffnung zu feiern. Ich wünsche mir, den lachenden und lebensfrohen Christus zu finden, ihm in meinen Mitmenschen zu begegnen. Ostern feiern heißt für mich, mit Leib und Seele die Fülle des Lebens zu feiern, aus vollem Herzen lachend.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen