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Selbstverteidigung : Wo Angreifer keine Chance haben

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Nachfrage nach Selbstverteidigungskursen für Frauen ist bei den Kampfsportvereinen in Eckernförde seit Silvester deutlich gestiegen.

shz.de von
erstellt am 20.Jan.2016 | 06:17 Uhr

Eckernförde | Die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln, Hamburg und anderen Städten, bei denen Frauen von Migranten sexuell belästigt wurden, bleiben auch in Eckernförde nicht folgenlos. Die ansässigen Kampfsportvereine verzeichnen seither eine große Nachfrage von Frauen an Selbstverteidigungskursen und neuen Kampftechniken. „Viele sind verunsichert“, sagt Metin Yalim, Vorsitzender des Kampfsportvereins Akatuki-Eckernförde, der neben Judo und Ju-Jutsu auch Kickboxen anbietet. Deshalb hat er reagiert: Der Verein bietet seit einer Woche einen Krav-Maga-Kurs an. Das israelische Selbstverteidigungssystem zeichnet sich durch einfache Techniken aus, die schnell zu lernen sind, und mit denen Angreifer effektiv außer Gefecht zu setzen sind. Und: Es gehört keine Kraft dazu, sondern die richtige Hebel-, Schlag- oder Tritttechnik. „Es ist kein Wettkampfsport, sondern eher Straßenkampf“, sagt Metin Yalim. Kraft- und Ausdauertraining fallen weg. „Hier geht es gleich zur Sache.“

Neu dabei sind auch Daniela Weise und Britta Haeseler aus Eckernförde. „Ich hatte schon lange vor, einen Selbstverteidigungskurs zu machen“, sagt sie. „Die Silvesterereignisse waren dann die Initialzündung.“ Selbst sei sie noch nie in eine bedrohliche Lage gekommen. Und wie Polizeichef Ralf Lohmeyer auf Anfrage bestätigt, hat es in Eckernförde in den vergangenen Monaten keine Anzeichen von Übergriffen auf Frauen durch Migranten gegeben.

Dass dennoch viele Frauen verunsichert sind, weiß auch Wilfried Hoffmann. Der Vorsitzende des Jiu-Jitsu-Vereins Tsunami Eckernförde berichtet von vielen Anfragen wegen eines Selbstverteidigungskurses. „Bei einem Lehrgang auf Landesebene haben mir auch die Trainer anderer Vereine erzählt, dass die Anfragen nach Silvester besonders hoch sind.“ Tsunami bietet deshalb einen Selbstverteidigungskurs für Frauen und Mädchen ab 14 Jahren über drei Wochenenden an. „Jede Frau kann sich viel besser wehren, als sie selbst denkt“, sagt Wilfried Hoffmann. „Dafür sind keine wilden Kung-Fu-Techniken nötig. Stattdessen werden wir primär grobmotorische Techniken vermitteln, die für das Gehirn auch unter Angst abzurufen sind.“ Dabei komme es sowohl darauf an, Theorien zur Gefahrenvermeidung zu lernen, als auch Schlag- und Tritttechniken, das Lösen von Griffen und Abwehrtechniken gegen Umklammerungen, Würgeangriffe, Bedrohungen mit dem Messer und auch die Verteidigung in der eigenen Bodenlage.

Das vermittelt der Karateverein Fuji-Yama schon seit einem halben Jahr in Selbstverteidigungskursen für Frauen, die sehr gut angenommen werden. „Gezielt hat mich noch niemand auf Silvester angesprochen, aber im Freundes- und Bekanntenkreis hört man schon, dass man sich mit dem Gedanken an so einen Kurs beschäftigt“, erzählt Vereinsvorsitzender Manfred Lazina.

Einen ähnlichen Inhalt wird auch der Selbstverteidigungskurs des Judo-Karate- und Jiu-Jitsuvereins Sabaki Eckernförde haben. Auch Vorsitzender Werner Maibaum spricht von einer erhöhten Anzahl an Anfragen. Aber: „Gerade zur dunklen Jahreszeit ist das ganz normal.“ Stark vertreten seien dabei 12- bis 13-jährige Mädchen. Von den Silvesterereignissen habe bislang aber noch niemand gesprochen.

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