Slam-Stakkato : Witzig, frech und ein bisschen abgedreht

Sieger Fabian Navarro beim Open-Air-Poetry-Slam am Strand.
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Sieger Fabian Navarro beim Open-Air-Poetry-Slam am Strand.

Zum dritten Poetry-Slam lud das „Haus“ am Wochenende an den Strand. Landesmeister Fabian Navarro wurde seiner Favoritenrolle gerecht.

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14. Juli 2015, 06:11 Uhr

Eckernförde | Die Konkurrenz war groß: An der Hafenmeile tummelten sich Gäste und Einheimische bei den „Sprottentagen“, eine ordentliche Brise lockte die Segler auf das Wasser, und dennoch hatten sich am Sonnabend am späten Nachmittag zahlreiche Besucher am Strand eingefunden, um den dritten Poetry Slam mitzuerleben.

Drei- bis viermal jährlich findet in guter Tradition im „Haus“ an der Reeperbahn ein Poetry Slam statt. Poetry Slam? Das ist ein Live-Dichterwettstreit, an dem die Poeten einen selbstgeschriebenen Text vortragen. Dabei sind in der Vortragsweise gewisse Regeln zu beachten. So dürfen weder Requisiten oder Verkleidungen benutzt werden – es sei denn, man läuft auch sonst im Entenkostüm durch die Straßen – noch darf das vorgegebene Zeitlimit von sechs Minuten überschritten werden. Gesang ist nicht erlaubt, während jedoch durchaus gerappt werden kann. Die Vorgabe für die Zuschauer lautet, die Vortragenden nicht mit störenden Zwischenrufen oder anderweitig akustisch zu beleidigen.

Paul Fejfar, der in gewohnter und ansprechender Weise wieder die Moderation übernahm, erklärte dazu, dass „über die Lautstärke des jeweiligen Beifalls das Weiterkommen in die nächste Runde entschieden wird.“

Die Dichter stehen beim Open-Air-Poetry-Slam auf einem eigens dafür errichteten Holzpodest mit dem Rücken zur Ostsee, so dass die am Strand sitzenden Zuhörer zudem die malerische Kulisse der See mit ihren Segelbooten unter blauem Himmel präsentiert bekamen.

Am vergangenen Sonnabend traten die Teilnehmer Hille Norden, Maline Kotetzki, Maria Victoria, Fabian Navarro sowie die Eckernförder Hinnerk Köhn und Quinn Christiansen zuerst in Zweiergruppen gegeneinander an. Fabian Navarro wurde seiner Favoritenrolle als Poetry-Slam-Landesmeister Schleswig-Holsteins durchaus gerecht, als er mit seinem sechsminütigen Vortrag in Gedichtform begeisterte. Dabei kündigte er seinen Auftritt damit an, dass er „sich die besondere Schwierigkeit auferlegt hat, seine Geschichte in die Ritterzeit zu verlegen und dabei Begriffe wie Kaugummiautomat, Anpimmeln oder Keuschheitsgürtel einzubringen.“ Die Umsetzung war phänomenal, zudem er seine Geschichte in Reimform komplett auswendig darbot.

Die anderen Teilnehmer kämpften aufgrund des mittlerweile recht aufgefrischten Windes mit ihren Notizen, was ihren unterhaltsamen Vorträgen jedoch keinen Abbruch tat. Die Themen waren vielfältig gewählt – mit deftigen Begriffen gespickt oder von sanfter und stiller Lyrik geprägt.

Einer der Veranstalter, Gordon Frey vom „Haus“, betonte, dass „alle Teilnehmer kostenlos auftreten und leider auch kein großes Budget für diese Veranstaltung vorhanden ist.“ Wo der Poetry-Sommer-Slam im vergangenen Jahr noch auf Youtube nachzuerleben war, wird das dieses Mal aufgrund der recht starken Windgeräusche am Mikrofon wohl mit einem Fragezeichen versehen. Wer allerdings auf den Geschmack gekommen ist, kann im „Haus“ in Eckernförde an einem der immer sehr gut besuchten Poetry Slams teilhaben.

Übrigens: Verdienter Sieger war Fabian Navarro, die zweiten Plätze teilten sich Hille Norden, Maline Kotetzki und Maria Victoria.

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