Frauenkabarett : Wischmopptanz und Frauenpower zum Abschied

So sauber war die Bühne nach einer Aufführung noch nie: „Trude träumt von Afrika“ mit ihrem Wischmopp-Tanz.Frank (2)
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So sauber war die Bühne nach einer Aufführung noch nie: „Trude träumt von Afrika“ mit ihrem Wischmopp-Tanz.Frank (2)

Mit dem Hamburger Frauenkabarett „Trude träumt von Afrika“ hat sich die Gleichstellungsbeauftragte Johanna Elteste verabschiedet. Sie beendet im Juni ihren Dienst. Die Stadthalle war ausverkauft.

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10. März 2014, 06:00 Uhr

Eckernförde | Trude träumt von Afrika und Johanna Elteste von ihrer dienstlosen Freizeit: Der Internationale Frauentag am Sonnabend war passender Anlass, um die langjährige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt offiziell zu verabschieden. „Vor 20 Jahren waren wir noch weit von 30 Prozent Frauenquote in der Ratsversammlung entfernt. Heute ist sie erreicht“, fasste Bürgervorsteherin Karin Himstedt das Wirken der aus Berlin stammenden Johanna Elteste zusammen. „Frauen in Führungspositionen werden immer selbstverständlicher.“

Johanna Elteste habe frauenpolitische Träume umgesetzt, Frauenfußball, Girl’s Day, Berufsberatung für Mädchen und Jungen sowie das Monitoring-Projekt „Frauen in der Berufswelt“ eingeführt. „Einzelkämpferinnen haben immer einen schweren Stand. Auch wenn nicht alle Vorstellungen in Erfüllung gegangen sind, so können Sie doch zufrieden und stolz auf Ihr Berufsleben zurückblicken.“

Zwar wird Johanna Elteste erst Ende Juni ihren Dienst beenden, der Abend mit dem Besten aus den ersten 17 Jahren des Frauenkabaretts „Trude träumt von Afrika“ zeigte deutlich sichtbar ungebremste Frauenpower auf der Bühne der Stadthalle. Auch ein großer Bahnhof für Johanna Elteste mit weit über 400 Gästen, darunter auch ungewohnt viele männliche. Da konnte man sehen und hören, wieviel Kraft und Freude trommelnde, schauspielernde, humorvoll singende und fantasievoll gekleidete Frauen haben. Aus Hamburg waren sie nach Eckernförde gekommen, hatten aber vor lauter „Reeperbahn“, „Jungfernstieg“ und „Kieler Straße“ zunächst nichts davon bemerkt. Nur weil es in Eckernförde keinen „Venusberg“ gibt, fühlten sie sich als Gäste in der kleinen Stadt.

Nach majestätischer Auftrittmusik des englischen Komponisten Edward Elgar lebten sie ihren afrikanischen Trommeltraum aus. Feine Musik-Comedy mit den Kunstfiguren Agathe, Erna, Mathilde und Yvonne. „Wir spielen Instrumente aus Afrika, sind aber keine Afrikaner. Wenn man das weiß, kann man besser würdigen, was wir hier leisten!“

Das wusste das Publikum von Anfang an: Immer wieder gab es begeisterten Applaus zu den tranceartigen Rhythmen, die die vier mit traumwandlerischer Sicherheit und verteilten Rollen spielten.

Bissige Bemerkungen gab es auch. Als die schwergewichtige Mathilde sich auf einen großen Kochtopf stellte: „Dass der noch nicht zur Pfanne geworden ist...“ oder zu Yvonne: „Was du immer beim Arzt rumhängst, geh‘ lieber mal zum Friseur!“

Bis wieder eine Truppe die Bühne so sauber verlässt wie diese vier Damen – darauf wird man in Eckernförde nach dem Wischmopp-Tanz bestimmt lange warten müssen. Als Resultat einer gescheiterten Kreuzfahrt in die Karibik, die aus Geldgründen im Erzgebirge endete, präsentierten die Vier eine lebende Spieluhr; der wiedergefundene Plattenspieler vom Dachboden wurde mitsamt allen Nebengeräuschen einer Schellackplatte, ihren Sprüngen und der langsamer werdenden Drehzahl eindrucksvoll gespielt.

Energetische Übungen mit tiefem Ein- und Ausatmen fehlten ebensowenig wie das fröhliche Spiel mit Kinderinstrumenten aus dem Dschungelbuch-Koffer, einem weiteren Dachbodenfund. „Dass Sie diesen Krach so lange aushalten..?“ wunderte sich Erna zum Schluss.

Alle hatten es, das zeigte der Beifall immer wieder, gern getan und am Ende immer noch nicht genug davon. Erst die Zugabe schloss den Abend ab. Zwei Stunden waren wie im Fluge vergangen. Eine nachhaltige Erinnerung an die Frauenpower von Trude und die erste Gleichstellungsbeauftragte Eckernfördes.

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