Eckernförde : Wirbel um die Borbyer Plattenreste

Orkan „Christian“ weht die Dämmplatten vom Dach des Apartementhauses an der Hafenspitze. Fotos: Kühl
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Orkan „Christian“ weht die Dämmplatten vom Dach des Apartementhauses an der Hafenspitze. Fotos: Kühl

Nach der Sammelaktion der durch den Orkan verteilten Dämmplatten befürchtete eine Mutter eine gesundheitliche Gefährdung beteiligter Schüler. Doch nun gab es Entwarnung.

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01. November 2013, 06:11 Uhr

Eckernförde | Die durch die Luft und über das Hafenbecken an den Borbyer Strand gewehten Dämmplatten des Apartementhauses an der Hafenspitze haben gestern für einigen Wirbel gesorgt. Nina Hammes aus Friedland hat sich über den ihrer Meinung nach leichtfertigen Umgang mit der in den Dämmplatten befindlichen Substanz Hexabromcyclododecan (HBCD) empört und die Schule, die ihre Kinder besuchen, vor der Teilnahme an der öffentlich angekündigten Sammelaktion gewarnt. „Von der Grund- und Gemeinschaftsschule am Standort Nord wird keine Schulklasse teilnehmen“, sagte sie. Grund ihrer Sorge und Empörung: Für das Flammschutzmittel HBCD bestehe nach Auskunft des Umweltbundesamtes seit Mai 2013 ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot. Schulkinder, so Hammes, dürften in keinem Fall mit derartigen Mitteln in Berührung kommen. Keiner der in der gestrigen Ausgabe der EZ abgebildeten Schüler hätte Handschuhe getragen, für Nina Hammes ein unhaltbarer Zustand. Es könne nicht angehen, dass Kinder nun die Arbeit einer Spezialfirma übernehmen, die mit der Entsorgung beauftragt werden müsste.

Kai Schurkemeyer, Geschäftsführer der Penta Nord Immobilien GmbH & Co Hafenspitze KG, fiel gestern aus allen Wolken, als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde: Von einer möglichen Gesundheitsgefährdung sei ihm nichts bekannt. Er habe sein Vorgehen mit der Behörde für Abfallentsorgung des Kreises abgestimmt, sagte Schurkemeyer und sich Rat beim Leiter des Ostsee-Info-Centers (OIC), Claus Müller, geholt. Hätte sich herausgestellt, dass die Entsorgung der Dämmplatten auch nur im Entferntesten in irgendeiner Weise gesundheitsgefährdend sein sollten, wäre es nie zu dem öffentlichen Aufruf zum Einsammeln der Reste gekommen. Am Abend konnte er dann „Entwarnung“ geben, wie er sagte: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte er. Er habe beim Hersteller des Materials, der Firma Binne und Sohn aus Pinneberg, recherchiert. „Das Material ist in keiner Weise gesundheitsgefährdend“, sagte Schurkemeyer. Er habe sich das Sicherheitsdatenblatt kommen lassen und die Aussagen überprüft. „HBCD wird nicht ausgewaschen und ist in der Molekularstruktur des Materials gebunden. Eine Gesundheitsgefährdung durch Kontakt mit dem Material ist auszuschließen.“ HBCD werde unter anderem in Textilien, Polstern, Autositzen und Elektrogerätegehäusen verwandt. Beim Apartementhaus an der Hafenspitze werde nur das Dach damit gedämmt. „Das Material hat sogar eine Zulassung für Wohninnenräume“, so Schurkemeyer. Die Fassade werde mit Mineralwolle gedämmt.

Hans-Jörg Tresselt, Leiter des Unterbereichs Abfall bei der Kreisverwaltung, ist von einem Bürger auf die verwehten Dämmplatten hingewiesen worden. Daraufhin habe er Kontakt mit der Stadt und Schurkemeyer aufgenommen und ihm empfohlen, zu einer öffentlichen Sammelaktion aufzurufen. „Ich habe ihn gebeten, das sofort zu organisieren“, sagte Tresselt, um eine weitere Verbreitung der Teilchen zu verhindern. Eine Gesundheitsgefährdung sei ihm nicht bekannt.

„Mir ist keine Gefährdung bekannt“, sagte auch Claus Müller. HBCD sei zu Recht weltweit verboten worden, um der globalen Verunreinigung der Umwelt Einhalt zu gebieten. Insbesondere in Fischen und Muscheln reicherten sich die Mikroteilchen an und gelangten dann über die Nahrungskette auf den Teller. Das Verbot habe aber nichts mit einer direkten Gefährdung des Menschen zu tun, weil HBCD nicht löslich sei. „Hautkontakt ist ungefährlich“, so Müller. Für heute Morgen haben sich vier Schulklassen, darunter auch wieder die 6. Klasse der Waldorfschule, zum Sammeln angemeldet. Mit ihnen wird er den mit Seegras bedeckten Spülsaum ins Flachwasser befördern und die oben schwimmenden Polystyrolteilchen abfischen.
 

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