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Knöllchenbilanz 2014 : „Wir wollen niemanden abkassieren“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Drei Parkraumüberwacher kontrollieren das korrekte Abstellen der Fahrzeuge im Stadtgebiet. Die Verstöße gingen zwar zurück, die Einnahmen mit 243000 Euro aber konstant. „Ich bin nicht der Jäger“, sagt Christoph Christiansen.

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erstellt am 05.Mär.2015 | 06:14 Uhr

Es gibt Regeln, und die müssen eingehalten und kontrolliert werden. Auch beim Parken, im Amtsdeutsch ruhender Verkehr genannt. Wer dagegen verstößt und erwischt wird, muss mit den Konsequenzen leben und zahlen. Das werden zumindest die 17  509 Autofahrer bestätigen können, die sich im vergangenen Jahr nicht an die Regeln gehalten und Ordnungswidrigkeiten beim Parken ihrer Fahrzeuge begangen haben. Etwa ein Drittel von ihnen bezahlen anstandslos in den ersten 14 Tagen – zehn Euro für eine vergessene Parkscheibe oder ein Überschreiten der Parkzeit um eine halbe Stundebis 30 Euro für ein Überschreiten um drei Stunden. Die anderen warten den nach zwei Wochen eintreffenden schriftlichen Bescheid ab und zahlen dann, anfangs übrigens den gleichen Preis. Teurer wird’s erst, wenn nach sechs Wochen immer noch kein Geld auf dem städtischen Konto eingegangen ist. Dann werden aus 15 Euro für ein Überschreiten der Höchstparkzeit um mehr als eine halbe Stunde schnell 42 Euro. Auch die höheren Bußgelder werden dann beglichen, nur sehr wenige Parksünder gehen gerichtlich gegen den Bußgeldbescheid vor.

Sie haben auch kaum eine Chance. Denn die Park-Überwachung funktioniert dank technischer Hilfe per Smartphone und „Knöllchendrucker“ reibungslos und beweissicher. Die drei Parküberwacher, die alle in Teilzeit arbeiten und es zusammen auf 70 Kontrollstunden pro Woche bringen, dokumentieren die Regelverstöße fotografisch (Parkschein, fehlende Parkscheibe, Kennzeichen) notieren Automarke und -farbe sowie die Ventilstellung der Reifen, und tippen die Höhe der Verwarn- und Bußgelder in den Drucker ein, der anschließend das „Ticket“ ausspuckt, das mit einer Schutzhülle versehen hinter den Scheibenwischer geklemmt wird. Eine Chance haben nur die Autofahrer, die den Parküberwachern vor dem Ausdrucken glaubhaft machen können, dass unvermeidbare Umstände zu der Verfehlung geführt haben. Ist das Knöllchen erst mal gedruckt, ist der Vorgang aktenkundig und vor Ort nicht mehr verhandelbar.

2014 hat die Stadt 243  096 Euro durch Ordnungswidrigkeiten beim Parken eingenommen, fast exakt so viel wie im Jahr zuvor. Und das trotz eines Rückgangs der Verstöße von 20  373 auf 17  509. Der Grund für den Rückgang der Fallzahlen liege weniger in der gewachsenen Einsicht der Autofahrer als vielmehr im langfristigen Ausfall beim Personal, sagt Klaus Kaschke, langjähriger Leiter des Ordnungsamtes. Er kennt alle Schlichen und Entschuldigungen, mit denen ertappte Autofahrer versuchen, ihrer kleinen Finanzstrafe zu entgehen. Nur selten sind die Gründe wirklich stichhaltig, sagt Kaschke. Der Stadt gehe es beim Verteilen der Verwarnungen und Bußgelder keineswegs ums Abkassieren. „Wir wollen niemanden ärgern und unsere Verkehrsüberwacher lauern auch nicht hinter den Büschen“, sagt Kaschke. Die Kontrollen dienten der Verkehrsregelung, der Aufrechterhaltung einer möglichst großen Fluktuation auf dem Parkplätzen und der Gefahrenabwehr, wenn etwa Rettungswege blockiert werden, was im Sommer in Strandnähe nicht selten zu beobachten ist. Wichtig ist Kaschke auch die Prävention und das Gespräch mit den Autofahrern. „Wir weisen falsch parkende Autofahrer darauf hin, wenn wir sie noch am Fahrzeug antreffen oder bitten sie, die fehlende Parkscheibe einzustellen oder ihr Parkticket zu ziehen. Das kommt gut an.“

Einer der das sehr überzeugend und mit dem nötigen Fingerspitzengefühl umzusetzen weiß, ist Christoph Christiansen. Da seine beiden Kolleginnen derzeit krankheitsbedingt ausfallen, ist er zur Zeit besonders gefordert. Seinem geschulten Blick entgeht so schnell nichts. Christoph Christiansen bezeichnet sich als „kommunikativen Typ“, der das Gespräch mit den Autofahrern schätzt. „Immer Mensch bleiben“, ist seine Devise. Was nicht heißt, dass er Verstöße gegen das Verkehrsrecht nicht ahndet. Aber es gibt Situationen mit Ermessensspielräumen, in denen im begründeten Einzelfall auch mal ein Auge zugedrückt werden kann.

Dazu gab es bei der Kontrolle des Parkplatzes am Steindamm allerdings keinen Anlass, auch wenn es sich bei der Fahrerin um eine hochschwangere Frau handelte. Ihr Parkticket war um 10.41 Uhr abgelaufen, und es war 11.26 Uhr, als Christiansen seinen Blick darauf warf. Über 40 Minuten überzogen, das macht 15 Euro Verwarngeld. „Ich freu’ mich!“ sagte die junge Frau bittersüß, die kurz darauf ihr Fahrzeug erreichte. Sie nahm’s gelassen. Kein Wunder, denn sie hat sich im Moment um wichtigere Dinge zu kümmern. Ihr Arzttermin hatte länger als gedacht gedauert. Beim nächsten Mal wird sie wohl gleich ein Ticket mit längerer Laufzeit ziehen, um sich unnötige Mehrkosten zu ersparen. Oder das bequeme Handyparken nutzen, das von den Autofahrern immer stärker angenommen wird. Vorteil: Man parkt zeitgenau, braucht kein Kleingeld mehr, wird kurz vor Ablauf per SMS benachrichtigt und kann die Parkzeit per Anruf oder SMS verlängern. So kann man den Knöllchen ein Schnippchen schlagen, und abgerechnet wird einmal im Monat.

„Ich bin nicht der Jäger“, sagt Christoph Christiansen. „Aber wenn man nicht kontrolliert, wird auch keiner bezahlen“. Manchmal werden die Überwacher auch von Bürgern gerufen, um Falschparker aufzuschreiben. Es gibt auch „eine Handvoll Bürger“, die sich nicht scheuen, selbst Anzeige zu erstatten und auch vor Gericht aussagen. „Ein Busfahrer der Autokraft hat uns mit Anzeigen bombardiert, weil die Bushaltestelle in der Gaehtjestraße ständig zugeparkt war“, berichtet Klaus Kaschke weiter. Die Polizei habe sich aus dem Gewerbe weitgehend zurückgezogen, es gibt aber den einen oder anderen Polizisten, „der rigoros durchgreift und abschleppen lässt, wenn Rettungswege blockiert werden“.

Das Einsatzgebiet der Parkraumüberwacher ist überwiegend die Innenstadt: Langebrückstraße, Zweiter Steg, Gartenstraße, Hafen, dazu die Kontrollen auf den weiteren Parkplätzen mit Parkscheibe oder Parkticket. Sensible Bereiche sind für Christoph Christiansen das Krankenhaus, das die Unterstützung der Stadt anfordert, wenn dort zu wild geparkt oder Rettungswege zugestellt sind. Oder der Parkplatz am Meerwasserwellenbad, wenn die Kinder die Mutter beim Baden bedrängen, doch noch eine Stunde dranzuhängen, und genau diese Stunde beim Parkticket fehlt – dann werden 15 Euro fällig. Auch wenn er nachempfinden kann, warum die Parkzeit überschritten wird, muss er aktiv werden und das Ticket ausstellen. Um unangenehmen Situation vorzubeugen, wünscht sich Christoph Christiansen für den Parkplatz am Wellenbad eine Schrankenanlage, bei der die Parkgebühr nachträglich entrichtet wird.

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