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Leerstand und Schuttberge : „Wir wollen den Kaiserhof erhalten“

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Eigentümer Michael Mattner arbeitet an Nutzungskonzept für das historische Gebäude des kaiserhofs und das Lindenhof-Grundstück. Die Schuttberge soll verschwinden.

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erstellt am 11.Okt.2017 | 14:11 Uhr

Eckernförde | Die Bergstraße gilt in Eckernförde als gute Adresse. Stadtvillen und kleine Häuser vertragen sich im historischen Zentrum Borbys mit der Kirche, der Schule und dem alten Dorfplatz. Nur ein Anblick stört das Erscheinungsbild, und zwar empfindlich: Der Bauschutt zwischen den beiden Linden vor dem Borbyer Dorfplatz und der traurigen Rückfront des einst stolzen Kaiserhofs am Vogelsang mit Hafenblick. Dort, wo früher geschnackt, gefeiert und gekegelt wurde, türmen sich die Schuttberge des früheren Lindenhofs. Ende März wurde der traditionsreiche Gasthof abgerissen, geplant war dort der Bau von Eigentumswohnungen mit Tiefgarage. Die Trümmerberge sind eingezäunt, mehr ist seither aber nicht passiert.

Besitzer des Lindenhofs und des unter Denkmalschutz stehenden Kaiserhofs ist Michael Mattner, Geschäftsführer der Störtebeker Haus GmbH in Henstedt-Ulzburg. Nach dem „Waterloo“ seiner Umbau- und Gestaltungspläne für beide Objekte am 17. September 2013 vor dem damals frisch gegründeten Planungs- und Gestaltungsbeirat hat sich bis auf den Abriss des Lindenhofs und kleineren Sanierungs- und Sicherungsarbeiten am Kaiserhof nichts mehr getan.

Die Stadt sieht den Investor am Zug und in der Pflicht. Von Juli 2012 bis Oktober 2015 habe man in 17 Terminen versucht, Lösungen für die Nutzung der Gebäude zu entwickeln, sagt Bürgermeister Jörg Sibbel. Bislang ohne Erfolg. „An uns liegt es nicht.“ Die Stadt habe in diversen Gesprächen alles versucht, um die unbefriedigende Situation zu ändern. Für den Kaiserhof bestehe seit geraumer Zeit Baurecht, der Bebauungsplan sei seit August 2016 gültig, niemand hindere den Eigentümer daran, ein Konzept vorzulegen und den Kaiserhof zu sanieren und zu erhalten. „Mehr können wir nicht tun“, sagt Jörg Sibbel. Zum Schutz der Passanten habe man allenfalls noch den Treppenaufgang neben der bröckelnden Fassade des Kaiserhofs per „Ersatzvornahme“ abgesichert und die Kosten dem Eigentümer in Rechnung gestellt. Die Schutthalden auf dem Lindenhof-Grundstück habe man einzäunen lassen, um der Verkehrssicherungspflicht zu genügen. Selbstverständlich ist auch der Denkmalschutz eingeschaltet, Zwangsmaßnahmen durchzusetzen sei allerdings schwer, betont der Bürgermeister.

Nicht nur die Stadt möchte den 1882 erbauten Kaiserhof unbedingt erhalten – Eigentümer Michael Mattner stößt ins gleiche Horn. „Wir sind dabei, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Wir wollen den Kaiserhof erhalten“, versichert der Eigentümer mit Nachdruck. Mattner zeigte sich optimistisch, Ende des Jahres konkreter werden zu können.

Ihn schmerzt noch immer, wie der Gestaltungsbeirat vor vier Jahren mit seinem damaligen Architekten umgegangen sei und die Planungen öffentlich zerrissen habe. „Wir sind vorgeführt worden“, sagt Mattner, der das Projekt Kaiserhof / Lindenhof daraufhin in seiner Prioritätenliste nach unten durchgereicht hat. Verabschiedet habe er sich davon aber nie. Er sei „mit voller Leidenschaft dabei, den Kaiserhof wieder in altem Glanz erstrahlen zu lassen“. Verschiedene Konzepte würden geprüft.

Falls dies alles aber nicht zum Tragen kommen sollte, schließt Michael Mattner auf Anfrage unserer Zeitung auch einen Verkauf der beiden Objekte nicht von vornherein aus. „Man soll nie nie sagen. Alles, was für das Projekt förderlich ist, wollen wir fördern. Wenn ein Investor kommt, beispielsweise eine Hotelkette, und dort ein Hotel mit guter Gastronomie errichten möchten, würden wir uns den Gesprächen nicht verschließen. Aber bevor wir über solche Träume nachdenken, werden wir alles abarbeiten.“

Eine Hürde müsste der künftige Bauherr allerdings noch nehmen: Im B-Plan hat die Stadt verfügt, dass eine viergeschossige Nutzung nur beim Erhalt des Kaiserhofs möglich ist. Verfällt ddas Gebäude, darf der Nachfolgebau nur zweigeschossig werden.

Und der Bauschutt am Lindenhof? Der soll so schnell wie möglich verschwinden. Die Abbruchfirma habe ihren Auftrag nicht erfüllt, sagt Mattner. Notfalls müsse jetzt ein anderes Unternehmen eingesetzt werden. „Ich denke, dass wir Ende Oktober Vollzug melden können.“

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