Sorgen über den Wolf : „Wir werden zu Wolfsfutterproduzenten“

Der Wolf ist längst auch in Schleswig-Holstein unterwegs. Die Schafzüchter sehen darin eine große Gefahr für ihre Existenz.
Der Wolf ist längst auch in Schleswig-Holstein unterwegs. Die Schafzüchter sehen darin eine große Gefahr für ihre Existenz.

Die Sorgen über den Wolf stand im Mittelpunkt beim Landesverband der Schaf- und Ziegenzüchter / Gut 100 Besucher im Schützenhof

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04. Juni 2015, 06:54 Uhr

Keinen leichten Stand hatte Jens Matzen gestern im Groß Wittenseer „Schützenhof“. Der Forstwirt und ehrenamtliche Wolfsbetreuer sah sich rund 100 Schaf- und Ziegenzüchtern gegenüber, die sehr deutlich ihre Sorgen über die Ausbreitung des Wolfes in Schleswig-Holstein äußerten. „Man muss überlegen, wie viele Wölfe wir in Schleswig-Holstein vertragen können“, sagte die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Janine Bruser. Schleswig-Holstein sei nicht die Lausitz, sagte sie, hier werde eine andere Schafhaltung betrieben. Das Landwirtschafts- und Umweltministerium habe darauf noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden, kritisierte der Landesverband.

Die Sorgen konnte ihnen auch Jens Matzen nicht nehmen. 22 Nachweise für die Existenz des Wolfes hätte es seit 2007 in Schleswig-Holstein gegeben, berichtete er. Zudem weitere 19 nachgewiesene Wolfssichtungen im benachbarten Dänemark. „Eine Rückwanderung ist möglich“, sagte er. Zudem würden Tiere aus Osteuropa, über die Alpen und die französische Grenze nach Deutschland gelangen. „Wir sind quasi vom Wolf umzingelt“, sagte Matzen. Diese letzte Sichtung gab es am 16. April in Tielen (Kreis Schleswig-Flensburg).

Jens Matzen, dessen Aufgabe ist vor allem ist, sich bei Rissen, um die Entschädigung der Tierhalter zu kümmern, nannte die Fördermöglichkeiten durch das Land. In Wolfsgebieten würde Präventionsmaßnahmen, als beispielsweise der Bau der Zäunen mit 80 Prozent gefördert werden. Als Wolfsgebiet gelte eine Fläche aber nur dann, wenn über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten, ein Wolf mehrfach nachgewiesen wurde wie im Herzogtum-Lauenburg. In anderen Gebieten erhalten die Schäfer Ausgleichszahlungen bei Schäden an den Nutztieren. Grundsätzlich hätte man aber die Möglichkeit, sich über das Land Schutzzäune zu leihen.

Doch vor allem die Dithmarscher Schafzüchter hielten dagegen: „Einzäunen in der Deichschäferei – unmöglich.“ Auch ihre Kollegen aus anderen Kreises konnten dem nicht abgewinnen. Gut ein Meter hoch sollen die Zäune laut Empfehlung des Landes sein. Nach Informationen einiger Züchter müsste eher mit bis zu 1,50 Meter gerechnet werden. Das sei durch die Schäferei nicht zu finanzieren. Sie waren sich einig: „Wir können in der Kulturlandschaft Schleswig-Holstein nicht mit dem Wolf leben.“ Zudem empfände man es auch als fahrlässig, den Wolf zu verharmlosen. Schon längst einen „dicken Hals“ hätte Klaus-Dieter Fischer aus dem Kreis Steinburg angesichts der Wolfs-Politik des Landes. „Die Höhe der Entschädigung ist eine Lachnummer“, sagte er. Wenn man den Wolf im Land wolle, dann müsse man das auch bezahlen, forderte er. „Ansonsten werden wir Züchter zu Wolfsfutterproduzenten“. Dass Grünen-Minister Robert Habeck sich nicht, wie versprochen selbst auf der Versammlung blicken ließ, konnte der Breiholzer Dr. Angelus Brandt nicht nachvollziehen.

Zumindest mit ein paar hilfreichen Ratschlägen wollte Jens Matzen die teils sehr aufgebrachten Tierhalter versorgen. „Wer ein gerissenes Tier auffindet, sollte die Hotline 0174/6  33  03  35 anrufen“, sagte Matzen. Der Kadaver sollte abgedeckt und liegen gelassen werden. Fachleute würden diesen dann im Senckenberg-Institut genetisch untersuchen lassen. Das könne drei bis vier Wochen dauern. Im Landeslabor würde dann ein Gutachten erstellt werden, auch das dauere etwa zwei Wochen. Dann könne der Herdenhalter einen Antrag auf Entschädigung beim Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume gestellt werden 




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