zur Navigation springen

Zuhause auf Zeit : „Wir sehen uns in einer Vorreiterrolle“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Asylbewerberunterkunft am Karl-Kolbe-Platz soll im April fertig sein / Bürger zeigen sich in Einwohnerversammlung hilfsbereit

Gettorf | Die Arbeiten zum Umbau des ehemaligen Plus-Markts in der Bergstraße am Karl-Kolbe-Platz gehen voran. Die Brandschutzdecke ist installiert, Wände sind eingezogen, vorne am Eingang entsteht ein großer Gemeinschaftsraum, in der Mitte ein langer Flur, über den die unterschiedlich großen Zimmer erreichbar sind. Es gibt zwei Gemeinschaftsküchen und je ein Sanitärbereich für Damen und Herren. Im April soll die Sammelunterkunft mit Platz zur Unterbringung von 35 Asylbewerbern bezugsfertig sein. Den Umbau für rund 500  000 Euro finanziert das Amt.

„Das Gebäude hat lange still gestanden, es war kein Bedarf“, sagt Eigentümer Wilfried Koch bei einem Rundgang. „Als das Amt auf mich zukam, habe ich zugestimmt, auf zehn Jahre zu verpachten. Das gibt mir die Möglichkeit etwas zu tun, damit die Menschen anständig untergebracht werden.“ 63 Asylsuchende leben mittlerweile hier im Amtsbereich, 70 kommen im Laufe des Jahres hinzu, und mit Blick auf die weltpolitische Lage geht man davon aus, dass es noch mehr werden. Um über deren Unterbringung zu informieren, weiter an der oft genannten Willkommenskultur zu arbeiten und Ressentiments vorzubeugen, hatte die Gemeinde Gettorf am Dienstagabend zur Einwohnerversammlung mit dem Schwerpunktthema Unterbringung und Integration von Asylbewerbern ins Hotel Stadt Hamburg eingeladen. Nur gut 50 Interessierte waren gekommen. Darunter der Flüchtlingsbeirat, der mit gelben Zetteln auf den Tischen um finanzielle und personelle Unterstützung warb, einige Asylbewerber und Kommunalpolitiker. Die Flüchtlingsbeauftragte im Amt Dänischer Wohld Svantje Gnutzmann, Amtsvorsteher Kurt Arndt, Amtsdirektor Matthias Meins, Bürgermeister Jürgen Baasch und Sönke Bahr von der Polizeistation Gettorf standen den Bürgern Rede und Antwort. Zwar sei die Unterbringung der Asylsuchenden eine Angelegenheit des Amtes, sagte Bürgermeister Jürgen Baasch. „Als größte Gemeinde im Amt sind wir jedoch als erstes gefragt, die uns zugewiesenen Menschen unterzubringen.“ Gettorf sei ideal, was die Infrastruktur angeht. Er sei froh, bisher nichts Negatives gehört zu haben. Das bestätigte auch Polizist Sönke Bahr. Es werde ja schnell etwas hochgekocht, wenn Bürger verunsichert seien über das, was in ihrer Nachbarschaft passiert, weiß der Bürgermeister. Amtsdirektor Matthias Meins betonte, dass die Menschen dem Amt vom Bund über Land und Kreis zugewiesen werden. Es gebe keine Möglichkeit, sie abzulehnen. Neben der mittelfristig unverzichtbaren Unterbringung im Amtshaus in Schinkelerhütten habe das Amt bisher elf Wohnung in Gettorf angemietet, eine in Revensdorf und ab März zwei in Osdorf. Dazu kommt ab April die neue Sammelunterkunft in der Bergstraße. Das Amt habe als Mieter Einfluss zu reagieren, falls Probleme mit den Nachbarn auftauchen sollten, machte der Amtsdirektor deutlich. „Wenn es Klagen gibt, bitte sprechen Sie uns an. Wir versuchen eine Lösung zu finden.“

Amtsvorsteher Kurt Arndt wies auf die zweite wesentliche Aufgabe hin: die Integration der zugewiesenen Menschen. Eine Aufgabe, der sich der unter dem Dach der Kirche geründete und ehrenamtlich tätige Flüchtlingsbeirat annimmt. Wie deren Sprecher Christian-Albrecht Schnarke mitteilte, kümmern sich derzeit 38 Personen um die Asylsuchenden, begleiten sie zu Behörden, zum Arzt und geben Deutschunterricht. „Wir sind sehr bemüht auf Amtsebene“, betonte Kurt Arndt. Man habe finanzielle Mittel im fünfstelligen Bereich auch für zusätzliche Arbeitsstunden für die Flüchtlingsbeauftragte Svantje Gnutzmann bereitgestellt. „Wir sehen uns da immer noch in einer gewissen Vorreiterrolle als Amt Dänischer Wohld.“

Die Bürger äußerten sich hilfsbereit und aufgeschlossen, wollten wissen, wo sie Kleider und Geschirr abgeben könnten, und baten informiert zu werden, wenn Asylbewerber in der Nachbarschaft einziehen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen