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Interview : „Wir müssen Visionen für die Zukunft     haben“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Aktivregion Hügelland am Ostseestrand stellt sich auf der Grünen Woche vor

von
erstellt am 15.Jan.2016 | 06:32 Uhr

Heute beginnt in Berlin die Grüne Woche. Unter den Ausstellern ist auch die Aktiv-Region „Hügelland am Ostseestrand“. Seit einigen Monaten ist Dr. Juliane Rumpf im Vorstand der Organisation aktiv. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin ist in Sehestedt geboren, aufgewachsen und lebt auf dem ehemaligen elterlichen Hof. sh:z-Redakteurin Sabine Sopha sprach mit Juliane Rumpf über die Stärken der Region und über die Entwicklung der ländlichen Räume, die auch Thema des Zunkunftsforums während der Grünen Woche ist.

Frau Rumpf, weshalb engagieren Sie sich für die Aktiv-Region?

Ich bin eine begeisterte Bewohnerin des Landes. Ich lebe mit vollem Herzen hier. In meiner Ministerzeit haben mir die Begegnungen mit den Menschen in meiner Gemeinde gefehlt, ich hatte nicht genug Zeit. Jetzt bin ich wieder im Gemeinderat aktiv, gehe in Sehestedt zum Sport. In der Kommunalpolitik und in der Aktiv-Region kann ich die Dinge mitgestalten.

Sie waren über viele Jahre Abteilungsleiterin im Finanzministerium und von 2009 bis 2012 Landwirtschaftsministerin. Profitiert Ihre Arbeit im Vorstand der Aktiv-Region von diesen Erfahrungen?

Ja. Was ich in der Verwaltung und im Ministeramt gelernt habe, die Kontakte, die ich geknüpft habe – all das kann ich jetzt für meine Gemeinde und die Aktiv-Region einbringen.

Welches ist das Hauptanliegen der Aktiv-Region?

Die ländliche Region zukunftsfähig weiter zu entwickeln. Die Aktiv-Regionen setzen unterschiedliche Akzente. Und die demografische Entwicklung in den einzelnen Gemeinden ist unterschiedlich, das haben wir im Rahmen der „Zukunftsstrategie Daseinsvorsorge“ des Amtes Hüttener Berge gelernt. Einige Gemeinden wachsen, in anderen Orten sinken die Einwohnerzahlen jedoch.


Woran liegt das?

Das hat ganz verschiedene, oft sehr persönliche Gründe. Einerseits ist es schön, wenn Kinder auf dem Land aufwachsen. Andererseits bedeutet es oft lange Wege zur Schule. Manche ältere Menschen möchten nicht mehr ein so großes Haus haben und wünschen sich kurze Wege zum Arzt und Einkaufen – sie ziehen dann in die Stadt. Andere wiederum wählen im Alter ganz bewusst das Dorf als Lebensmittelpunkt. Und wieder andere möchten bewusst Teil der Gemeinschaft bleiben, obwohl sie kein Auto haben.

Aber ohne Auto ist die Versorgung auf dem Land doch sehr schwierig.

Nun, in Sehestedt zum Beispiel gibt es den Bürgerbus, der nach Eckernförde fährt. Der Bäcker kommt regelmäßig mit seinem Verkaufswagen vorbei. Der Wischhof liefert seine Gemüsekiste ins Haus. Und dann gibt es ja noch die Nachbarschaftshilfe.

Das setzt aber voraus, dass man Kontakt zu seinen Nachbarn pflegt.

Ja, es bedingt, dass man nett zueinander ist, dass man am Dorfleben teilnimmt. Man muss sich nicht aktiv in einem Verein engagieren, aber eine gewisse Offenheit ist schon Voraussetzung.

Die Gemeinden müssen sich also über ihre Zukunft Gedanken machen.

Richtig. Jede muss ihre eigene Zukunftsvision entwickeln. Wir dürfen die Dörfer nicht nur verwalten, sondern wir müssen uns zusammensetzen, Impulse setzen und Zukunftsvisionen malen.

Wie können diese Zukunftsvisionen aussehen?

Die Fragen lauten: Wollen wir ein Schlafdorf sein? Oder möchten wir ein touristischer Ort sein? Dabei ist zu bedenken, dass viele Menschen Geld in den Ort bringen, aber auch Unruhe. Oder möchten wir Wirtschaftsbetriebe ansiedeln? Borgstedt beantwortet dies zum Beispiel anders für sich als Damendorf, allein schon durch die Nähe zu Büdelsdorf.

Um solche Visionen zu entwickeln und umzusetzen, braucht eine Gemeinde die geeigneten Menschen.

Genau. Wir benötigen Menschen, die an einem Thema dran bleiben, die etwas positiv bewegen, die eigene Ideen entwickeln. Menschen, die nicht nur meckern – denn das bringt uns nicht weiter. Solange ich keine besseren Vorschläge habe, sollte ich mich zurückhalten.

Was tut die Aktiv-Region zur Entwicklung der ländlichen Räume?

Für „Hügelland am Ostseestrand“ wurde in Bürgerrunden eine Entwicklungsstrategie erarbeitet. Diese ist Voraussetzung für die Einwerbung von EU-Fördermitteln. Die Strategie ist vom Ministerium genehmigt worden. Jetzt können Projekte im Rahmen der in dem Konzept genannten Entwicklungsziele umgesetzt und gefördert werden.

Worum geht es bei diesem Konzept?

Es geht beispielsweise darum, wie wir das Bildungsangebot und die Daseinsvorsorge verbessern und wie wir die regionale Wirtschaft ankurbeln können.

Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Im Bereich Bildung haben wir die „Karte der außerschulischen Lernorte“ erstellt. Die reicht von der Kochschule Schirnau über den Tierpark Gettorf mit seinen pädagogisch hervorragenden Angeboten für Kinder bis zu dem hochspezialisierten Saatzuchtunternehmen in Hohenlieth, das bei Führungen die Menschen informiert. Diesen Katalog wollen wir noch erweitern. Betriebe und Institutionen mit entsprechenden Angeboten können sich gerne bei der Aktiv-Region melden.

Und im Bereich Wirtschaft?

Dort möchten wir uns stärker um die Direktvermarkter kümmern. Wir wollen dafür sorgen, dass Dienstleistungen und Produkte aus unserer Region besser präsentiert werden können.

Werden Sie diese Produkte auch auf der Grünen Woche präsentieren?

Ja. Denn die Grüne Woche ist mehr als eine Landwirtschafts-Messe. Sie ist eine große Verbrauchermesse. Sie ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich mit Landwirtschaft, Ernährung, ländlicher Entwicklung, Jagd, Forst und Fischerei beschäftigen. Und mit Tourismus.

Unter welchen Gesichtspunkten stellt die Aktiv-Region aus?

Erleben – Entdecken – Genießen. Zum Erleben und Entdecken können wir eine tolle Kombination aus Strand und Landschaft bieten. Die Liste der Attraktionen ist lang.

Und was kann man in der Region genießen?

Da sind zum Beispiel die Süßigkeiten der Bonbonkocherei. Deren Produktion kann man auch vor Ort in Eckernförde erleben. Wir haben Wildpastete und Wildsalami der Fleischerei Neidhardt aus Holtsee dabei. Und das Wittenseer Wasser. Und auf der Schaubühne stellen wir uns täglich vor – mit unserer Landschaft, den verschiedenen Urlaubsquartieren, den Freizeitangeboten und mit unseren tollen regionalen Produkten.

Hans-Claus Schnack, Vorsitzender vom Naturpark Hüttener Berge ist auch dabei...

Ja, er wird die einzelnen Betriebe auf der Bühne vorstellen. Und es gibt jeden Tag eine Verlosung – mit Gewinnen aus der Region, wie einer Übernachtung in der Globetrotter Lodge oder Freikarten für den Gettorfer Tierpark. Denn wir wollen die Menschen ja leckerfritzig machen, wir wollen sie in die Region locken.

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