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„Wir können uns die Welt nicht schönreden“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 10:23 Uhr

Ich will die Aktion nicht runtermachen, schließlich heißt es in der diesjährigen Fastenaktion „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen.“

Aber ganz offen gestanden, kann ich mit den jährlichen Fastenthemen und den schönen Vorsätzen, auf Schokolade, Wein, Fernsehen oder Computer bis Ostern zu verzichten, nicht viel anfangen. Mir ist das eher Wurscht. Ganz im Sinne des schweizerischen Reformators Zwingli, der 1522 an einem demonstrativen Wurstessen während der Fastenzeit teilnahm. Damit nahm die Reformation in der Schweiz damals ihren Lauf.

Aber was spricht denn gegen das schöne diesjährige Motto der Fastenaktion? Mal nicht das Hässliche in den Blick zu nehmen, sondern das Augenmerk auf die schönen Seiten zu lenken, auch bei sich selbst- würde eine solche Haltung nicht unser ganzes Leben etwas freundlicher, milder aussehen lassen?!

Da ist gewiss etwas dran. Aber gerade darum ging es in der ursprünglichen Idee des Fastens nicht: dass ich gerade auf mich schaue. Es ging im Fasten eigentlich darum, dass ich darauf verzichte, mich allzu sehr mit mir selbst zu beschäftigen. Das Fasten sollte das Kümmern um sich selbst so weit wie möglich reduzieren, damit ich mich mehr auf den Glauben, auf Gott konzentrieren kann.

Das hat sich nach meiner Sicht geradezu verkehrt. Zudem kann ich leider – so ehrenwert und gut es weiterhin ist, das, was schön ist, zu beachten und schön zu nennen – mich und die ganze Welt um mich herum nicht schönsehen oder schönreden. Wir sehen mit großer Sorge die Krise in der Ukraine. Wir sehen, wie immer mehr Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten fliehen. Wir sehen Terrorgruppen und ihre grausamen Aktionen ohne jegliche Achtung der Würde von Menschen.

In diesen Zeiten sehen wir wie hässlich Menschen sein können, wie sie ihre dunkelsten Seiten zeigen und leben.

Die Passionszeit weiß darum, weiß, dass es düstere und alles andere als nur schöne Augenblicke gibt. Der Lieddichter Paul Gerhardt hat das schonungslos in einem seiner Lieder beschrieben. Darin beschreibt er Jesus Gesicht am Kreuz so: „Du edles Angesichte … wie bist du so bespeit, wie bist du so erbleicht, … so schändlich zugericht‘? Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht ist hin und ganz vergangen“.

Wir haben uns vielleicht etwas zu sehr an die schönen Bilder von Jesus oder Maria gewöhnt. Aber wer sagt uns eigentlich, dass sie wirklich so schön gewesen waren? Vielleicht wird es einmal ein Bild eines unschönen Jesus geben – er war immerhin wie wir, wahrer Mensch. Entscheidend an ihm war und ist aber nicht, ob er nun schön war oder nicht, sondern dass er gerade dahin ging, wo es nicht schön ist. Wie gesagt, ich will die Fastenaktion nicht runtermachen, aber darin zeigt sich Gott, dass er „runtermacht“ – mitten in unser Leben. Weihnachten haben wir das gefeiert. Nach allem, was wir wissen, war es da alles andere als schön. Es war eher eine ganz schön armselige und heruntergekommene Bruchbude, in der sein Leben begann. Und auch am Ende ist es kaum anders. Jesus wird am Kreuz runtergemacht, verhöhnt, verspottet, getötet und ins Grab gelegt. Erst am dritten Tag nachdem er schließlich so runtemacht ins Grab, leuchtet in dieses leider alles andere als schöne Leben ein neuer Glanz. Aus der Ewigkeit erscheint das Leben in einem neuen Licht Gottes am Ostermorgen mit seiner aufgehenden Sonne. So wie es so schön in einem Wort aus den Psalmen versprochen wird: „Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes.“
Schöne Grüße!



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