„Wir können froh sein, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist“

Kirsten Bülowius: „Katastrophal“. Fotos: Lange
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Kirsten Bülowius: „Katastrophal“. Fotos: Lange

Fußgänger und Radfahrer sind die Leidtragenden der dauerdefekten Ampel an der Kreuzung B 76 / Domstag – die EZ hat sich mit ihnen unterhalten

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28. Mai 2015, 06:11 Uhr

Seit Minuten versucht Kirsten Bülowius, mit ihrem Fahrrad die Straße zu überqueren. Es ist ungemütlich, hier an der Kreuzung B76 und Domstag. Gerade hat es zu regnen angefangen und die Aussicht, trockenen Fußes zuhause anzukommen, schwindet mit jedem vorbeirauschenden Fahrzeug. Es ist erst 12 Uhr, doch die Autoschlange reißt nicht ab. Deutet sich eine Lücke auf einer Fahrspur an, könnte die Blechlawine auf der anderen kaum dichter sein. Kein vorbeifahrendes Fahrzeug hält sich tatsächlich an die vorgeschriebenen 30 km/h. Im Gegenteil, ohne Ampelregelung kann sich der aus Richtung Kiel kommende Verkehr immerhin entspannt ausrollen lassen und hat so auf Höhe Domstag unter Umständen noch schnittige 60 km/h auf dem Tacho.

Konnten sich Radfahrer und Fußgänger bisher auf eine Ampelregelung an der Kreuzung verlassen, bleiben ihnen seit vier Wochen nur noch waghalsige Manöver, um die Straße zu überqueren. Kirsten Bülowius findet klare Worte für die derzeitige Verkehrsregelung: „Katastrophal. Ich habe wirklich einen Rochus auf die Bahn. Es kann nicht sein, dass das so bis 2019 weitergeht.“ Jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit müsse sie diesen Spießrutenlauf ertragen. Schon häufiger sei es dabei fast zu Unfällen gekommen. „Wir können froh sein, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist.“ Eine gefährliche Aktion habe sie etwa vor wenigen Tagen beobachtet, als ein vorschriftsmäßig fahrender Pkw von einem deutlich schnelleren Wagen auf der Kreuzung überholt worden sei. „Was da hätte passieren können.“ Kirsten Bülowius hat heute Glück im Unglück: Nach langem Warten am Straßenrand hält endlich ein Auto, um sie über die B76 zu lassen. Der nachfolgende Verkehr „bedankt“ sich dafür mit anhaltendem Hupen.

Bruntje Bratz aus Neudorf ist Schülerin der Peter-Ustinov-Schule. Wenn der Bus sie morgens an der WTD absetzt, muss sich die 17-Jährige auf langes Stehen an der Bundesstraße einstellen. „Manchmal muss man ewig warten, bis mal eine Lücke kommt.“ Halsbrecherische Manöver vermeidet sie: „Wenn ich das Gefühl habe, ich müsste rennen, um über die Straße zu kommen, dann lasse ich es lieber ganz.“ Brenzlige Situationen habe sie an der Kreuzung B76/Domstag bisher noch nicht erlebt, sagt Bruntje, „aber manche Autos brettern hier schon ganz schön durch“.

Sehr gut erinnere sie sich an die letzte Aprilwoche, als der Abi-Jahrgang ihrer Schule Prüfungen hatte. „An dem Morgen hatte sich eine Schlange bis nach Kiekut gebildet. Die Schüler, die zur Prüfung mussten, haben richtig Panik geschoben. Sie waren gerade noch pünktlich.“

Eine Fußgängerampel wäre eine große Erleichterung für die Schüler, sagt Buntje, „aber auch nur dann, wenn sie heil ist.“

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