Sprengungen : „Wir kämpfen hier an allen Fronten“

In der Steilküste von Schönhagen gibt es rund 2500 Brutröhren der Uferschwalbe. Der Nabu hat die Sorge, dass die Röhren und mit ihnen die Jungtiere bei starken Erschütterungen durch Explosionen im Marine-Sperrgebiet vor Schönhagen verschüttet werden.
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In der Steilküste von Schönhagen gibt es rund 2500 Brutröhren der Uferschwalbe. Der Nabu hat die Sorge, dass die Röhren und mit ihnen die Jungtiere bei starken Erschütterungen durch Explosionen im Marine-Sperrgebiet vor Schönhagen verschüttet werden.

Nabu plant Infoabend zu Sprengversuchen der Marine vor Schönhagen. Bürgermeister entsetzt.

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10. Januar 2018, 06:13 Uhr

Brodersby | „Das ist unglaublich, wenn da vor Schönhagen in dem Ausmaß gesprengt werden soll“, sagt Karl Christoph Jensen, Vorsitzender des Nabu-Ortsvereins Nordschwansen-Kappeln. Er mache sich ernsthaft Sorgen nicht nur um Schweinswale und andere Meeresbewohner, sollte die Deutsche Marine ihr Vorhaben, Sprengungen im Marine-Sperrgebiet Schönhagen zwischen Damp und Port Olpenitz ab dem Frühjahr zu starten, wahr machen (wir berichteten). Jensen sieht vor allem auch die an der Schönhagener Steilküste beheimateten Uferschwalben in Gefahr.

Jensen und seine Vereinsmitglieder zählten in den Vorjahren bis zu 2500 Brutröhren in dem Steilufer. Rechne man das auf den Bestand der Uferschwalben hoch, dann kämen da fast 5000 Brutpaare zusammen, so Jensen. Je nachdem, wann die Sprengungen auf der ausgemusterten und mit Sensorik ausgestatteten Fregatte „Karlsruhe“ beginnen, könnten die brütenden Tiere, wenigstens aber die geschlüpften Jungtiere, in den Röhren verschüttet werden. „Schon jetzt merkt man, dass die Erde bebt, wenn vor Schönhagen Seeminen gesprengt werden“, sagt Jensen.

„Wir kämpfen hier an allen Fronten“, gibt sich Damps Bürgermeister Horst Böttcher entsetzt über das Vorhaben der Marine. Erst mussten sich die touristischen Gemeinden an der Eckernförder Bucht gegen die geplante Verklappung von Aushub aus dem Ausbau des Nordostseekanals wehren. Dort wurde nach intensiven Verhandlung mit den Gemeinden ein Monitoringprozess vereinbart, um die Verklappung zu begleiten. Dann ging es um das Fracking, das in Waabs in der Nähe des Wasserwerks stattfinden sollte. Auch dieses wurde am Ende abgewendet. Er habe den Tourismus im Blick, „ein Schießplatz vor den Stränden von Kappeln bis Waabs passt nicht ins Bild. Das ist absolut unsensibel“, stellt Böttcher fest und beklagt, dass die Anliegergemeinden nicht im Vorfeld ins Boot geholt wurden. Man hätte sicher eine Lösung finden können, so aber sei es einfach nur unsensibel, wenn neben Wassersportlern und Badegästen Sprengversuche erfolgen.

Ganz ähnlich die Reaktion von Brodersbys Bürgermeister Christian Schlömer. Er sei von der Nachricht ebenso überrascht und entsetzt gewesen. Wenn die Marine tatsächlich Ansprengversuche an der alten Fregatte mache, dann würden die Meeresbewohner ebenso Schaden nehmen wie die Steilküste. Dort seien dann nicht nur die Uferschwalben gefährdet, sondern auch die ganze Steilküste könne weiter abbrechen. „Wenn solche Sprengungen dann auch noch in der Sommersaison erfolgen, hat das vermutlich für den Tourismus negative Folgen“. Man hätte die Gemeinden einbinden müssen, fordert er.

Nach Auskunft des Nabu-Landesverbands umfasst die Uferschwalbenkolonie in Schönhagen rund 14 Prozent des gesamten Brutbestands des Vogels im Land. Um über das Thema zu informieren, plant Jensen in Zusammenarbeit mit dem Landesverband eine Infoveranstaltung. „Ort und Zeit stehen noch nicht fest“, so Jensen.

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