92 Wohnungen auf dem FH-Campus : „Wir fahren Wasser spazieren“

Über diese Leitungen soll die Erdwärme gewonnen und zur Versorgung der zehn neuen Wohngebäude genutzt werden.
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Über diese Leitungen soll die Erdwärme gewonnen und zur Versorgung der zehn neuen Wohngebäude genutzt werden.

Erdwärme für den GWU-Campus im Lorenz-von-Stein-Ring: Wohnungsbaugenossenschaft GWU kooperiert mit den Stadtwerken Schleswig. Ab dem Sommer sollen 92 Wohnungen gebaut werden.

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24. März 2017, 06:38 Uhr

Eckernförde | Das Genossenschaftliche Wohnungsunternehmen (GWU) hat für das Bauvorhaben FH-Campus im Lorenz-von-Stein-Ring die Stadtwerke Schleswig als Energiepartner ins Boot geholt. Ausschlaggebend dafür ist die von den Schleistädtern angebotene innovative Energieversorgung mittels „Kalter Nahwärme“ (Geothermie) in Verbindung mit einer zentralen Holzpellet-Heizung sowie zusätzlichen Dachabsorbern, die der Schleswiger Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Schoof am Mittwochabend im Bauausschuss vorstellte. Die Nutzung dieser „rein ökologischen Energieversorgung ohne Erdgas“ sorge für geringe Nebenkosten für die Mieter und Bewohner der 92 geplanten Wohnungen. Nach Auskunft von GWU-Vorstand Dr. Stephan Seliger seien alle Bauanträge genehmigt. Im ersten Bauabschnitt werde das Bestandsgebäude saniert, im 2. Bauabschnitt ab Sommer diesen Jahres mit dem Bau der zehn Wohngebäude und 92 Wohnungen begonnen.

Das geothermische Verfahren der „Kalten Nahwärme“ ist ein Spezialgebiet der Stadtwerke Schleswig. Nach dem vom GWU betriebenen Auswahlverfahren seien sie der einzige Anbieter, der solche Anlagen herstellt und auch bewirtschaftet, erläuterte der GWU-Vorstand auf EZ-Anfrage. Und genau das habe man gesucht. Man habe daher einen längerfristigen Bewirtschaftungsvertrag mit den Stadtwerken Schleswig abgeschlossen.

Der Schleswiger Stadtwerke-Chef umriss das ökologisch ausgerichtete Energiekonzept. Im Zentrum steht dabei die Gewinnung von Erdwärme. Um die Wärme aus dem Erdreich zu ziehen, werden auf dem gesamten Gelände in etwa 1,75 Metern Tiefe unisolierte Kunststoffrohre verlegt, durch die kaltes Wasser fließt. „Wir fahren Wasser spazieren“, sagte Schoof, „und ziehen dadurch zwei bis drei Grad aus dem Boden“. Und damit werden die zehn Wohngebäude mit insgesamt 92 Wohnungen per Fußbodenheizung und Badheizkörper beheizt. Zusätzlich werden auf knapp 2000 Quadratmetern insgesamt 350 Erdwärmekollektoren in zwei Schichten in 1,50 und 3,50 Metern Tiefe verlegt, die ebenfalls Erdwärme aus dem Boden ziehen und in die Heizanlagen der Wohnhäuser schicken. Per Sole-Wasser-Wärmepumpe wird die Wärme in die Speicher und Frischwasserstationen geleitet, die Anlagen bringen 25 bis 30 Kilowatt Heizleistung in jedes der zehn Mehrfamilienhäuser. Damit soll der jährliche Wärmebedarf von rund 410  000 Kilowattstunden gedeckt werden. Dazu tragen auch die rund 300 Quadratmeter großen Dachabsorber auf dem Dach des gegenüberliegenden Bestandsgebäudes – das wegen seiner Form auch H-Gebäude genannt wird – bei, auf dem zusätzlich auch Strom zur Eigennutzung erzeugt wird. Die gesamte Anlage wird digital von Schleswig aus ferngesteuert und -überwacht.

Das unter Denkmalschutz stehende Bestandsgebäude, in dem eine Seniorenbetreuungsstation und die GWU-Verwaltungszentrale untergebracht werden, wird wegen des hohen Energiebedarfs mit einer Holzpellet-Heizung bestückt. In zwei Heizkesseln wird der jährliche Wärmebedarf von rund 280  000 Kilowattstunden gedeckt. Zum Einsatz kommen pro Jahr rund 90 Tonnen Holzpellets, mit deren Anlieferungen ein Eckernförder Unternehmen beauftragt worden sei, so Stadtwerke-Chef Schoof. 25 Tonnen davon können gebunkert werden, die Anlieferung erfolge vier Mal pro Jahr und dauere zwei bis drei Stunden.

Für den Schleswiger Stadtwerke-Chef sei das gewählte Energieversorgungskonzept „nachhaltig, umweltschonend und wirtschaftlich“ mit deutlich niedrigeren Primärenergiefaktor als im Falle einer Energieversorgung mit Erdgas.

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