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Eckernförder Zeitung

12. Dezember 2017 | 13:54 Uhr

Winterspaß zu dritt

vom

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Eckernförde | Wieder hatten der kalte Wind und neuer Schnee meine Hoffnung auf den Frühling zunichte gemacht. Da kam die Bitte, einen Besuch in Borgstedt zu machen, gerade recht. So versprach ich, am nächsten Tag zu kommen.

Es war eine gute Entscheidung, denn am Morgen stand die Sonne am leuchtend blauen Himmel. Extra für mich?

Was machte es da noch, dass der Wind kräftig blies, die Straßen sehr glatt waren und ich nach kurzer Zeit schon durchgefroren war. Ich erreichte heil den ZOB, stieg in den Bus, wählte den vordersten Sitz und hatte somit freien Blick nach allen Seiten. Mit einem Mal störte es mich nicht mehr, dass es Winter war - machte es die Sonne, die uns diesen lichten Tag schenkte?

Der Bus nahm die Richtung, die ich schon oft, immer und immer wieder, gefahren war. Doch heute, im Abstand von Jahren, zeigte sich mir alles anders, fast wie verwunschen. Ich staunte, denn in manchen Winkeln leuchteten die ersten Frühlingsboten. Da hatten Wind und Schnee wohl aufgeben müssen.

Es ging am Wittensee vorbei. Welch ein wunderschönes Bild bot sich auch hier meinen Augen. Ich genoss jeden Kilometer dieser frühmorgendlichen Fahrt. Am Ziel erwarteten mich zwei hoch gewachsene Frauen - aus meiner kleinen Freundin Paula war ein überaus hübsches Mädchen geworden.

Nach einem Frühstück, gestärkt und aufgewärmt, entschieden wir uns, einen langen Spaziergang an der Eider zu machen. Wir gingen vertraute Wege - Paula und ich tauschten so manches verschmitzte Lächeln, denn wir zwei teilten immer noch manch kleines Geheimnis, von dem ihre Mama bis heute nicht wusste. Ob sich ihre Mama da ein wenig ausgeschlossen fühlte? Hoffentlich nicht.

Vogelgezwitscher begleitete uns. Ein Anlegesteg in die Eider präsentierte uns wunderschöne, in der Sonne wie Kristall glitzernde lange Eiszapfen. An der Seite des Steges wuchsen Weiden, deren Kätzchen sich öffnend der wärmenden Sonne entgegen reckten. Ich erkannte einmal mehr: Nicht nur der Mensch, auch die Natur war süchtig nach der Sonne und ihren wärmenden Strahlen.

Wir erreichten die Trimm-dich-Geräte, und wie könnte es anders sein, prüften wir daran, wie sportlich wir sind. Zum Abschluss wollten wir Engel in den Schnee zaubern, entschieden dann jedoch, unsere sportlichen Aktivitäten mit Liegestütz im Schnee zu beenden. Leicht ermüdet und inzwischen wieder hungrig, wanderten wir heim.

Mutter und Tochter bereiteten ein Mittagessen, ein leichtes Spaghetti-Gericht. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Spaghetti-Fan bin, und nun das! Wieder einmal staunte ich, wie elegant diese langen Dinger verspeist werden können, und ich fragte mich, warum es mir nicht gelang. Ich nahm die Kampfansage an, leerte meinen Teller, sah aber am versteckten Schmunzeln der beiden Frauen: Sie hatten Spaß an meinem Bestreben, das Gericht anständig zu vertilgen. Als nachgereicht wurde, verzichtete ich lieber, hatte ich doch meinen Teil zu ihrer Erheiterung beigetragen. Paula und ich hatten uns auf dem Spaziergang oft verschworen zugelächelt, nun waren Mutter und Tochter dran, nach dem Motto "gleiches Recht für alle".

Am Abend fuhr mich Paula mit den Eltern stolz heim, denn seit kurzem hatte sie die Fahrerlaubnis in der Tasche. So wurde für mich aus einem der wenigen sonnigen Wintertage ein Tag des Erinnerns, voller Spaß und Übermut. Ich fand an diesem Tag aber auch meine Gelassenheit wieder und schenkte dem Winter ein Lächeln, wie könnte es anders sein, ein Winterlächeln, und das war eisig.

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